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Burgdorf Wie sieht ein Wolf aus? – Jägerschaft will aufklären
Umland Burgdorf Wie sieht ein Wolf aus? – Jägerschaft will aufklären
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16:15 28.02.2019
In seiner Werkstatt in Otze hat Martin Baum diesen ausgewachsenen Wolf für die Jägerschaft Burgdorf präpariert. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
Burgdorf/Otze

 Die Jägerschaft Burgdorf will die Menschen künftig besser über den Wolf aufklären, der auf dem besten Wege ist, auch im Nordosten der Region Hannover heimisch zu werden. Zu Lehr- und Schulungszwecken hat sie von Tierpräparator Martin Baum aus Otze einen ausgewachsenen Wolfsrüden ausstopfen lassen, wie der Vorsitzender der Jägerschaft, Hans-Otto Thiele, erklärt. „Wir werden ihn öffentlich ausstellen. Wir wollen damit keine Angst schüren“, versichert Thiele. Es gehe vielmehr darum, dass „die Leute wissen, so sieht ein Wolf aus“. Denn es gebe viele Verwechslungen. Das bestätigt Wolfsberater Thomas Behling aus seiner Erfahrung.

Der Wolf, den Martin Baum für die Jägerschaft präpariert hat, wurde auf der A 7 bei Großburgwedel überfahren. Der Wolfsrüde wird die umfangreiche Wildtiersammlung der Jägerschaft, die sie bei zahlreichen Veranstaltungen präsentiert, ergänzen. „Als anerkannter Naturschutzverband wollen wir die Natur erlebbar machen“, sagt Oliver Brandt, Presseobmann der Jägerschaft. „Denn welches Stadtkind sieht heute noch Tiere“, ergänzt Thiele.

Martin Baum aus Otze ist ein gefragter Tierpräparator. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat er allein 17 Wölfe präpariert.

Ein Indiz, dass die Wolfspopulation wächst und sich ausbreitet, ist nicht zuletzt die steigende Zahl an Wölfen, die in den vergangenen 12 Monaten im Bereich der Jägerschaft Burgdorf – sie umfasst das Gebiet des Altkreises – überfahren wurden. „Es werden so viele tot gefahren, weil es so viele Tiere gibt“, sagt Brandt. Der Schwerpunkt liegt laut Thiele ums Burgdorfer Holz herum. Er zählt sieben Unfälle mit den jeweiligen Unfallorten auf. Wolfsberater Behling bestätigt für diesen Zeitraum hingegen nur vier: im Februar 2018 auf L 412 zwischen Burgdorf und Immensen, im November 2018 auf der L 387 zwischen Dollbergen und Uetze, im Januar 2019 auf der Bahnlinie bei Ehlershausen und Anfang Februar 2019 auf der B 188 in Höhe des Parkplatzes Seebeeke.

„Wolfsbestand verdoppelt sich alle zwei bis drei Jahre“

Das Revier eines Wolfsrudels ist laut Behling im Schnitt 250 Quadratkilometer groß. Wenn die Jungtiere mit ein bis zwei Jahren geschlechtsreif werden, werden sie von den Alttieren weggebissen und verlassen das Revier. Vier bis sieben Junge pro Jahr kann ein Wolfspaar laut Baum, der auch Jäger ist, großziehen, sodass „sich alle zwei bis drei Jahre der Wolfsbestand verdoppelt“. Für das Burgdorfer Holz bestätigt der Leiter des Wolfsmonitorings der Landesjägerschaft Raoul Reding mit Stand vom 25. Februar einen Einzelgänger. Der zwischen Dollbergen und Uetze überfahrene Rüde hatte laut Behling im Burgdorfer Holz seinen Einstand. Derzeit werde noch geprüft, ob die Wolfsfähe, die auf der B 188 am Rastplatz Seebeeke tot gefahren wurde, dessen Partnerin war.

Landwirte fürchten um ihre Tiere auf den Weiden

Diese Plakat steht auf einer Weide - im Hintergrund sind die Rinder zu sehen - am Schilfkampweg in Hänigsen. Quelle: Joachim Dege

„Die Wölfe im Wald stören uns nicht“, erklärt Thiele, der es im Gegensatz zur Landesjägerschaft ablehnt, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. „Ich will keinen Wolf schießen“, betont er. Das Problem hätten vielmehr die Nutztierhalter, erläutert Brandt. Nicht nur dass Tiere von den Wölfen gerissen werden, was sei, wenn eine Herde auf der Flucht vor dem Wolf ausbreche, fragt er. Ein Landwirt in Hänigsen hat dazu eine ganz klare Meinung. Auf seiner Weide am Schilfkampweg hat er ein Plakat aufgestellt. Unter dem Titel „Wölfe fressen kein Gras“ wird darauf hingewiesen, dass die Existenz der Weidetierhalter bedroht ist.

Auch Baum sieht die Ausbreitung des Wolfes mit gemischten Gefühlen: „Wir werden in unserer Bewegungsfreiheit beschnitten.“ Der Wolf, der bislang den Kontakt zum menschlichen Umfeld gemieden habe, stehe jetzt auf der Schwelle, wie andere Wildtiere ein Kulturfolger zu werden.“

Matinee: Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Wildschweine, Füchse, Waschbären und Falken mitten in der Stadt sind längst Alltag. Jetzt dringt mit dem Wolf ein weiteres Wildtier in den Lebensraum der Menschen ein. Umweltschützer begrüßen seine Rückkehr nach mehr als 100 Jahren. Doch nicht jeder sieht das mit Freude. Die Region nimmt sich dem Thema „Einzug der wilden Tiere“ in ihrer Matinee-Reihe am Sonntag, 10. März, 11 Uhr, im Foyer des Regionshauses an der Hildesheimer Straße an. Wie weit geht die Bedrohung tatsächlich? Wie kann das Zusammenleben von Menschen und Wildtieren gelingen – jenseits von Plüschtier-Idealen? Über diese und weitere Fragen werden vier Fachleute gemeinsam mit den Zuhörer diskutieren. Der Eintritt kostet 3 Euro. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

In ländlichen Gebieten kam es bereits zu Begegnungen mit dem Wolf. Die Volkshochschule Hannover-Land hat sogar schon ein Seminar für Hundehalter unter dem Titel „Mit dem Hund in den Wald – Wie verhalte ich mich bei einer Begegnung mit dem Wolf?“ angeboten. Oliver Brandt von der Jägerschaft Burgdorf: „Der Hund passt ins Beuteschema des Wolfes. Deshalb sollte man Hunde in der freien Natur nicht von der Leine lassen.“ Das empfiehlt auch Wolfsberater Thomas Behling. „Zudem sollte man Krach machen und langsam den Rückzug antreten und auf keinen Fall hinterherlaufen, um vielleicht noch ein Foto zu schießen“, rät er.

Von Anette Wulf-Dettmer

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