Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Die Region unterstützt die Imker
Umland Burgdorf Nachrichten Die Region unterstützt die Imker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:02 11.04.2014
Von Anette Wulf-Dettmer
Imker Werner Christmann aus Burgdorf kontrolliert seine Bienenstöcke, die er in einem kleinen Waldgebiet bei Burgdorf aufgestellt hat.
Imker Werner Christmann aus Burgdorf kontrolliert seine Bienenstöcke, die er in einem kleinen Waldgebiet bei Burgdorf aufgestellt hat. Quelle: Anette Wulf-Dettmer
Anzeige
Burgdorf

Das Veterinäramt der Region will den Imkern bei der Behandlung ihrer Bienenvölker helfen. Die Behörde organisiert eine Sammelbestellung für Mitteln zur Bekämpfung des Schädlings. Die Vorteile: Die Medikamente kosten weniger und die Imker können sicher sein, dass sie ihre Völker nur mit zugelassenen Arzneien behandeln.

„Wenn Bienen falsche oder illegale Mittel gegen Varroatose verabreicht bekommen, könnten sich Rückstände der Arzneien im Honig bilden“, sagt Amtstierarzt Dr. Michael Schimanski. Die Region setzt auf ein mehrstufiges Behandlungssystem mit natürlichen Mitteln, als da sind Ameisen-, Oxal- und Milchsäure sowie Thymian enthaltende Plättchen.

Allerdings fördere auch Ameisensäure nicht unbedingt den Geschmack des Honigs, sagt Imker Florian Mayer. Deshalb beginne die Bekämpfung der Varroa-Milben erst im Spätsommer nach der Honigernte. Der Vorsitzende des Burgdorfer Imkervereins begrüßt die Hilfe des Veterinäramts. „Es ist wichtig, die Varroa-Milben in Schach zu halten, ausrotten wird nicht gelingen.“ Der Schädling ist laut Mayer Ende der siebziger Jahre aus Indien eingeschleppt worden. „Die dortigen Bienen können die Milbe selbst bekämpfen, aber unsere europäische Honigbiene ist ihr hilflos ausgeliefert. Es kommt sehr häufig vor, dass ganze Völker kaputtgehen“, sagt Mayer, dem selbst auch schon ein Volk eingegangen ist.

Die Varroa-Milbe ist für die Bienen das, was die Zecke für die Säugetiere ist. „Sie sitzt auf der Biene und ernährt sich von ihr, sodass die Biene immer schwächer wird“, sagt Mayer. Er nimmt die Medikamentenbestellung für die Mitglieder des örtlichen Imkervereins entgegen und leitet sie an die Region weiter. Imker, die keinem Verein angehören, müssen ihr Bestellformular - es ist auf www.kreisimkerverein-hannover.de herunterzuladen - bis zum 25. April direkt an die Region schicken.

Kampf gegen das Bienensterben

Den Kampf gegen die Varroa-Milbe, Hauptverursacher des europaweiten Bienensterbens, müssen die Imker jedes Jahr aufs Neue ausfechten. Doch es gibt einen möglichen Verbündeten: den ameisengroßen Chelifer cancroides. Der Bücherskorpion hat Milben zum Fressen gern. Mit seinen mit einem Giftzahn bewaffneten Scheren packt er die Beute, lähmt sie mit dem Gift und saugt sie schließlich aus.

Doch wenn die Imker sich der Hilfe der wehrhaften Tierchen versichern wollen, werden sie vermutlich auf eine andere Errungenschaft des Kunststoffzeitalters verzichten müssen. „Das Spinnentier fühlt sich in Bienenstöcken aus Styropor nicht wohl“, sagt der erfahrene Imker und Bienenzüchter Werner Christmann aus Burgdorf. „Es braucht Ritzen, in denen es sich verstecken und seine Nachzucht aufziehen kann.“ Solche findet der nützliche Milbenkiller in Bienenstöcken, die aus Holzlatten hergestellt sind.

Norbert Korte 11.04.2014
Norbert Korte 10.04.2014