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Burgdorf Mutter von Schlägerei-Opfer setzt 10.000 Euro Belohnung für Hinweise aus
Umland Burgdorf

Burgdorf/Uetze: Mutter von Schlägerei-Opfer setzt hohe Belohnung aus

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11:31 05.10.2019
Vor der Sporthalle des Schulzentrums verletzte ein Schläger einen betrunkenen Fußballer schwer - nun sucht die Mutter nach Hinweisen auf den Täter.
Vor der Sporthalle des Schulzentrums verletzte ein Schläger einen betrunkenen Fußballer schwer - nun sucht die Mutter nach Hinweisen auf den Täter. Quelle: Google
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Uetze/Flettmar

Für ein Opfer der Gewaltexzesse nach einem Fußballhallenturnier beim SV Uetze 08 im Januar vergangenen Jahres ist die Sache noch nicht erledigt – trotz oder gerade wegen des Freispruchs eines der beiden Angeklagten aus Uetze. Die Familie des 30 Jahre alten Opfers will nicht hinnehmen, dass sich Zeugen im Prozess nicht erinnern wollten und den Straftäter damit bis heute schützen. Die Mutter hat angekündigt, für Hinweise eine hohe Belohnung aussetzen zu wollen.

10.000 Euro soll bekommen, wer der Polizei oder der Familie Hinweise auf den Täter geben kann. „Die ganzen Zeugen, die im Prozess gesessen und geschwiegen haben, wissen doch, wer es war. Und keiner sagt was“, sagt Angelika Döring aus Flettmar bei Müden. Die Mutter des zur Tatzeit betrunkenen Opfers, dessen Kopf mit voller Wucht gegen eine Schulwand geschlagen worden war, sodass das Augenbein brach, ertrug es nicht, am Strafprozess teilzunehmen. Bis heute kann sie die Vorstellung, was ihrem Sohn widerfuhr, kaum ertragen. Noch weniger allerdings, dass niemand für den Übergriff verantwortlich zu machen ist.

Polizei rät vor Prozess von Belohnung ab

Ihrem Sohn, selbstständig als Spediteur, gehe es heute wieder gut. Er könne wieder arbeiten. Doch weder er noch ihr Mann und schon gar nicht sie selbst können sich mit dem aus Sicht der Familien unbefriedigenden Prozessverlauf zufrieden geben, sagt Döring. Sie hatte nach eigenen Angaben bereits vor Prozessbeginn eine Belohnung aussetzen wollen, um Zeugenhinweise zu bekommen. Allerdings habe die Polizei ihr abgeraten. Eine Belohnung sei unnötig, denn der Täter sei gefasst, habe man ihr gesagt, erinnert sich die Mutter.

Das Gerichtsverfahren am Amtsgericht Burgdorf nahm einen anderen Verlauf. Das Gericht konnte trotz Anhörung von fast 40 Zeugen nicht zweifelsfrei beweisen, dass der Angeklagte ihren Sohn brutal zusammengeschlagen und verletzt liegen gelassen hatte. Es habe zwar einen Zeugen gegeben, der ihrem Sohn berichtet haben soll, dass er alles mit angesehen hatte. Der aber habe vor Gericht gekniffen und lieber geschwiegen, hadert Döring mit dem Ergebnis – dem Freispruch des Angeklagten, den sie für schuldig hält.

Mutter: Es geht nicht um Rachegefühle

Nicht Rachegefühle seien die Triebfeder, warum die Familie nicht lockerlasse, versichert die Mutter: „Ich will nur wissen, wer es war. Und dass der Täter weiß, dass wir es wissen.“ Auch wenn es nur unter juristisch sehr eng gefassten Voraussetzung überhaupt möglich ist, dass jemand nach einem Freispruch ein zweites Mal für ein und dieselbe Tat angeklagt werden kann – etwa wenn der Angeklagte ein Geständnis ablegt.

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Von Joachim Dege