Burgdorf: Was sich Otzes neuer Ortsbürgermeister für sein Dorf wünscht
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Burgdorf: Was sich Otzes neuer Ortsbürgermeister für sein Dorf wünscht

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19:17 26.05.2020
Baustelle: Auf der früheren Hofstelle Raupers entstehen Wohnungen und Einfamilienhäuser. Der neue Ortsbürgermeister Andreas Meyer wünscht sich für das Areal einen Bebauungsplan. Quelle: Joachim Dege
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Otze

Ganz unverhofft hat Andreas Meyer soeben das Amt des Ortsbürgermeisters von Burgdorf-Otze übernommen – ein Jahr vor der Kommunalwahl. Angestrebt hat es der Christdemokrat, der seit 2016 einen Sitz im Ortsrat hat und einen weiteren im Rat der Stadt, nicht. Aber was sollte er machen? Nachdem seine Parteifreundin Ulla Träger aus familiären Gründen den Posten schon längere Zeit nicht mehr hatte ausüben können und ihn dann Anfang Mai tatsächlich niederlegte, mochte er sich nicht schnöde um die Verantwortung drücken. Das ist ihm einfach nicht gegeben. Schon sein Opa Herbert Meyer hatte von 1964 bis 1974 als Ortsbürgermeister den Hut auf in dem Dorf, das heute 1800 Einwohner zählt.

Amtsübernahme kommt zur Unzeit

Dabei ist der Zeitpunkt der Amtsübernahme alles andere als günstig für den mit einer Lehrerin verheirateten jungen Familienvater. Die beiden Kinder des 32-jährigen Landwirts mit eigenem Hof plus Managerjob als Standortleiter bei der Raiffeisengenossenschaft in Burgdorf sind gerade einmal neun Monate und zwei Jahre alt. Zum Glück helfen der Bruder und sein Vater mit auf dem Hof. Sonst wäre das alles wohl kaum zu machen. „Ich werde jetzt mal im nächsten halben Jahr sehen, wie das zu schaffen ist mit all den zusätzlichen Anforderungen“, sagt Meyer in der ihm eigenen zurückhaltenden Art.

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„Die Betroffenen sollen alles mitentscheiden“: Andreas Meyer sieht eine seiner Aufgaben darin, alle an einen Tisch zu holen. Quelle: Joachim Dege

Schon weil er selber Kinder hat, empfindet Meyer allerhöchsten Respekt für seine Amtsvorgängerin. Die nämlich habe sich nach Darstellung von Meyer unermüdlich eingesetzt für die Otzer Trilogie, wie das Bauamt die drei nebeneinander vorangetriebenen Bauvorhaben Kita-Erweiterung, Turnhallen-Neubau und Schulanbau taufte. Das Gleiche wolle er auch tun, verspricht er auf der Baustelle. Die Kita-Erweiterung ist so gut wie geschafft. Das Außengelände bedarf noch der Gestaltung und eines Pflasters, das die Nutzer trockenen Fußes zum neuen Eingang führt.

Die Kosten bereiten dem Betriebswirt Meyer Sorgen. Für die Kita-Erweiterung seien im Dezember 2018 noch 1,4 Millionen Euro vorgesehen gewesen. Im August vergangenen Jahres habe man gewusst, dass das Vorhaben nicht unter 2,2 Millionen Euro zu realisieren sei. Inzwischen sei klar, dass die Stadt auch diesen Betrag reißen wird. „Da weiß man, was mit dem Schulanbau auf uns zukommt.“ Zurzeit arbeite die Verwaltung an der Raumbedarfsplanung, mit der sich der Rat der Stadt nach der Sommerpause beschäftigen werde, bevor dann ein Architektenwettbewerb auszuschreiben sei.

Ortsbürgermeister will moderieren

Und dann sei da ja auch noch die fast 50 Jahre alte, marode Sporthalle, die dringend erneuert werden müsse, sagt Meyer und lobt überschwänglich Kita-Leitung, Schulleiterin und die Verantwortlichen beim SV Hertha Otze. Er sei froh, dass er gute Leute um sich habe, die mitdächten und die Projekte engagiert begleiteten. „Die Betroffenen sollen alles mitentscheiden“, findet er. „Ich habe das ja nicht gelernt.“ Seine Aufgabe sei es deshalb, alle an einen Tisch zu holen.

Im Gespräch: HAZ-Redakteur Joachim Dege und Ortsbürgermeister Andreas Meyer reden über die Entwicklungspotenziale für Otze. Quelle: Joachim Dege

Bei der Trilogie läuft es weitgehend schon so, wie Meyer sich das vorstellt. Raupers Hof hingegen, wo zurzeit an der Burgdorfer Straße 30 Wohnungen in drei Mehrfamilienhäusern entstehen, ist nach seiner Einschätzung nicht nur im eigentlichen Wortsinn eine offene Baustelle. Dort gelte es für ihn, noch dicke Bretter zu bohren, um die Investoren zu unterstützen, die zum Kapellenweg hin mehrere Einfamilienhäuser und eine Kinderbetreuungseinrichtung planen.

Meyer will einen Schandfleck vermeiden

Es brauche dringend einen Bebauungsplan. Dass es den so schnell wie möglich gibt, dafür wolle er sich einsetzen. Sonst drohe ein „Schandfleck im Herzen des Dorfes“, sollte das abgeräumte Areal längere Zeit brach liegen. Und für die Investoren wäre es wirtschaftlich eine Katastrophe, beschreibt Meyer, was es unter allen Umständen zu vermeiden gelte.

Wohnraum für annähernd 70 Menschen könnte auf Raupers Hof einmal entstehen, wenn alles gut geht. Das wolle er „für Otze unbedingt voranbringen“, sagt der junge Ortsbürgermeister. Gleichzeitig appelliert er an das ökologische Gewissen der Stadtgesellschaft: „Überall schimpft man doch über die Versiegelung von immer neuen Flächen. Hier haben wir den Platz für eine Entwicklung mitten im Dorf.“

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Von Joachim Dege