Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Rätsel um vergiftete Feuerwehrleute gelöst
Umland Burgdorf Nachrichten Rätsel um vergiftete Feuerwehrleute gelöst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 21.08.2014
Montagabend präsentierten Experten der analytischen Taskforce die Antwort: Der Stoff, der die Feuerwehrleute mit Übelkeit und Erbrechen ins Krankenhaus zwang, ist ein sogenanntes Pyridinderivat. Quelle: Christian Elsner
Burgdorf

Montagabend präsentierten Experten der analytischen Taskforce die Antwort: Der Stoff, der die Feuerwehrleute mit Übelkeit und Erbrechen ins Krankenhaus zwang, ist ein sogenanntes Pyridinderivat. Den Hinweis auf die ätzende, alkalische Flüssigkeit fand die Spezialeinheit der Feuerwehr aus Hamburg in der Halle.

Seit Montagabend also wissen die behandelnden Ärzte in den Krankenhäusern endlich, womit sie es zu tun haben. Eine Feuerwehrfrau wird zurzeit noch auf der Intensivstation behandelt, zwei Feuerwehrmänner liegen zur Beobachtung in Kliniken. Burgdorfs Ortsbrandmeister Florian Bethmann zeigte sich Montagabend erst einmal erleichtert. Die Anstrengung, nach dem Gift zu suchen, habe sich gelohnt. Jetzt wisse man endlich, was es sei - und könne handeln.

Um alle Feuerwehrkräfte, die am Mittwoch beim Brand der Produktionshalle im Einsatz waren, zu informieren, wurde Montag am späten Abend eine Versammlung in der Feuerwache einberufen. Der leitende Notarzt war ebenfalls vor Ort. Er hatte sich zuvor mit Toxikologen beraten, um den Feuerwehrleuten das weitere Vorgehen zu erläutern.

Die Burgdorfer Feuerwehrwache wurde nach dem Brand in einer Radiergummifabrik von Einsatzkräften der angrenzenden Ortschaften abgesperrt. Im Gerätehaus soll sich kontaminierte Ausrüstung befinden.

Das gefundene Pyridinderivat ist eine chemische Variation des Pyridins. Dieses wird hauptsächlich über die Lunge aufgenommen. Es reizt die Schleimhäute und löst Befindlichkeitsstörungen vor allem im Magen-Darm-Trakt aus. Genau diese Symptome zeigten die Feuerwehrleute, die in die Krankenhäuser gebracht worden waren. Ferner kann Pyridin wie ein Nervengas wirken. Die Aufnahme toxischer Dosen von Pyridin kann sogar Bewusstlosigkeit hervorrufen. Offenbar trat diese Wirkung auch in Burgdorf auf. Von der Feuerwehr war allerdings nur zu erfahren, dass sich die Einsatzkräfte nicht wegen leichter Übelkeit in Behandlung begeben hätten.

Die analytische Taskforce der Hamburger Berufsfeuerwehr hatte 25 bis 30 Proben analysiert. An der Einsatzkleidung der Feuerwehrleute und an der technischen Ausrüstung wurde kein Giftstoff entdeckt. Aber am Brandort wurden die Spezialisten fündig.

Währenddessen überprüft die Polizei ihre erste Aussage über die Ursache des Brandes am Mittwochmorgen erneut. „Nach ersten Ergebnissen der noch andauernden Brandermittlungen kann es sein, dass es sich nicht unbedingt um Brandstiftung handelt“, sagte eine Polizeisprecherin. Die Behörde zieht mittlerweile auch eine Selbstentzündung in Betracht, die durch den Kontakt von Chemikalien zustande gekommen sein kann, die in dem Gebäude gelagert wurden. Das aber sieht Wilhelm Werhahn, Geschäftsführer des Büroartikelherstellers, ganz anders. Er verweist darauf, dass vor dem Brand Fensterrahmen der Produktionshalle herausgerissen worden seien. Er geht davon aus, dass jemand in die Halle eingestiegen ist und das Feuer gelegt hat.

Die Feuerwehr und die Polizei haben nach einem Brand in einer Radiergummifabrik mit ABC-Schutzbekleidung nach Chemikalien gesucht.

