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Umland Burgdorf Nachrichten Stadt spart in den Dörfern
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15:30 08.12.2016
Von Joachim Dege
Im überdachten Kreuzgang zwischen Martin-Luther-Kirche und dem Gemeindehaus stellen Nutzer des Nahverkehrs gern ihre Fahrräder ab.
Im überdachten Kreuzgang zwischen Martin-Luther-Kirche und dem Gemeindehaus stellen Nutzer des Nahverkehrs gern ihre Fahrräder ab. Quelle: Antje Bismark
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Beide Vorhaben waren angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt während der aktuellen Etatberatungen auf einer Streichliste gelandet, über die der Ratsausschuss für Verkehrsanlegenheiten einzeln abzustimmen hatte. Auf beide  wollen die Kommunalpolitiker verzichten und so die Stadtkasse schonen.

Im Fall von Ehlershausen geht es um eine Idee, die der Kirchenvorstand der Martin-Luther-Gemeinde im Spätsommer an den Ortsrat herantrug. Weil viele Schüler und auch andere Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs - die Bushaltestelle ist direkt vor der Kirche - ihre Fahrräder ständig im überdachten Kreuzgang zwischen Gottes- und Gemeindehaus abstellen, regte die Gemeinde an, dass die Stadt abseits des Kreuzgangs eine überdachte Fahrradabstellanlage errichten soll. Die Kirche sei auch bereit, ihren Grund und Boden zur Verfügung zu stellen. Der Ortsrat fasste umgehend einen entsprechenden Beschluss. Diesen setzte die Stadtverwaltung pflichtschuldig um, indem sie nach dem Vorbild der überdachten und beleuchteten Fahrradabstellanlage für das Gymnasium in der Südstadt plante und dafür im Haushaltsplan Kosten in Höhe von 30.000 Euro veranschlagte.

Laut Rainer Herbst, Fachbereichsleiter Tiefbau, wären für 25 Fahrradbügel 25.000 Euro angefallen, zuzüglich 5000 Euro Planungskosten. "Ein verpapptes Geschenk an die Kirche", wähnte der in Ehlershausen wohnende FDP-Ratsherr Thomas Dreeskornfeld im Finanzausschuss. Er sprach sogar von einem "Gschmäckle", weil mit Matthias Paul der Ehemann der Martin-Luther-Pastorin Susanne Paul im Ortsrat sitzt. Bürgermeister Alfred Baxmann (SPD) widersprach umgehend: Der Ortsratsbeschluss sei noch in der alten Wahlperiode und somit vor der Wahl Pauls in den Ortsrat gefasst worden.

Herbst allerdings äußerte erhebliche Bedenken gegen das Vorhaben, weil es sich um einen Präzedenzfall handele: Wenn die Stadt eine solche Anlage auf fremdem Grund errichtet, könnten auch andere ähnliche Begehrlichkeiten entwickeln. Bei der Abstimmung im Fachausschuss gab es für die Anlage dann keine Mehrheit, somit war sie durchgefallen. SPD und Linke waren dafür, Grüne, AfD und FDP dagegen, die CDU enthielt sich der Stimme.

Der Verwaltungsausschuss der Stadt korrigierte die Entscheidung am Dienstagabend und sprach sich nunmehr für eine "schlanke und finanziell kostengünstige" Variante aus, wie Bürgermeister Baxmann auf Nachfrage bekanntgab. Das Gremium beauftragte die Stadt, eine öffentliche Fläche in der Nähe der Bushaltestelle zu identifizieren, wo Fahrradständer aufgestellt werden können, die die Region Hannover der Kommune kostenlos überlässt.

Bescheiden muss sich auch das Dorf Schillerslage. Dort hatte der Ortsrat an der Ecke Flachsfeld/Rapsfeld eine Gehwegfurt gefordert, damit Kindergartenkinder angeblich sicherer zur Kita gelangen können. Die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Lösung, die über die Grünfläche an der Straßenecke führt, würde 6000 Euro kosten. Der Verkehrsausschuss kassierte die Furt. Zumal die Stadtverwaltung vortrug, dass die Polizei dort bislang keinen Unfallschwerpunkt ausgemacht habe. Und auch die Kindergartenleitung habe die Gehwegfurt als nicht erforderlich eingestuft.

Auf der Grünfläche an der Ecke Rapsfeld/Flachsfeld in Schillerslage soll die Stadt nach dem Willen des Ortsrats eine Gehwegfurt anlegen, damit Kinder sicher zum Kindergarten gelangen. Quelle: Antje Bismark
Stefan Heinze 08.12.2016
Antje Bismark 08.12.2016
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