Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Südlinktrasse tangiert Moore und Ölfelder
Umland Burgdorf Nachrichten Südlinktrasse tangiert Moore und Ölfelder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:10 30.12.2016
Von Anette Wulf-Dettmer
Der Erlenbruchwald westlich der Spreewaldseen ist einzigartig für das norddeutsche Tiefland. Der Trassenkorridor für den Südlink tangiert dieses Naturschutzgebiet. Quelle: Friedrich-Wilhelm Schiller
Anzeige
Burgdorf/Uetze

Von der neuen Erdkabeltrasse für die Stromautobahn Südlink sind Weferlingsen, Dachtmissen und Hülptingsen nicht betroffen. Die Bürger der drei Dörfer hatten mit großen Transparenten an Straßenrändern gegen die Pläne protestiert, am Rande ihrer Orte 60  Meter hohe Strommasten für den Südlink aufzustellen.

„Hauch nach Norden verlegen“

Anzeige

Burgdorf wird nur an der nördlichen Ecke leicht tangiert“, erklärt Bauamtsleiter Andreas Fischer. „Doch vielleicht kann die Trasse noch einen Hauch nach Norden verlegt werden“, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung. Damit würden die Problemzonen im Trassenkorridor aus Sicht der Stadt größtenteils gelöst. Diese Knackpunkte sind das Segelfluggelände, das Ehlershäuser Moor, das Vorranggebiet für den Hochwasserschutz im Bereich Neue und Alte Aue sowie der Windpark östlich von Ehlershausen.

Die Region Hannover hat diese Hinweise Burgdorfs größtenteils in ihre Stellungnahme zu den Trassenvarianten für den Südlink, die der Netzbetreiber Tennet ab 2021 bauen will, aufgenommen. Die Anmerkungen und Hinweise für das Trassensegment 53, das durch Burgdorfer und Uetzer Gebiet verläuft, hatte die Region mit beiden Kommunen abgesprochen.

Parallel dazu haben Burgdorf und Uetze auch einzeln ihre Stellungnahmen online im Tennet-Beteiligungsportal abgegeben. „Wir haben dort 26  Hinweise gegeben“, sagt Sven Kuchenbecker, Fachbereichsleiter für Verkehr, Umwelt, Planung in der Gemeinde Uetze.

Die Region verweist in ihrer Stellungnahme auf Natur- und Landschaftsschutzgebiete sowie auf die Vorranggebiete für die Trinkwassergewinnung im und rund um das Burgdorfer Holz, für den Hochwasserschutz östlich Ehlershausens und für die Windenergienutzung südlich von Hänigsen. Großen Raum nimmt in der Stellungnahme das ehemalige Erdölgewinnungsgebiet nordöstlich und südöstlich von Hänigsen ein.

Korridor kreuzt Erdölfelder

Dazu hat die Gemeinde Uetze selbst keine Stellung bezogen, „weil wir auch nur die Angaben der Region Hannover haben“, sagt Kuchenbecker. In der Stellungnahme der Region heißt es: „Nordöstlich von Hänigsen kreuzt der Trassenkorridor das historische Erdölgebiet von Hänigsen-Obershagen-Nienhagen. Innerhalb des Gebietes liegen zahlreiche Tiefbohrungen. Südöstlich von Hänigsen überstreicht der Korridor das Erdölfeld Hänigsen.“

Bei der Erschließung fielen größere Mengen an Grabungs- und Bohrrückständen an, so die Region. Nachdem diesen das Wasser entzogen worden war, wurden sie vorwiegend in kleinen Kuhlen und Bodenabbaugruben im Umfeld der Bohrungen deponiert. Die neueren Gruben sind laut Region im „Rahmen von Betriebsplanverfahren nach Bergrecht genehmigt und überwacht worden“. Bei den älteren, teils historischen Schlammgruben treffe das jedoch nicht zu. Deshalb könnten von ihnen Gefahren für die Umwelt ausgehen, warnt die Region.

„Bei älteren Tiefbohrungen ist außerdem damit zu rechnen, dass die aufgegebenen Bohrlöcher nur unzulänglich abgesichert worden sind“, heißt es weiter in der Stellungnahme. Auch hier sei mit Verunreinigungen des Untergrunds zu rechnen sowie mit Resten von stillgelegten Produktionsleitungen. Zu guter Letzt verweist die Region noch auf die natürlichen Ölquellen auf dem Teerkuhlenberg nördlich von Hänigsen.

Problematisch ist auch der Engpass zwischen Hänigsen und Riedel. „Wir haben Stellung genommen zum bestehenden Bebauungsplan für das Freibad und den Campingplatz sowie zum Flächen-
nutzungsplan, der südlich des K+S-Geländes ein Gewerbegebiet vorsieht“, sagt Kuchenbecker.

Einzigartiger Erlenbruchwald

Im Planungskorridor für die acht Erdkabel befindet sich auch eine einzigartige Naturlandschaft: Der Schilfbruch mit seinem naturbelassenen Erlenwald, der so wertvoll ist, dass dort Samen für die europaweite Aufzucht neuer Wälder geerntet werden. Um Schäden zu vermeiden, sollte die 30 Meter breite Erdkabeltrasse entsprechend geführt werden, so die Region. Weitere zu berücksichtigende Gebiete sind das Feuchtgrünland Im Flethe bei Dollbergen sowie historische Waldstandorte im Burgdorfer Holz und im Beerbusch.

Der Korridor, in dem die 50 Meter breite Trasse für die Erdkabel des Südlinks liegen könnte, ist 1000 Meter breit. Tennet für die Südlinktrasse im Bereich der Region Hannover zwei Trasse - eine westlich und eine östlich der Landeshauptstadt - vorgestellt. Die Östliche erreicht das Burgdorfer Stadtgebiet nördlich von Ehlershausen und verläuft dann östlich von Obershagen in Richtung Hänigsen und weiter bis Dollbergen, um schließlich den Landkreis Peine zu erreichen. Quelle: Tennet
Antje Bismark 02.01.2017
Anette Wulf-Dettmer 30.12.2016
Anette Wulf-Dettmer 30.12.2016
Anzeige