Ob die gefährlichen Stoffe eventuell nicht ordnungsgemäß gelagert wurden und es daher zu dem Feuer kam, wie es zeitweise auch in Burgdorf vermutet wurde, steht nicht fest. „Diese Möglichkeit wird von den Brandermittlern der Polizeidirektion natürlich auch überprüft“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Einsatzprotokolle der Freiwilligen Feuerwehr Burgdorf zeichnen jedoch ein entgegengesetztes Bild. Bei ihrem Einsatz fanden die Feuerwehrleute sogenannte Sicherheitsdatenblätter vor, die genau bezeichneten, welche Gebinde in der Lagerhalle standen. „Mit solchen Einsatzplänen können die Feuerwehrleute genau abschätzen, wie sie vorgehen müssen, ohne in Gefahr zu geraten“, sagt der hannoversche Feuerwehrsprecher Michael Hintz.

Die Kosten für die Behandlung der Feuerwehrleute vom Transport bis zur stationären Behandlung übernehme die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen, sagt Geschäftsführer Thomas Wittschurky. Dabei übernimmt die größte Feuerwehr-Unfallkasse (FUK) Deutschlands die Funktion der gesetzlichen oder privaten Krankenkasse. „Wir haben bereits die Kliniken informiert, damit sie wissen, dass sie keinen Krankenschein und keine Kassenkarte annehmen, sondern die Kosten uns in Rechnung stellen“, sagt Wittschurky. Zudem können die Arbeitgeber der ehrenamtlichen Retter bei der FUK einen Antrag auf die Erstattung der Kosten des Verdienstausfalls stellen.

Was war wann? Die Chronologie des Einsatzes

Mittwoch, 6 Uhr: Vier Ortsfeuerwehren werden zum Brand der Produktionshalle auf dem Läufer-Gelände in der Burgdorfer Weststadt gerufen. Das Feuer ist schnell gelöscht.

Mittwoch, früher Nachmittag: Bei der Brandschau wird ein qualmendes Fass mit der Chemikalie Dowanol-PM entdeckt. Bei einem erneuten Großeinsatz wird das Fass gekühlt. Um 18 Uhr holt eine Spezialfirma es ab.

Donnerstagvormittag: Die Luft in der Halle wird auf Schadstoffbelastung kontrolliert – für die Sicherheit der Brandursachenermittler. Dabei wird das Nervengas Phosphin nachgewiesen.

Donnerstagabend: Die ersten Feuerwehrleute klagen über Kopfschmerzen, Übelkeit mit Durchfall und Erbrechen. Sie werden in der Feuerwache untersucht. Alle 130 Einsatzkräfte werden telefonisch informiert und nach ihrem Befinden gefragt. Schließlich kommen 22 Männer und Frauen in Kliniken in der Region.

Freitagvormittag: Der ABC-Zug der Berufsfeuerwehr Hannover wiederholt die Schadstoffmessung in der Produktionshalle und bestätigt den Phosphinfund. Sonnabend: Im Laufe des Tages werden bis auf zwei alle Feuerwehrleute, die in den Krankenhäusern behandelt wurden, nach Hause entlassen.

Sonntagmittag: Ein weiterer Feuerwehrmann aus Höver klagt über Vergiftungserscheinungen. Er kommt ins Krankenhaus.

Sonntagabend: Die Lage spitzt sich zu: Weitere Einsatzkräfte sind erkrankt und werden zunächst in der Feuerwache untersucht und dann in Kliniken gebracht. Die analytische Taskforce aus Hamburg wird angefordert. Die Spezialisten treffen gegen Mitternacht ein.

Montag, 1 Uhr: Die Taskforce beginnt mit der Analyse der verschmutzten Einsatzkleidung und untersucht Proben vom Brandort. 18 Stunden finden die Experten das Gift. Es ist ein Pyridinderivat, das als Lösungsmittel in der Gummiproduktion eingesetzt wird.

Jörn Kießler

Ganztägige Ferienbetreuungen für Kinder entlasten viele berufstätige Eltern. In Burgdorf werden solche Angebote erfolgreich mit viel ehrenamtlichem Engagement auf die Beine gestellt. Neben den Elternbeiträgen für den Ferienhort erhalten die Anbieter von der Stadt eine finanzielle Unterstützung.

18.08.2014

Im Oldhorster Moor im Westen des Stadtgebiets gibt es eine kleine Kranichkolonie. Dieses Vorkommen ist laut Naturschutzbund (Nabu) Burgdorf, Lehrte, Uetze einzigartig.

Anette Wulf-Dettmer 17.08.2014
Nachrichten Nach Brand in Radiergummifabrik - Feuerwehrwache in Burgdorf kontaminiert

Nach dem Brand in einer Radiergummifabrik in Burgdorf kommen immer weitere Feuerwehrkräfte mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus. Die Burgdorfer Wache wurde mittlerweile von Einsatzkräften der angrenzenden Ortschaften abgesperrt. Im Gerätehaus soll sich kontaminierte Ausrüstung befinden.

20.08.2014