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Nachrichten Feuerwehrwache in Burgdorf kontaminiert
Umland Burgdorf Nachrichten Feuerwehrwache in Burgdorf kontaminiert
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00:15 20.08.2014
Nach dem Brand untersuchten Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei mit ABC-Schutzbekleidung den Brandort auf ausgetretene Chemikalien. Quelle: Elsner
Burgdorf

Neun weitere Einsatzkräfte wurden am Sonntag mit dem Verdacht auf eine chemische Vergiftung ins Krankenhaus gebracht, wo sie derzeit behandelt werden. Zwei von ihnen waren bereits aus der Klinik entlassen worden, sind dann allerdings am Sonntag ins Krankenhaus zurückgekehrt, da ihre Symptome zu Hause wieder stärker geworden waren. Dazu zählen Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sowie Kreislaufbeschwerden. An der kontaminierten Wache wurden weitere fünf Männer von einem Notarzt untersucht.

Es wurde ein Experte für ABC-Messtechnik der Berufsfeuerwehr hinzugezogen, der herausfinden soll, welche Stoffe oder Stoffmischungen die Symptome der verletzten Kräfte auslösen könnten. Bislang wurde vermutet, dass es sich dabei um das Nervengas Phosphin handelt. Mittlerweile besteht allerdings der Verdacht, dass noch weitere gefährliche Schadstoffe bei dem Brand freigesetzt wurden. Gegen 18 Uhr wurde eine Krisensitzung einberufen, an der unter anderem Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann, der Erste Stadtrat Lutz Philipps, die Leiterin des Ordnungsamtes, Diana Elfe, sowie der Regionsbrandmeister Karl-Heinz Mensing teilnahmen.

Außerdem wurde eine analytische Taskforce einer Bundeseinheit für Brand- und Katastrophenschutz aus Hamburg alarmiert. Sie sollte noch am Abend gegen 23 Uhr in Burgdorf eintreffen. Sie sollen die kontaminierte Einsatzkleidung auf Giftstoffe untersuchen. Sollten sie nichts finden, werden Proben am Brandort genommen.

Die Burgdorfer Feuerwehrwache wurde nach dem Brand in einer Radiergummifabrik von Einsatzkräften der angrenzenden Ortschaften abgesperrt. Im Gerätehaus soll sich kontaminierte Ausrüstung befinden.

Bereits am Sonnabend waren erneut drei Feuerwehrleute in die Klinik gebracht worden. Sie waren bei dem Einsatz durch freigesetzte Giftstoffe verletzt worden. Einer von ihnen wird weiterhin auf der Intensivstation beobachtet. Am Sonnabend klagte ein weiterer Feuerwehrmann, ein Spezialist des Umweltmesstrupps aus Höver, über Vergiftungserscheinungen wie Kopfschmerzen, Durchfall und Kreislaufprobleme, berichtete Burgdorfs Ortsbrandmeister Florian Bethmann. Er sei umgehend in eine Klinik gebracht. Damit sind 33 Feuerwehrleute seit Donnerstagabend infolge des Einsatzes in Kliniken gewesen. Zwischenzeitlich lagen zehn Einsatzkräfte auf der Intensivstation.

Bei dem Feuer in der Produktionshalle des Büroartikel-Herstellers Gutenberg GmbH am Mittwoch war das Nervengas Phosphin entstanden. Dies war allerdings erst bei einer routinemäßigen Messung am nächsten Tag festgestellt worden. Am Freitag rückte dann der ABC-Zug der hannoverschen Berufsfeuerwehr an, der noch einmal die Schadstoffbelastung in der Halle kontrollierte. „Wir haben das Gas zu dem Zeitpunkt aber nur noch in geringsten Mengen gemessen“, sagt Bethmann. Neue Erkenntnisse, wie das giftige Gas überhaupt entstehen konnte, gab es am Sonntag noch nicht. „Die Polizei hat am Freitag Proben genommen, die Chemiker jetzt untersuchen“, sagt Bethmann.

Die Feuerwehr und die Polizei haben nach einem Brand in einer Radiergummifabrik mit ABC-Schutzbekleidung nach Chemikalien gesucht.

In der Halle produzierte die Firma Gutenberg Stempelkissen, Tinten und Klebstoffe für den Bastelbedarf. Als der Brand ausbrach, befanden sich die Mitarbeiter in den Betriebsferien. Eine Gefahr für Mitarbeiter der Firma sowie Anwohner bestand nach Angaben der Polizei zu keinem Zeitpunkt. Fest steht inzwischen, dass das Feuer gelegt wurde.

Feuerwehr Burgdorf an der Belastungsgrenze

Der Einsatz auf dem Läufer-Gelände und das unerwartete Nachspiel hat die Freiwillige Feuerwehr Burgdorf an ihre Belastungsgrenze gebracht. Bethmann und etliche andere Feuerwehrleute - alles Ehrenamtliche - sind seit Mittwoch, 6 Uhr, bis auf kurze Schlafpausen, im Einsatz. „Ein unglaublich tolles Team steht hinter mir. Ich bin unheimlich stolz auf alle. Wir arbeiten seit Mittwoch durchgehend am Limit“, sagte der Ortsbrandmeister.

Die beiden Zugführer Frank und Ralf Riehlein führen die Listen mit allen am Einsatz beteiligten Feuerwehrkräften. „Sie haben alle angerufen.“ Simon Grabow und Björn Schaprian haben die Burgdorfer Feuerwehrzentrale „hochgefahren, damit dort die Verletzten in der Nacht zum Freitag untersucht werden konnten. Und sie haben deren Transport in die Kliniken organisiert“, sagte Bethmann. „Das Technische Hilfswerk hat uns verpflegt.“

Am Mittwochmorgen ist es in Burgdorf zu einem Brand auf einem Firmengelände gekommen.

Am Freitag haben die Burgdorfer den ABC-Zug der Berufsfeuerwehr Hannover bei der Kontrolle des Brandorts auf Schadstoffe unterstützt. Am Sonnabend dann haben der Ortsbrandmeister und seine Mitstreiter alle erkrankten Kameraden in den Kliniken besucht, und gefangen, die umfangreichen Einsatzberichte zu schreiben.

Am Wochenende wollten laut Bethmann mehrere Feuerwehrleute eigentlich wegfahren. „Sie haben darauf verzichtet, weil so viele Kameraden derzeit ausfallen.“ Das gehe nur, weil deren Familien das ehrenamtliche Engagement unterstützten. Bethmann selbst überlässt die Arbeit auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb derzeit seiner Familie. Auch etliche Arbeitgeber verhielten sich vorbildlich und stellten die Feuerwehrleute von der Arbeit frei, sagte der Ortsbrandmeister. Er wisse von einem Kameraden, der von seinem Chef sogar nach Hause geschickt wurde, mit dem Hinweis, dass so viele seiner Kameraden erkrankt seien und er gewiss bei der Feuerwehr gebraucht werde.

Am Sonntagmorgen gegen 8.30 Uhr wurde die Burgdorfer Feuerwehr schon wieder gerufen: In der Rettichstraße haben die Retter eine Wohnungstür geöffnet, um einem hilflosen Menschen zu helfen.

Anette Wulf-Dettmer/jos/jki

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