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Burgdorf Geologe erhebt schwere Vorwürfe gegen K+S
Umland Burgdorf Geologe erhebt schwere Vorwürfe gegen K+S
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17:59 04.01.2019
Die Wathlinger Kalihalde aus der Luft: Wenn die von K+S geplante Haldenabdeckung mit Bauschutt und Bodenaushub abgeschlossen ist, wird die Grundfläche des Kalibergs doppelt so groß sein wie auf dieser Aufnahme. Links am Horizont sind Wathlingen und am Südwestfuß der Halde die Häuser von Wathlingen-Kolonie zu sehen.
Die Wathlinger Kalihalde aus der Luft: Wenn die von K+S geplante Haldenabdeckung mit Bauschutt und Bodenaushub abgeschlossen ist, wird die Grundfläche des Kalibergs doppelt so groß sein wie auf dieser Aufnahme. Links am Horizont sind Wathlingen und am Südwestfuß der Halde die Häuser von Wathlingen-Kolonie zu sehen. Quelle: Hiller
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Schillerslage

Schwere Vorwürfe gegen die Firma K+S erhebt der Schillerslager Geologe Ralf Krupp. Ein leitender Angestellter soll ihn im Zuge des Verfahrens zur Abdeckung der Kalihalde bei Wathlingen (Kreis Celle) in einem Ausschuss nicht nur falsch zitiert haben, sondern Aussagen des Wissenschaftlers ins Gegenteil verdreht und dann zur Stützung von Thesen des Unternehmens benutzt haben. „Die haben mit falschen Behauptungen meinen guten Ruf und meine Glaubwürdigkeit ausgenutzt“, sagt Krupp. Er befürchtet eine Beeinflussung der Erörterungstermine im Planfeststellungsverfahren in der nächsten Woche. K+S kündigte eine Überprüfung an, die jedoch einige Zeit in Anspruch nehmen werde.

Die von Krupp beanstandeten Vorgänge liegen schon länger zurück, sind ihm nach eigenen Angaben jedoch erst jetzt bekannt geworden. Sie sind im Protokoll einer Sitzung des Umweltausschusses des Celler Kreistags dokumentiert. Danach hat der Leiter der K+S AG Inaktive Werke, Klaus Rumphorst, dort gesagt, man habe zur Frage einer Salzgewinnung aus der Halde „bereits Herrn Krupp, einen Entwickler von Verfahren zur Haldensalzrückgewinnung, konsultiert und um seine Einschätzung gebeten. Herr Krupp sehe keine wirtschaftliche Möglichkeit, das Haldenmaterial zu verwerten.“

Das sei frei erfunden, erklärt Krupp in einem offenen Brief an K+S dazu. Er sei von keinem K+S-Mitarbeiter in diesen oder anderen Fragen konsultiert oder gar um eine Einschätzung gebeten worden. Dann, so versichert der Schillerslager, hätte die auch ganz anders ausgesehen: Er hält nämlich eine Verwertung der Halde – etwa durch die Verarbeitung zu Streusalz – sehr wohl für wirtschaftlich möglich.

Ein weiterer Vorwurf bezieht sich auf die von K+S aufgestellte These, der Haldenkern sei „homogen, weitestgehend trocken, dicht und kompaktiert“. Zum Beleg dafür führt das Unternehmen mehrere Untersuchungen an, unter anderem eine Studie von Krupp zur Halde Ronnenberg von 2003. Darin hatte der Geologe zwar bestätigt, dass das Salz in größerer Tiefe „weitgehend kompaktiert und dicht ist“, gleichzeitig aber darauf hingewiesen, dass dort ebenso wie an der Halde Friedrichshall in Sehnde zahlreiche Spalten entdeckt worden seien, durch die Halden- und Niederschlagswasser versickerten. „Damit unterschiebt man mir eine Aussage, die genau das Gegenteil dessen besagt, was ich geschrieben habe“, beklagt Krupp.

In einer ersten Antwort auf das Schreiben bestreitet K+S, dass die Äußerungen Einfluss auf das Planfeststellungsverfahren haben könnten. „Wenn man politische Entscheidungsgremien falsch informiert, ist das schon relevant“, meint Krupp dagegen. Wenn die Dinge beim Erörterungstermin am Montag niemand anderes zur Sprache bringe, werde er das tun, kündigte er an: Er ist dort als Gutachter geladen.

Von Thomas Böger