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Nachrichten Wohnwagen-Bande will aussagen
Umland Burgdorf Nachrichten Wohnwagen-Bande will aussagen
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00:17 20.10.2017
Von Joachim Dege
Vor dem Landgericht Hildesheim hat am Montag der Prozess gegen die Wohnwagen-Bande begonnen.
Vor dem Landgericht Hildesheim hat am Montag der Prozess gegen die Wohnwagen-Bande begonnen. Quelle: Joachim Dege
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Burgdorf/Uetze/Hildesheim

Vor der Großen Strafkammer 9 unter Vorsitz von Richter Rainer de Lippe müssen sich aktuell zwei Wohnwagen-Banden verantworten. Der umfangreichere der beiden Prozesse begann am Dienstagvormittag mit der Verlesung der Anklage. Staatsanwalt Stefan Gabor wirft den vier Männern aus dem Roma-Milieu nicht weniger als elf Taten vor, die sie in unterschiedlicher Besetzung und womöglich zusammen mit weiteren Unbekannten im gesamten Bundesgebiet begangen haben sollen. Am 11. April schlug die Bande unter anderem auch in Burgdorf zu. Als Kopf der Bande sieht die Strafverfolgungsbehörde einen 29 Jahre alten Montenegriner an, der seinen Wohnsitz bis zu seiner Verhaftung Mitte Mai in Uetze hatte.

Das Geschäftsmodell der Wohnwagen-Bande funktionierte so: Von Uetze aus recherchierte sie im Internet, wo jeweils hochwertige Wohnwagen angeboten wurden und zum Verkauf bereitstanden. Alsdann machten sie sich mit einer Zugmaschine auf den Weg: nach Linnich und nach Rheinbach in Nordrhein-Westfalen, nach Bissendorf und Ostercappeln bei Osnabrück, nach Mühlheim an der Ruhr, Neunkirchen im Saarland, Ritterhude bei Bremen und Schwentinental bei Kiel. Dass die Wohnwagen mit Anhängerschlössern gesichert waren, störte sie wenig. Sie knackten diese einfach und entwendeten so 14 Wohnwagen, deren Wert jeweils zwischen 20.000 und 35.000 Euro lag. Dann schleppten sie die Wohnwagen bevorzugt nach Belgien und verkauften sie weiter an einen Hehler. Den Gesamtwert der Beute summieren die Ermittler auf rund 250.000 Euro.

Das Gericht hat vorerst acht Verhandlungstage angesetzt. Allerdings zeichnete sich schon am ersten Verhandlungstag ab, dass die Richter diese kaum benötigen, um womöglich Ende November zu einem Urteil zu kommen. In einem der Beweisaufnahme vorgeschalteten Rechtsgespräch verständigten sich alle Verfahrensbeteiligten auf den Strafrahmen. So könnte einer der Angeklagten, dem nur ein Diebstahlversuch zur Last gelegt wird, mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Den Haupttäter, der wohl bei allen angeklagten Taten seine Finger im Spiel maßgeblich hatte, erwartet eine Freiheitsstrafe zwischen viereinhalb und sechseinhalb Jahren. Seinen Adjutanten, der immerhin bei neun Taten dabei war, kaum weniger. Mit mindestens zwei Jahren Gefängnis muss der mit 44 Jahren Bandenälteste rechnen, der an drei Diebstählen mitwirkte.

Die Verteidiger aller vier Angeklagten kündigten für den zweiten Prozesstag am Dienstag  nächster Woche Geständnisse ihrer Mandanten an. Der Hauptangeklagte ließ seinen Anwalt Paulo Dias aus Hannover sogar erklären, dass er bereit sei, Hintermänner zu nennen, also Hehler und Käufer der gestohlenen Wohnwagen. Riskant. Denn diese sollen ebenfalls dem Roma-Milieu angehören, wie Dias auf Nachfrage bestätigte.

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