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Umland Burgdorf Nachrichten Beim Umbau der BBS läuft vieles schief
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18:20 13.01.2017
Von Anette Wulf-Dettmer
Bis in der großen Lehrküche der BBS wieder gekocht wird, werden noch Wochen, wenn nicht Monate vergehen. Am Donnerstag hat dort ein Installateur erst die Heizungsrohre verlegt. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
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Burgdorf

Was derzeit an der BBS läuft, wäre ein Albtraum für jeden Bauherrn: Handwerksbetriebe halten ihre Termine nicht ein, pfuschen beim Einbau von Türen, Fenstern und Fußböden. Zudem wurden schadstoffhaltige alte Baumaterialien entdeckt, die aufwendig entsorgt werden müssen. „Schließlich haben uns auch noch zwei Firmenpleiten getroffen“, beschreibt BBS-Schulleiter Gerhard Klaus das Chaos.

All das führt zu massiven Verzögerungen, denn die Mängel müssen beseitigt, Aufträge neu ausgeschrieben werden. Eigentlich sollte der Umbau im August 2016 abgeschlossen sein. „Jetzt rechnen wir damit, dass alles vor den Sommerferien fertig ist“, sagt Klaus’ Stellvertreter Christian Sebens, ohne seine Skepsis zu verhehlen.

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Klaus ist überzeugt: „Wenn wir als Schule mit allen Lehrkräften nicht so viel Planungsarbeit geleistet und wie die Schießhunde aufpasst hätten, wäre noch mehr schiefgegangen.“ Er komme jeden Morgen mit der bangen Frage in sein Büro, ob die Handwerker wohl kommen, sagt Klaus. Erscheinen sie nicht oder arbeiten sie schlampig und müssen nachbessern, bekommen sie eine Frist gesetzt. Lassen sie diese verstreichen, wird diese noch einmal verlängert. Erst wenn dann noch immer nichts passiert, kann der Firma der Auftrag entzogen werden. „Seit der Umbau begonnen hat, sind wir Stammkunden bei der Rechtsabteilung der Region“, sagt Klaus, der seinen Humor trotz des Chaos nicht verloren hat.

Träger der BBS und damit Bauherr ist die Region Hannover. Sie hat ein hannoversches Architekturbüro mit der Bauleitung beauftragt, Angesichts des Chaos, das inzwischen auch den Praxisunterricht stark einschränkt, stellt sich die Frage, ob das Büro mit der Aufgabe vielleicht überfordert ist. Denn der Umbau mit einem geplanten Kostenvolumen von 6 Millionen Euro ist umfangreich: „Wir bekommen neue Unterrichtsräume und zwei neue große Kfz-Werkstätten. Es werden mehrere Werkstätten zu Laboren für Fahrzeugtechnik umgebaut. Parallel erhalten die Holztechniker neue Räumlichkeiten. Zudem werden die Großküche und das Lehrrestaurant komplett erneuert“, zählt Klaus die Baustellen in dem Gebäudekomplex auf.

Grund für den Umbau ist die Zusammenlegung der Ausbildung in der Kraftfahrzeugbranche – vom Techniker bis zum Berufsfahrer – am Standort Burgdorf. Doch wegen der Verzögerungen werden nach wie vor 500 bis 600 Azubis der Kfz-Branche an der BBS Goetheplatz in Hannover unterrichtet. "Das ist jetzt unsere Dependance", sagt Klaus. Alles in allem zählt die BBS Burgdorf damit rund 3800 Schüler und Schülerinnen.

Weil die Werkstätten noch nicht fertig sind, werden die bestellten Maschinen beim Hersteller eingelagert, „ebenso wie die neue Ausstattung der Großküche“, erklärt Klaus. Darüber hinaus sind in der BBS Räume blockiert, weil dort Unterrichtsmaterial, Mobilar und Gerätschaften lagern, die wegen der Umbauarbeiten ausgeräumt werden mussten.

Das hat natürlich Auswirkungen auf den Unterricht: Am stärksten betroffen sind die Holztechniker, denn sie können derzeit nicht an den Maschinen ausgebildet werden, weil die Werkstätten dafür, nicht fertig sind. „Die Auszubildenden sind stinksauer, sie stehen vor der Prüfung“, beschreibt Klaus die Stimmung. Auch die Ausbildungsbetriebe seien verärgert. „Die Lehrkräfte sind sehr engagiert, alle Lücken auszugleichen“, lobt Klaus, das verdiene alle Hochachtung. Doch wenn die Lehrpläne eingehalten werden sollen, müssen die Schüler eigentlich ab Februar an die Maschinen. „Ich weiß noch gar nicht, wie das gehen soll.“

Fotostrecke Burgdorf: Beim Umbau der BBS läuft vieles schief
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