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Umland Burgdorf Nachrichten „Sein Lächeln wird fehlen“
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21:14 21.12.2014
Söhne und Enkel des verstorbenen Ernst Albrecht tragen den Sarg aus der Kirche. Quelle: dpa
Burgdorf

Polizeifahrzeuge, uniformierte und zivil gekleidete Polizeibeamte bestimmten von der Mittagszeit an das Straßenbild in der Innenstadt rund um die St.-Pankratius-Kirche. Dort blieb am Sonnabend die sonst stets um 12 Uhr mittags zu Testzwecken ertönende Feuerwehrsirene stumm. Stattdessen läuteten die Glocken vom Kirchturm. Bereits mehr als eine Stunde vor dem um 14 Uhr beginnenden Trauergottesdienst hatte sich ein großer Teil der Familien Albrecht und von der Leyen in der Kirche versammelt, um sich gegenseitig Trost zu spenden. Albrechts schlichter, blumengeschmückter Sarg stand, eingerahmt von zwölf großen Kränzen, im Altarraum aufgebahrt. Albrechts Tochter, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, betrat mit ihrem Mann Heiko kurz nach
13 Uhr die Kirche.

Mit einer Trauerfeier in der St.-Pankratius-Kirche haben Familie, Freund und Weggefährten Abschied vom ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht genommen.

Während sich das Gotteshaus zunehmend füllte und eine Sicherheitsbeamtin auch noch die zahlreichen Schaulustigen an der Marktstraße in den öffentlichen Trauergottesdienst einlud, trafen nach und nach prominente Trauergäste wie der frühere Ministerpräsident David McAllister, der ehemalige CDU-Bundesschatzmeister Walther Leisler Kiep und Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe ein.
Pastor Michael Schulze hielt eine bewegende Predigt, die in dem Satz gipfelte: „Auch mit seinem typischen Lächeln wird er uns fehlen.“ Der Knabenchor Hannover sang Werke von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelsohn Bartholdy. Söhne und Enkel Albrechts trugen nach dem Gottesdienst den Sarg aus der Kirche. Albrechts Leichnam soll nun eingeäschert und nach Weihnachten auf dem Gut der Familie in Beinhorn in einer Urne beigesetzt werden. Am Montag ab 14 Uhr wird es einen Staatsakt im Opernhaus Hannover geben.

Pastor Schulze würdigt ihn als Friedensstifter

Pastor Michael Schulze, der Ernst Albrecht lange Jahre persönlich kannte, beschrieb den Verstorbenen in seiner ungemein einfühlsamen Predigt als einen Familienmenschen, der fest im christlichen Glauben verankert gewesen sei und Menschen habe helfen wollen. Diesen habe in seiner Jugend in Bremen das christliche Elternhaus geprägt. „Ich bin erfüllt von Dankbarkeit“, hatte Albrecht laut Schulze an seinem 80. Geburtstag gesagt. Dankbar sei er zum Beispiel dafür gewesen, dass er als 1930 Geborener nicht in den Krieg ziehen musste, so der Pastor, der die Familie Albrecht seit vielen Jahren seelsorgerisch begleitet. Seine frühere Arbeit in Luxemburg und Brüssel für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft habe Albrecht als Beitrag zu einem vereinten Europa in Frieden gesehen.

Gefreut habe sich dieser, wenn er als Ministerpräsident anderen Menschen helfen konnte, wie etwa mit der Aufnahme der vietnamesischen Boatpeople in Niedersachsen. „Das war für ihn sicher eine der wichtigsten Entscheidungen in seinem Leben“, sagte Schulze.

Stephan Weil ist nicht der erste niedersächsische SPD-Ministerpräsident, der seine Mehrheit verliert: Ernst Albrecht (CDU) war am 15. Januar 1976 als Oppositionskandidat mit Stimmen aus der sozialliberalen Regierungskoalition überraschend zum Nachfolger des aus Altersgründen zurückgetretenen Ministerpräsidenten Alfred Kubel gewählt worden. 

Das von vielen befürchtete Verkehrschaos in Burgdorfs Innenstadt blieb aus. Einige Händler beklagten freilich, dass womöglich wegen der Trauerfeier weniger Besucher in die City geströmt seien, um ihre letzten Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Das könnte allerdings auch am Wetter gelegen haben. Während des Gottesdienstes zog ein Gewitter mit Hagelschauer über Burgdorf hinweg.

„Er hat uns Vietnamesen aus dem Meer gerettet“

Extra aus Schüttorf an der niederländischen Grenze war Thanh Son Nguyen am Sonnabend zur Trauerfeier für Ernst Albrecht angereist. „Er hat uns Vietnamesen aus dem Meer gerettet. Aus Dankbarkeit bin ich gekommen, um für ihn zu beten“, sagte der 57-Jährige, den die Kap Anamur 1980 mit anderen Boatpeople nach Deutschland gebracht hatte.

Aber auch Burgdorfer haben den früheren Landesvater in guter Erinnerung. So berichtete die frühere Pfadfinderchefin Gesine Milkowski, dass Ernst Albrecht sie bei der Gründung der Christlichen Pfadfinderschaft in Burgdorf unterstützt habe. „Er hat uns sogar seine Wiese in Beinhorn als Zeltplatz zur Verfügung gestellt“, erzählte sie. „Als Briefträger hatte ich viele nette Begegnungen mit ihm. Die netteste war, als er mir bei einer Sonderzustellung am Sonntag eine Flasche Bullenschluck geschenkt hat“, erinnerte sich Post-Ruheständler Hermann Meyer.

Der heutige CDU-Regionsabgeordnete Oliver Brandt hatte nach eigenem Bekunden Albrecht häufiger getroffen, als Brandt Vorsitzender der Jungen Union in der Stadt war. „Er hat uns damals mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Bei den JU-Fußballturnieren hat er gern den ersten Preis gespendet“, sagte er.

Persönlich hatte auch der Aligser Volkmar Küthmann, ehemals Sänger im Knabenchor Hannover, den Verstorbenen kennengelernt: „Seine Söhne Barthold und Donatus haben im Knabenchor gesungen. Die älteren Männerstimmen haben die Söhne auf Konzertreisen betreut. Nach den Reisen haben wir sie nach Hause gebracht.“

Von Joachim Dege und Friedrich-Wilhelm Schiller

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