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Burgdorf So haben Stadt und Rat ihren Bürgermeister verabschiedet
Umland Burgdorf

Burgdorfer verabschieden sich von ihrem Bürgermeister

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19:04 25.10.2019
Alfred Baxmann zeigt sich bewegt von der Ansprache der ersten und ältesten Bürgermedaillenträgerin Margret Hoppe, der er mit einer Umarmung dankt. Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Bei Verabschiedungen in den Ruhestand sagt man nichts Schlechtes über den jeweils Betroffenen. An diesen Brauch haben sich alle Redner gehalten, die anlässlich der offiziellen Verabschiedung von Bürgermeister Alfred Baxmann am Freitag ans Rednerpult im Saal des Veranstaltungszentrums Stadthaus traten. Dorthin hatten Stadtverwaltung und Rat gemeinsam eingeladen, um das Wirken des Mannes zu würdigen, der sage und schreibe 23 Jahre lang das Bürgermeisteramt in Burgdorf bekleidet hat.

Briten schwenken für gewöhnlich ihre Nationalfahne und geraten in Ekstase, wenn der Marsch „Pomp an Circumstance“ an ihr Ohr dringt. Zu einem solchen Euphorierausch ließen sich die geladenen Gäste im Stadthaus dann freilich doch nicht hinreißen, als die Salonlöwen – Matthias Scholl (Geige) und Michael Chalamov (Tasten) – Elgars Gassenhauer zur Eröffnung von Baxmanns Verabschiedungsfeier anstimmten. Aber ein erstes Ausrufezeichen war damit gesetzt, zumindest musikalisch.

Erster Stadtrat reicht seinem Ex-Chef nicht das Wasser

Was folgte, war ein mehr als zweieinhalbstündiger Reden-Marathon mit drei Höhepunkten am Anfang, in der Mitte und zum Schluss. Den Anfang machte der neue Erste Stadtrat und Verwaltungsvize Michael Kugel, der ebenso feinsinnig wie humorvoll die Amtsführung seines nun bald Ex-Chefs sezierte. Dazu hatte er zwei Gläser Bier mitgebracht, um hinterher mit diesem anstoßen zu können. Bier und nicht Wasser deshalb, weil: „Was würden die Leute sagen, wenn ich anfinge, Ihnen das Wasser zu reichen?“ Ein dickes Fell, reichlich Sportgeist, den Willen zu Bürgernähe und Zivilcourage brauche ein Bürgermeister. All das habe Baxmann ausgezeichnet, dazu eine unbändige Neugier und ein großer Schatz an Allgemeinwissen, auf den er als begabter Redner jederzeit habe zurückgreifen können.

Bürgermedaillenträgerin berichtet vom „kleinen Alfred

Margret Hoppe, erste Bürgermedaillenträgerin der Stadt und aus Dachtmissen, dem Geburtsort Baxmanns, sorgte für den nächsten Höhepunkt. Sie wurde sehr persönlich und erinnerte aus eigener Anschauung an die Geburt Alfred Baxmanns von 70 Jahren, als habe es sich gerade gestern erst zugetragen. Sie berichtete von dessen Großvater und damaligem Bürgermeister der noch selbstständigen Gemeinde Dachtmissen, der dem „kleinen Alfred“ ein Vorbild gewesen sei, an den beschwerlichen Schulweg zum Gymnasium nach Uetze und an den legendären Heidesänger Heinz Bövers, der Baxmanns Sportlehrer und Handballtrainer war. Mit ihm wurde Baxmann Deutscher Schulhandballmeister. Das alles bewegte Baxmann sehr. Er dankte seiner ehemaligen Nachbarin mit einer Umarmung.

Der Chor der SPD-Ratsfraktion gibt ein vielstimmiges Ständchen zu Ehren des scheidenden Bürgermeisters Alfred Baxmann. Quelle: Joachim Dege

Den Schlussakkord setzte Baxmann schließlich selbst. Bekannt für seinen ausufernden, wenngleich geschliffenen Redefluss, nahm er sich ein letztes Mal die Freiheit auszuholen. Er bedankte sich bei allen seinen Vorrednern für die Lobeshymnen, mit denen diese seine politische Tätigkeit ebenso wie seine Amtsführung als Verwaltungschef gewürdigt hatten. Er fühle sich wie ein guter trockener Martini: „Gerührt und nicht geschüttelt.“

Baxmann will kein politisches Vermächtnis hinterlassen

Wer glaubte, Baxmann werde anlässlich seiner Verabschiedung ein politisches Vermächtnis zum Besten geben, sah sich getäuscht. Stattdessen dankte er seiner Familie und Freunden für die Unterstützung, die Nach- und Rücksicht bei der Planung privater Termine. Nur so sei es gelungen dass er sich ein privates soziales Umfeld habe erhalten können, auf das er nun im Ruhestand zurückgreifen könne.

Kein Tag im Bürgermeisteramt sei so verlaufen, wie er ihn vorher geplant habe. Aber genau das sei das Interessante daran gewesen. Baxmann bekannte, dass er sich noch stets gern mit dem politischen Gegner auseinandergesetzt habe, wenn es sein musste, auch mit harten Bandagen. CDU und FDP scheinen das dem Bürgermeister nicht verzeihen zu wollen. Jedenfalls ließ sich weder sein Nachfolger Armin Pollehn noch sonst ein Ratsmitglied der Christdemokraten und der Liberalen, obgleich sie anwesend waren, zu einem Abschiedsbeitrag hinreißen.

SPD-Fraktion gibt als Chor ein vielstimmiges Ständchen

Stattdessen gab die vielstimmige SPD-Fraktion Baxmann ein Schlager-Ständchen. Als Zugabe setzte es einen Reisegutschein mit dem Ziel Schloss Sanssouci in Potsdam. Der Kinder- und Jugendzirkus Kritzpritzknuckelmuckeldü zeigte vielbeklatschte Kunststücke am Vertikaltuch. Die Salonlöwen steuerten in Anspielung auf Baxmann und dessen Amtsführung noch das Stück „Entertainer“ und „My Way“ bei, bevor sich schließlich alle geladenen Gäste zum ungezwungenen Plausch am kalten Büfett wiederfanden, das der StadtHaus-Gastronom Peter Widdel im Foyer

Stadtverwaltung und Rat haben ins StadtHaus gebeten. Dort erntet der scheidende Bürgermeister viel Lob für seine Arbeit.

auftischte.

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