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Umland Burgdorf Nachrichten Der Kampf gegen die Sucht bedeutet harte Arbeit
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16:38 25.01.2018
Beatrix Friedrich-Werner leitet seit 2002 die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention im Diakonieverband Hannover-Land. Quelle: Antje Bismark
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Burgdorf

 „Eine Suchttherapie ist harte Arbeit“, sagt Beatrix Friedrich-Werner. Sie leitet seit 2002 die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention im Diakonieverband Hannover-Land – und berät Menschen aus den vier Kommunen des Kirchenkreises im Haus der Diakonie. Das Bündeln mehrerer Beratungsstellen unter einem Dach bezeichnet sie als glückliche Fügung. Zum einen bestehe damit eine gewisse Anonymität, zum anderen könne sie die Ratsuchenden bei Bedarf an andere Dienste wie Schuldnerberatung oder Trauergruppe vermitteln.

Die Betroffenen – abhängig vom Alkohol, von Medikamenten, dem Glücksspiel oder dem Zwang nach Einkaufen – finden unter dem Dach des Hauses jenen geschützten Raum, den die Therapeutin als unabdingbar für die Gespräche bezeichnet. „Menschen, die zu mir kommen, geben mir einen Vertrauensvorschuss, wenn sie ihre Sorgen und Nöte auspacken“, sagt Friedrich-Werner. In Einzelgesprächen arbeite sie zunächst heraus, weshalb sich Betroffene auf den Weg zu ihr machen. Daran schlössen sich Anamnese und die Frage an, welche Maßnahmen die besten seien. „Das Ziel steht ja fest: Jeder möchte seine Selbstbestimmung wiedererlangen und sich von den Zwängen lösen.“

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Dabei gebe es für Alkoholsüchtige neben der stationären Betreuung auch die Möglichkeit einer ambulanten Rehabilitation durch die Fachstelle. „Etwa 80 Prozent beenden diese Maßnahme richtig“, sagt Friedrich-Werner. Zwischen sechs und 18 Monaten dauere die Rehabilitation mit mindestens 40 Stunden. Sie halte längst nicht immer für den Rest des Lebens: „Wer rückfällig wird, kann sich wieder hier melden.“

Pro Jahr beraten Friedrich-Werner und ihre Kollegen zwischen 300 und 350 Klienten, ein Zehntel von ihnen nutzt die ambulante Hilfe. Dabei spüren die Therapeuten zunehmend als Hindernis, dass das Antragsverfahren immer umfangreicher wird und die Genehmigung durch die Kassen länger dauert. „In einem Fall musste ein Rentner fast sechs Monate warten, das ist ein NoGo für unsere Arbeit“, sagt sie.

Zugleich weist die Fachstellen-Leiterin darauf hin, dass die Finanzierung ihrer Arbeit sich mit einer Mischkalkulation durch Land, Region und Diakonieverband als schwierig gestaltet. So fehle beispielsweise Geld, um an Schulen über Sucht und Suchtverhalten, darunter die Nutzung des Internets, aufzuklären. 

Aber auch die öffentliche Wahrnehmung des Themas reiche nicht aus, sagt Friedrich-Werner und nennt als Beispiel den Verkauf von Alkohol an Tankstellen. „Alkohol ist ein Tröster, den sich jeder leicht beschaffen kann, der in Krisen wie nach einer Trennung oder Problemen am Arbeitsplatz schnell wärmt und vergessen lässt.“ Naturgemäß gebe es an der Stelle oft die Debatte über kontrolliertes Trinken und dem Abhängigkeitsproblem, das vor allem die Selbsthilfegruppe aufgreifen. „Deren Arbeit ist eine wichtige Säule für die Menschen“, sagt dieTherapeutin, die auch Angehörige einbezieht. Schließlich drehe sich Sucht eben auch um Fragen wie Macht und Ohmacht, Kontrolle und Kontrollverlust. 

Diese Dynamik gelte es aufzuarbeiten: „Das schafft niemand allein.“ Und mitunter beginnen diese Gespräche, wenn die Polizei einen betrunkenen Autofahrer gestoppt hat. „Dann folgt die MPU mit mehrmaligen forensischen Tests im Jahr, bei denen der Alkoholkonsum dokumentiert wird“, sagt Friedrich-Werner. Spätestens dann beginne die harte Arbeit gegen die Abhängigkeit.

Information: Die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention an der Schillerslager Straße 9 in Burgdorf ist per E-Mail suchtberatung.burgdorf@evlka.de und unter Telefon (05136) 897330 erreichbar. Eine allgemeine Sprechstunde bietet das Team montags von 11 bis 12 Uhr und donnerstags von 16 bis 18 Uhr im Haus der Diakonie an. An jedem ersten Donnerstag im Monat gibt es von 16 bis 18 Uhr dort eine Sprechstunde „Medien – Computer – Glücksspiel“. 

Von Antje Bismark