Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Maikundgebung in Hänigsen: „Armut ist weiblich“
Umland Burgdorf Nachrichten Maikundgebung in Hänigsen: „Armut ist weiblich“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:42 04.05.2018
Die Besucher am Pappaul hören den Redner von einer geschützten Ecke aus zu, während die Bänke leer bleiben. Quelle: Michael Schütz
Anzeige
Hänigsen

 Zum Tag der Arbeit hielt Uetzes Bürgermeister Werner Backeberg ein Plädoyer für die Frauen in der Arbeitswelt. Zwar seien 77 Prozent des Personals im Uetzer Rathaus weiblich. „Aber das geschieht oft in Teilzeit und in den unteren Lohngruppen.“ Sein Fazit: „Armut ist nach wie vor weiblich.“ Daran müsse, beispielsweise mit besserenBetreuungsangeboten von Krippe bis Schule, gearbeitet werden, sagte der Rathauschef. Er wolle sich dafür einsetzen, dass etwa die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten in seiner Gemeinde wieder in Vollzeit besetzt wird.

Uetzes Bürgermeister Werner Backeberg will bessere Arbeitsbedingungen für Frauen. Quelle: Michael Schütz

Der Wandel der Arbeitswelt im Angesicht der Digitalisierung war das beherrschende Thema in den Reden zur Maikundgebung, die das DGB-Ortskartell Burgdorf-Uetze vor dem Haus am Pappaul ausrichtete. Zu Beginn der Veranstaltung musste die Organisatoren eine Änderung auf der Rednerliste vornehmen. Statt des angekündigten Burgdorfer Bürgermeisters Alfred Baxmann war dessen Stellvertreter Matthias Paul nach Hänigsen gekommen. Der ist bekanntlich auch Kandidat der SPD für die Bürgermeisterwahl in Burgdorf im nächsten Jahr. Eine große Rolle spiele das aber nicht bei dem Rednerwechsel, sagte Paul. Zunächst sei er als stellvertretender Bürgermeister gekommen. „Aber eine Bürgermeisterwahl ist eine Persönlichkeitswahl.“ Da müsse man sich den Bürgern zeigen. „Gewählt wird der, von dem die Bürger sagen, dass man ihm vertrauen kann.“ Er mache bei der Maikundgebung zwar keinen Wahlkampf: „Aber alles hängt zusammen.“

Anzeige
Burgdorfs stellvertretender Bürgermeister Matthias Paul fordert Respekt gegenüber den Rathaus-Mitarbeitern ein. Quelle: Michael Schütz

Die Herausforderungen, die die Digitalisierung der Arbeitswelt mit sich bringen, treibt auch Paul um. „Wir können heute noch gar nicht abschätzen, was dieser Umbruch für die Gesellschaft bedeutet.“ Auch der Dienstleistungssektor sei davor nicht sicher: „Sachbearbeitung kann auch von Maschinen erledigt werden.“ Aber derzeit gehe es nicht ohne die Mitarbeiter in der Verwaltung. Angesichts zunehmender Anfeindung in den sozialen Medien forderte er Respekt gegenüber den Mitarbeitern im Rathaus ein. 

Die Wetterbedingungen für das Fest der Solidarität zum 1. Mai waren nicht optimal.  Die Bänke in der Platzmitte blieben größtenteils leer. Die waren Besucher froh, dass sie die Reden von einer windgeschützen Ecke im Schatten des Fachwerkhauses verfolgen konnte. Dort waren dann auch Würstchengrill und Bierwagen nicht weit. Glühwein allerdings, den sich einer der Besucher angesichts des Wetters wünschte, gab es nicht.   

Bomben voller Blumensamen sollen den Bienen helfen

Der Wind spielte am Maifeiertag auch bei Manfred Scheller und Franziska Greite-Schillert eine Rolle. Die beiden Sozialdemokraten aus dem Ortsrat wollten bei der Saisoneröffnung im Freibad eigentlich einen Stand mit ihren sogenannten Saatbomben aufbauen. „Der ist uns aber weggeflogen“, berichtete Greite-Schillert. Stattdessen gab es die Bomben dann am Pappaul bei der Maikundgebung.

Der Ortsrat in seiner Gesamtheit hatte unlängst beschlossen, etwas für die biologische Vielfalt zu tun. Bei der Kundgebung produzierten die Lokalpolitiker dafür Kugeln aus Samen - darunter Klatschmohn, Schafgarbe oder Lupine - sowie aus Kompost und einem Mineralgemisch. Diese konnten Besucher mitnehmen und „in einer Ecke im Garten hinlegen“, wie es Greite-Schillert erklärte. Dort entstünden dann kleine Blumenareale, die Insekten, besonders Bienen, mit Nahrung versorgten. „Die Idee stammt aus der Stadtgärtnerei“, erklärte die Sozialdemokratin. Dadurch seien Großstädte inzwischen viel bienenfreundlicher als das Land. „Nur Grün reicht eben nicht.“

Von Michael Schütz

Anzeige