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17:03 14.08.2015
Von Joachim Dege
Peter Hoeft an seinem Schreibtisch in Burgdorf, wo er seinen Part der gemeinsamen Romane mit Iris Klockmann schreibt. Quelle: Joachim Dege
Burgdorf

Der jüngste ist unter dem Titel „Die Tochter des Medicus“ vor Kurzem erschienen.

Peter Hoeft schreibt seit seiner Jugend. Anfangs erdachte er Abenteuergeschichten. Später dann Kurzgeschichten und Krimis. Inzwischen legt er Jahr für Jahr einen neuen, ausgewachsenen Roman vor. Einen historischen Roman, wohlgemerkt.

Richtige Schmökerschinken sind das. Jedenfalls umfängliche Werke mit mindestens 500 Seiten, die auf akribisch recherchierten historischen Fakten aufbauen und spannende Unterhaltung liefern sollen. Einmal spielt die Handlung im Mittelalter, ein anderes Mal in der Renaissance. „Damals ist in Europa einfach viel passiert“, liefert Hoeft die Begründung.

Seine Fans, so sagt er, berichteten ihm schon mal, dass sie beim Lesen das Essen auf dem Herd vergessen hätten. So gefesselt seien sie von der Romanhandlung gewesen. Ein größeres Kompliment, so findet Hoeft, könne ein Leser einem Autor kaum machen.

Hoeft ist 58 Jahre alt und verheiratet. Und zwar nicht mit seiner Ko-Autorin. Gelernt hat er ehedem den Beruf des Altenpflegers, den er allerdings schon vor elf Jahren aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen musste. Seither ist er Frührentner.

Der Vater von vier Kindern lebt seit drei Jahren in Burgdorf - in einem Bungalow unweit des Wasserturms. 2012 bekam seine Frau einen Job beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung in Hannover. Einen solchen „Brotjob“, wie Hoeft das nennt, brauche es schon in einem Autorenhaushalt. Denn leben könne er von seiner Schriftstellerei nicht.

Noch nicht. Aber man könne nie wissen, sagt Hoeft. Das befreundete Autorenpaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath, das unter dem Pseudonym Iny Lorentz veröffentlicht, hat es geschafft. Deren historischer Roman „Die Wanderhure“ wurde 2010 verfilmt und im Fernsehen ausgestrahlt. Das dazugehörige Hörbuch wurde sogar mit dem German Audio Book Award Gold, dem Pendant zur Goldenen Schallplatte, ausgezeichnet. Das alles zahlt sich aus.

Auf einen solchen Erfolg hoffen Hoeft und seine Ko-Autorin Iris Klockmann noch. Beim mittlerweile vierten im auf Unterhaltungsliteratur spezialisierten Münchener Blanvalet-Verlag erschienenen Titel hat Hoeft ein gutes Gefühl, wie er sagt. 3313 Vorbestellungen hätten vorgelegen für das Ende Juni erschienene Buch. Im Übrigen ist der Blanvalet-Verlag keine Klitsche. Er gehört zum Imperium Random House/Bertelsmann. Kein Geringerer als der amerikanische „Game of Thrones“-Kultautor George R. R. Martin veröffentlicht eben dort.

Auch Hoeft hat etwas vorzuweisen. „Das Ohr“ lautet etwa der Titel einer Kriminalkurzgeschichte aus seiner Feder. Darin geht es um Absinth und die Kunst - und um die Frage, wie Van Gogh verstümmelte wurde; erschienen in der von der Autorin und Schauspielerin Ulrike Bliefert herausgegebenen Anthologie „Der Kuss der Grünen Fee“.

Wie aber geht das, dass zwei Menschen, die mehr als 200 Kilometer weit auseinander leben, gemeinsam ein Buch schreiben, das sich am Ende wie aus einem Guss geschrieben lesen lassen soll? Man müsse sich gut verstehen und noch besser absprechen, sagt Hoeft. So ein bis zwei Jahre nehme der Schaffensprozess eines historischen Romans mitsamt Recherche und Aufschreiben in Anspruch. Bewährt habe sich, dass sich Klockmann und er zunächst über die Handlung verständigen. Danach ersinnen die Autoren dann die Charaktere, deren Aussehen und Eigenschaften. Eine Art Drehbuch skizziere in einem dritten Schritt die jeweiligen Kapitel. Es legt zudem fest, wer was schreibt. Erst danach geht es tatsächlich ans Schreiben, wobei sich beide Autoren gegenseitig lektorieren. Also bestärken, anregen, kritisieren.

„Ich schreibe schon sehr gern die Spannungsszenen“, räumt Hoeft eine Vorliebe ein. Iris Klockmann verstehe sich besser auf Liebesszenen. Doch am Ende vermischten sich die Stile, sodass die Leserin - ja, vor allem Frauen greifen laut Hoeft gern zum historischen Roman - nicht mehr in der Lage seien festzustellen, welche Passage des Buches von wem stammt.

Handlung spielt in Regensburg

Der neue Roman des unter dem Pseudonym Gerit Bertram schreibenden Autorenduos „Die Tochter des Medicus“ spielt im Regensburg des Jahres 1519, also in der Renaissance. Gewaltsame Ausschreitungen richten sich ?in der Stadt gegen die jüdische Gemeinde, die vertrieben werden soll. Der Arzt Daniel Friedmann kommt bei dem Pogrom zu Tode. Seine Tochter Alisah überlebt, verstummt aber. Sie nimmt den Arztkoffer des Vaters an sich, will Ärztin werden. Das ist damals nicht nur gefährlich, sondern Frauen ausdrücklich verboten. „Wie sie es dennoch schafft, erzählen wir in unserem Roman“, verrät Autor Peter Hoeft, der mit seiner Ko-Autorin Iris Klockmann eine Parallelhandlung in der Gegenwart angelegt hat. Gideon Morgenstern, ein Nachfahre Alisahs, findet deren Tagebücher, liest sie und taucht so ein in die Welt seiner Ahnin.

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