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00:42 04.05.2018
Der Belgische Schäferhund Tomi beißt Frank Uyttebroeck in den Unterarm, um ihn am Weglaufen zu hindern. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
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Ehlershausen

 Frank Uyttebroeck hat keine Chance, dem Belgischen Schäferhund Tomi zu entkommen. Als er versucht wegzulaufen, springt Tomi sofort hinter ihm her, beißt ihn in den Unterarm und reißt ihn zu Boden. Trotz des Bisses ist Uyttebroeck nichts passiert. 

Denn er trägt einen Vollschutzanzug. Uyttebroeck kommt aus Belgien, beim Hundesportwettbewerb in der Disziplin Globalring ist er als Schutzdiensthelfer – auch Figurant genannt – im Einsatz. Mutproben und Verteidigungsübungen, bei denen zum Beispiel das Tier einen Angreifer abwehren und eine versteckte Person finden muss, gehören zu den Aufgaben, die die Hunde und ihre Besitzer bei diesem Wettstreit nach den Regeln des Nationalen Verbands belgischer Kynologen (Kynologie ist die Lehre von der Zucht, der Pflege und Erziehung der Haushunde) bewältigen müssen. Einen Globalring-Wettbewerb mit internationaler Beteiligung hat die Hundesportvereinigung Sport- und Diensthunde Sektion Norddeutschland (SuD) jetzt auf dem Gelände des Schützenvereins Ehlershausen ausgerichtet. Die elf Hundesportler kamen aus Deutschland, Österreich, Belgien, Tschechien und den Niederlanden.

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„Häufig  wird uns vorgeworfen, dass wir die Hunde mit dem Training aggressiv machen“, berichtete Uyttebroeck. Das Gegenteil sei der Fall. Aggressive Hunde seien für den Sport vollkommen ungeeignet, stellte der Belgier klar. Die Verteidigungsübungen seien für die meisten Hunde ein Spiel mit dem Menschen. Angst habe er daher als Figurant nicht.

Nicht so spektakulär wie die Verteidigungsübungen sind die Unterordnungs- und die Sprungübungen. Unter anderem müssen die Hunde ohne Leine und Halsband bei Fuß laufen, auf Zuruf bestimmte Positionen einnehmen, Gegenstände apportieren, eine Steilwand überwinden und Weitsprünge machen. Die Übungsreihenfolge Unterordnung-Sprünge-Mutproben ist nach den Worten des SuD-Vorsitzenden Roland Boldt festgeschrieben. Alle Aufgaben werden nacheinander absolviert. „Dieses Programm ist der dienstlichen Verwendung eines Polizei- und Zollhundes sehr viel näher als andere Hundesportprogramme“, sagte Boldt. Beim Globalring gibt es Prüfungen in drei Kategorien, die sich in der Dauer von 20 bis 40 Minuten, in der Zahl der Übungen und deren Schwierigkeitsgrad unterscheiden. Teilnehmen können laut Boldt Hunde aller Rassen und auch Mischlinge. Am besten geeignet seien Belgische und Deutsche Schäferhunde.

Bernd Geromiller, Hundeführer aus der Nähe von Stuttgart, findet besonders die Vielfältigkeit der Aufgaben beim Globalring interessant. Zudem müssten die  Hunde ihre Selbstständigkeit unter Beweis stellen. „Zum Beispiel beim Bewachen eines Gegenstandes“, sagte Geromiller. Er siegte in der ersten Kategorie mit seinem  Hund Popeye. Die Siegerin der zweiten Wettkampfklasse, Alexandra Voplakalova mit Cyrus, kommt aus Tschechien. In der der dritten, der schwierigsten Kategorie, trug der Weltmeister Stanislaw Dolezal mit Sunki aus Tschechien den Sieg davon.

Den Weltmeister bringt nichts aus der Ruhe

„Ein guter Hundeführer muss ruhig sein und darf nicht nervös werden“, sagt Stanislaw Dolezal. Er muss es wissen. Der 37 Jahre alte Militärpolizist, der rund 120 Kilometer östlich von Prag wohnt, ist im vorigen Jahr in seiner tschechischen Heimat Weltmeister in der Hundesportwettkampfdisziplin Globalring geworden. Außerdem müsse ein guter Hundeführer ein bisschen verrückt sein, fügt Dolezal hinzu. Damit meint der amtierende Weltmeister, dass man sehr viel Leidenschaft für den Hundesport mitbringen müsse, um erfolgreich zu sein. Mit seinen beiden neun und sechs Jahre alten Belgischen Schäferhunden Tomi und Sunki ist der Militärpolizist, der insgesamt vier Hunde besitzt, beim Globalring in Ehlershausen an den Start gegangen. Tomi ist sein Diensthund. Mit Sunki ist er Weltmeister geworden. Dolezal mag die besondere Atmosphäre bei den Wettbewerben. Das rühre daher, dass die Teilnehmer untereinander Freundschaften geschlossen hätten.

Das ist hochkarätiger Hundesport: Beim Wettbewerb in der Disziplin Globalring in Ehlershausen sind auch Hundeführer aus dem Ausland mit ihren Tieren am Start.

Von Friedrich-Wilhelm Schiller

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