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Burgwedel Lebenshilfe baut die Betreuung in Krippe und Kita aus
Umland Burgwedel

Burgdorf: Lebenshilfe baut die Betreuung in Krippe und Kita aus

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16:08 14.08.2019
Gemeinsam spielen, lachen, lernen: Die Lebenshilfe bietet eine Betreuung für Kinder mit und ohne Unterstützungsbedarf. Quelle: Archiv
Burgdorf

Ein Blick auf das jüngste Jahrzehnt in der Lebenshilfe-Geschichte zeigt, wie schnell die Einrichtung am Wasserwerksweg gewachsen ist – und wie sie zunehmend in die Stadtgesellschaft wirkt. Den Anfang dieser Entwicklung markiert sicherlich die Eröffnung der integrativen Krippe Rappelkiste, in der zwölf Kinder zwischen einem und drei Jahren betreut werden. Zwei von ihnen haben einen Förderbedarf, und sie kommen aus allen Kommunen des Altkreises. Die anderen zehn leben mit ihren Familien in Burgdorf – sie suchen die Krippe jeden Tag auf und sorgen mit ihren Erfahrungen dafür, dass die Arbeit auch den Familien bekannter wird, die sonst keine Berührungspunkte mit dem Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen haben.

In der Rappelkiste leben die Kleinsten die Integration vor

„Das erste Kind für die Rappelkiste“, erinnert sich die pädagogische Leiterin Susanne Ruhkopf, „hatte einen großen Förderbedarf.“ Seine Mutter wollte wieder in den Beruf zurückkehren, doch einen Krippenplatz fand sie nicht. Dank eines landesweiten Modellversuchs erhielt die Lebenshilfe die Chance, die integrative Krippe zu starten. „Der Gruppenraum wurde neu konzipiert und kleinkindgerecht eingerichtet“, sagt Ruhkopf und fügt hinzu, dass sich auch bald eine zweite Familie gefunden hatte. Mehr noch: Zu einem Informationsabend über die neue Krippe kamen vor allem Eltern von Kindern ohne Förderbedarf – und zur Freude der Lebenshilfe meldeten sie ihren Nachwuchs auch an. „Seit dem Start am 1. November 2011 kamen so viele Anmeldungen, dass wir längst nicht alle Kinder aufnehmen konnten“, berichtet sie.

Und dann machte die Lebenshilfe jene Erfahrung, die auch andere Träger sammeln: Weil sich die Kleinen so wohl fühlten in der Krippe, wünschten sich die Eltern eine Kita für die Älteren. Dies hing zum einen mit dem Reitangebot und Schwimmbad vor Ort zusammen, zum anderen mit dem pädagogischen Konzept. „Es berücksichtigt die individuellen Fähigkeiten eines jeden Kindes, ob mit oder ohne Unterstützungsbedarf“, sagt die Pädagogin.

Immer wieder rücken Bauarbeiter an, um Raum zu schaffen für neue Plätze in Krippe und Kita. Quelle: Archiv

Mullewapp im Doppelpack nimmt Kita-Kinder auf

Wegen der Nachfrage rückten im Jahr 2013 erneut die Bauarbeiter an, denn in Haus 2 entstand die erste kooperative Kita-Gruppe mit dem Namen Mullewapp. Und weil die Kinder sich mit der bunten Gruppe jener Tiere so verbunden fühlen, folgte zwei Jahre später mit Mullewapp 2 die zweite kooperative Gruppe in Haus 3. Dafür verschwanden die bis dahin genutzten Container auf dem Gelände, und es entstand ein heller Neubau. In jede Gruppe gehen je zehn Kinder ohne Beeinträchtigung gemeinsam mit sechs Jungen und Mädchen aus einer heilpädagogischen Gruppe. „Besonders auf dem Weg zur Inklusion ist es für viele Kinder wichtig, mindestens im Jahr vor der Einschulung aus einer kleinen heilpädagogischen in eine größere kooperative Gruppe zu wechseln“, sagt Ruhkopf, weil sie sich dann an die Größe einer Schulklasse gewöhnen könnten.

Bei bestimmten Ritualen wie dem wöchentlichen Singkreis kommen alle Kinder der Einrichtung zusammen, aber: „Die Notwendigkeit der Förderung in heilpädagogischen Gruppen bleibt für viele Kinder unumstritten“, sagt sie. Denn erst darin fänden die Jungen und Mädchen eine Struktur, die ihnen Halt gibt und das individuelle Lernen ermöglicht. Kinder ohne Förderbedarf indes lernten, dass Verschiedensein normal ist, dass mancher Gleichaltriger noch das Essen angereicht bekommt oder sich nur über Gebärden verständigen kann.

Kein Platz mehr für dringend benötigte Gruppen

Angesichts des guten Miteinanders, das auch die Eltern schätzen, würde die Lebenshilfe gern eine weitere kooperative Gruppe gründen. „Dann könnten alle Krippenkinder weiterhin bei uns betreut werden“, sagt Ruhkopf – doch das Gelände am Wasserwerksweg bietet keine Kapazität mehr für einen Neubau. Dieser ginge zu Lasten des Spielgeländes, das die Lebenshilfe erst in 2017 um Spielturm und Rennstrecke für Bobbycars und Roller ergänzt hatte.

Gemeinsam spielen, lachen, lernen: Die Lebenshilfe bietet eine Betreuung für Kinder mit und ohne Unterstützungsbedarf. Quelle: Archiv

Zugleich sieht sie perspektivisch die Notwendigkeit, die jetzigen Plätze im Heilpädagogischen Zentrum zu erhalten – und möglichst aufzustocken. „Die Zahl der Kinder mit Unterstützungsbedarf steigt, sodass wir in den vergangenen Jahren sogar mehrere Kinder abweisen mussten“, sagt Ruhkopf und lenkt den Blick noch auf eine besondere Gruppe – jene Jungen und Mädchen mit sozial-emotionalen Problemen, für die nahezu gänzlich wirksame pädagogische Konzepte fehlten.

Zur Ruhe kommt die Lebenshilfe, das ahnen Wegbegleiter, Mitarbeiter und Eltern, auch im sechsten Jahrzehnt ihres Bestehens nicht.

Fünf Jahrzehnte Lebenshilfe – fünf Serienteile:

Das erste Jahrzehnt: Die Lebenshilfe gründet sich.

Das zweite Jahrzehnt: Die Reittherapie ist bis heute ein Erfolgsmodell.

Das dritte Jahrzehnt: Der Spielkreis bildet die Grundlage für Krippe und Kita.

Das vierte Jahrzehnt: Die Lebenshilfe zieht in die Innenstadt.

Von Antje Bismark

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