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Umland Burgdorf Nachrichten "Man muss ins Tun kommen"
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00:17 04.08.2017
Von Joachim Dege
Barbara Martens nimmt die Lobreden über ihr erfolgreiches Wirken in der Stadtteilsozialarbeit entgegen. Quelle: Joachim Dege
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Burgdorf

Martens hat ihr Berufsleben bis zum Ende voll ausgekostet. Auch jetzt, da sie mit 65 Jahren im Ruhestand ist, will die verheiratete Mutter von drei erwachsenen Kindern nicht einfach aufhören. Sie macht weiter. Privat, Nicht nur, aber auch im Nachbarschaftstreff: dort mit Projektarbeit. Darüber hinaus will sie an der Volkshochschule Sprachkurse geben für Migranten: an zwei Vormittagen in der Woche jeweils fünf Stunden. Denn die Sprache sei der Schlüssel für eine gelingende Integration, sagt sie.

Dabei redet sie die vielfältigen Integrationsbemühungen in Deutschland keineswegs schön. Nicht alles laufe rund. Etwa bei den Sprachkursen, deren Niveau oft nicht an die Zielgruppen angepasst seien. Da werde mancher Euro verbrannt. Hier sieht Martens erheblichen Verbesserungsbedarf.

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Martens stammt gebürtig aus Wefelingen, einem Kaff zwischen Wolfsburg und Magdeburg. Nach der DDR-Gründung schien ihrem Vater, einem Buchdrucker, ein Neuanfang im Westen unausweichlich. Die Familie zog nach Siegen in Nordrhein-Westfalen, wo Martens auf einem Dorf anfangs unter erschwerten Bedingungen aufwuchs. Als Fremde seien sie behandelt worden. Sie könne daher nachfühlen, wie sich Migranten fühlen, wenn sie nach Deutschland kommen, sagt Martens.

Seit 1987 lebt sie mit ihrer eigenen Familie in Burgdorf. Sie gehört den Kirchenvorstand von St. Pankratius an, singt in der Kantorei. Der einmal erlernte Beruf als Medizinisch Technische Assistentin ist seit der Familienphase Geschichte. 1998 nimmt sie - die Kinder sind damals 9, 11 und 15 Jahre alt - in Hannover ein Diplompädagogik-Studium auf. Dort kommt sie in Berührung mit dem Thema Interkulturelle Erwachsenenbildung. Parallel engagiert sie sich ehrenamtlich im Frauen- und Mütterzentrum, das mit anderen Partnern Geburtshelfer des Nachbarschaftstreffs ist.

Martens ist von Beginn an dabei. Sie schafft Kontakte, baut Begegnungsangebote auf, gibt Deutschunterricht. Der Koordinatorenjob läuft automatisch auf sie zu. Sie füllt ihn 14 Jahre lang aus, arbeitet zuletzt 24 Wochenstunden im Nachbarschaftstreff, den Kommunalpolitiker heute als unentbehrlichen Bestandteil des Sozialgefüges ansehen. Dort sind Polizeisprachstunden, Schwangerenberatung, Fahrradwerkstatt, Flüchtlingssozialhilfe, Hausaufgabenbetreuung und vieles mehr heute gang und gäbe.

Anfangs kamen aus der Türkei geflüchtete Kurden. Heute kommen die Besucher aus Afrika, dem arabischen Raum, aus Asien, ehemaligen Sowjetrepubliken und aus Polen. Alles sei internationaler geworden, sagt Martens. Drum sei es so wichtig zu erspüren, was die Menschen interessiere, worauf sie neugierig seien, um ihnen passgenaue Angebote machen zu können. Der Glaube und die Traditionen der Migranten seien von entscheidender Bedeutung: "Wenn man um die Wurzeln weiß, kann man besser ein Haus bauen", sagt Martens: Erfahrungsgemäß klappe das noch immer am besten bei Begegnungen, beim Kochen und Backen und Singen: "Man muss ins Tun kommen."

Barbara Martens nimmt die Lobreden über ihr erfolgreiches Wirken in der Stadtteilsozialarbeit entgegen. Quelle: Joachim Dege