Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Burgdorf Todkranker Matrose trifft sich mit Weggefährten
Umland Burgdorf

Burgdorf: Todkranker Matrose trifft sich mit Weggefährten

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
07:24 20.12.2019
Reinhold Goldschmidt und Psychoonkologin Nicole Drees stehen vor der Cap San Diego. Quelle: privat
Anzeige
Burgdorf

Reinhold Goldschmidt geht mit einem besonderen Ziel ins neue Jahr: Gleich im Januar will er sich mit einem Gleichgesinnten treffen, der wie er auf einem Schiff als Matrose gearbeitet hat. Damit setzt sich für den 73-Jährigen aus Burgdorf, der unheilbar an Lungenkrebs erkrankt ist, seine Lebensgeschichte auf besondere Weise fort – dank Psychoonkologin (psychologische Betreuerin von Krebspatienten) Nicole Drees und dem ASB-Wünschewagen.

Im April 2018 erhielt Goldschmidt seine Krebsdiagnose, seitdem musste er wochenlange Klinikaufenthalte verkraften. Die Behandlungen schwächten seinen Körper. Immer weniger schien sich sein Wunsch zu erfüllen, noch einmal den Hamburger Hafen zu besuchen und seinen einstigen Arbeitsplatz zu sehen. Diese Situation kennt die Psychoonkologin durchaus. „Menschen, die an Krebs erkrankt sind, werden täglich mit Defiziten konfrontiert, die die Erkrankung mit sich bringt“, sagt sie. Luftnot, Übelkeit, Schmerzen – all das gehöre für viele zum Alltag und schränke sie massiv ein.

Patienten entdecken alte Wünsche neu

An dieser Stelle setze sie ein. „Ich arbeite mit den Patienten ressourcenorientiert“, sagt sie und fügt hinzu, dass sie dieses Konzept auch für Goldschmidt genutzt habe. Anhand der Biografie lege sie verschüttete Wünsche offen, die Patienten entdeckten alte Bedürfnisse neu, die im Laufe des Lebens aus dem Fokus geraten seien. „Niemand weiß, wie viel Lebenszeit einem bleibt, deshalb ist es wichtig, nichts zu verschieben, sondern Ziele und Wünsche jetzt umzusetzen“, sagt sie eindringlich. Und so ermöglichten die Medizinerin und ein ehrenamtliches Team vom ASB-Wünschewagen dem einstigen Matrosen die Fahrt nach Hamburg. Vier Monate hatte Goldschmidt in den Sechzigerjahren auf der Cap San Augustin gearbeitet, einem Schwesterschiff der Cap San Diego, die heute als Museumsschiff in Hamburg liegt – sie waren einst bekannt als „weiße Schwäne des Südatlantiks“.

Lesen Sie dazu auch: ASB-Wünschewagen fährt mit krebskrankem Mann nach Hamburg

Gespräche überlagern Gedanken an Krebs und seine Folgen

Bis heute zehrt der todkranke Mann von dem Besuch an der Elbe und von seinen Erinnerungen, die dank der Reise die schweren Momente leichter werden lassen. „Die Seefahrt ist wieder ein großes Thema, und es geht jetzt oft auch um die damit verbundene Freiheit“, sagt Drees. Dazu gehöre für den Burgdorfer neben dem Kennenlernen fremder Länder und Kulturen auch die Möglichkeit, dass er seinerzeit selbst entscheiden konnte, wie lange und auf welchem Schiff er arbeiten wollte.

Über diese Erfahrungen kann sich der Patient, dem nur noch kurze Lebenszeit bleibt, dank des Wünschewagens und der Berichterstattung nun mit Weggefährten austauschen. „Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich im Anschluss gemeldet und Kontakt aufgenommen haben“, sagt Drees. Die Gespräche überlagerten die Gedanken an die Erkrankung und ihre Folgen. Und deshalb freut sich die Medizinerin umso mehr, dass sich nun auch ein Matrose gemeldet hat, der wie Goldschmidt in den Sechzigerjahren zur See gefahren war. In diesem Jahr hat ein Treffen nicht geklappt, es steht nun für Anfang 2020 auf dem Plan. „All das sorgt dafür, dass Herr Goldschmidt wieder strahlen kann“, sagt sie und fügt hinzu: „Der Mund reicht nach solchen Gesprächen immer bis zu beiden Ohren.“

Von Antje Bismark

Die Bundestagsabgeordnete Caren Marks (SPD) sucht in ihrem Wahlkreis Nachwuchsjournalisten: 25 Jugendliche aus ganz Deutschland werden für März nach Berlin zum 17. Jugendmedienworkshop eingeladen. Bewerbungsschluss: 17. Januar.

19.12.2019

Die Bürgerinitiativen Umwelt Uetze und Wathlingen machen mit einer Flugblattaktion gegen die geplante Abdeckung des Wathlinger Kalibergs mit belastetem Bauschutt und Boden mobil. Ein K+S-Sprecher wirft ihnen Panikmache vor.

19.12.2019

Einen Diebstahl von Autokennzeichen meldet die Polizei aus Ehlershausen. Das betroffene Fahrzeug war in der Nähe des S-Bahnhofs abgestellt. Die Polizei fragt: Wer hat etwas gesehen?

19.12.2019