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Burgwedel 86 Familien beteiligen sich am ersten Garagenflohmarkt in Fuhrberg
Umland Burgwedel

Burgwedel: 86 Familien beteiligen sich am ersten Garagenflohmarkt in Fuhrberg

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18:31 23.06.2019
Oliver Dick (links) und Christian Raab verkaufen beim Garagenflohmarkt in Fuhrberg, was sie so im Keller gefunden haben – mit jeder Menge guter Laune. Quelle: Carina Bahl
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Fuhrberg

Ein bisschen stolz ist er schon. Vielleicht auch ein bisschen mehr. Am Sonntagnachmittag hat Fuhrbergs Ortsbürgermeister Heinrich Neddermeyer im Schatten von Kirche und Gemeindehaus gleich eine doppelte Rolle inne: Radfahrern, die auf Einladung der Bürgerstiftung alle sieben Ortsteile Burgwedels erkunden, drückt er einen Stempel auf – und er versucht, sie dann aber doch klammheimlich lieber im nördlichsten Dorf der Stadt zu halten. „Wir haben heute Garagenflohmarkt“, sagt er und hat auch dafür einen Übersichtsplan zu verschenken.

86 Fuhrberger Haushalte sind beim Garagenflohmarkt mit dabei

Gleich 86 Anmeldungen zählt die Premiere des Garagenflohmarktes in Fuhrberg. Die Idee hatte Michaela Pesliak. „Ich hatte in Wettmar und Thönse die Garagenflohmärkte gesehen und dachte: Das brauchen wir hier auch.“ Von der hohen Anmeldezahl ist sie begeistert. Neddermeyer überrascht die Zahl derweil kaum: „Dorfgemeinschaft, das können wir hier. Das macht uns aus“, sagt er und lächelt zufrieden.

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Ob das binnen weniger Stunden ausverkaufte Festival Ende August, der eigene Supermarkt, der nur dank Fuhrberger Kommanditgesellschaft öffnen konnte, ob Kirche und Gemeindehaus, die vor 250 Jahren und 1984 in Eigenleistung gebaut wurden, oder die Initiative für schnelles Internet: Wenn es in Fuhrberg etwas zu bewegen gibt, packen alle mit an. „Bei der Glasfaser war Fuhrberg Spitzenreiter, wir hatten zuerst die 40 Prozent“, sagt der Ortsbürgermeister. Zugegeben: Das nördlichste Dorf der Stadt hat auch die schlechteste Internetverbindung.

Das hindert aber niemanden daran, auch in sozialen Netzwerken aktiv zu sein: 396 Mitglieder zählt die Facebook-Gruppe FuhrbergerInnen. „Darüber wurde auch der Flohmarkt beworben, und so viele machen jetzt mit. Das ist einfach toll“, sagt Janina Sickau, die am Sonntag vor ihrer Garage jede Menge Baby- und Kinderkleidung verkauft. Vor sechs Jahren ist die gebürtige Oldhorsterin nach Fuhrberg gezogen – und bereits voll im Dorf integriert. „Die Gemeinschaft hier ist super“, sagt die 34-Jährige und freut sich, dass ihre Schwester beim Verkaufen mit anpackt. „Dann kann ich zwischendurch auch mal los und schauen, was die Nachbarn so verkaufen.“

Janina Sickau lebt seit sechs Jahren in Fuhrberg und lobt die Dorfgemeinschaft. Natürlich ist sie auch bei der Garagenflohmarkt-Premiere mit dabei. Quelle: Carina Bahl

Dorfgemeinschaft ist wichtiger als der große Verkaufserlös

Denn das, so hört man, ist das einzige Manko bei der Garagenflohmarkt-Premiere: Wer selbst verkauft, kann eben nicht selbst schlendern – ein Luxusproblem. Trotzdem sind Hunderte auf den Straßen unterwegs, spazieren zu Nachbarn und Freunden, um zu feilschen – aber noch viel mehr, um zu plauschen. Christian Raab und Oliver Dick haben es sich mit Hut, Liegestuhl und Sonnenbrille vor ihrem Haus gemütlich gemacht. Den großen Gewinn erhoffen sie sich nicht. „Wir haben uns gleich zu Beginn schon von echten Händlern über den Tisch ziehen lassen“, erzählen die beiden und lachen. „Die feilschen schon professionell.“ Aber was soll’s? Mittelaltermarkt-Relikte, Videospiele und ein skurriler Schnapsglas-Nipp-Vogel sollen ja nicht wieder zurück in den Keller wandern müssen.

So sieht das auch Anne Plathner, die nur wenige Meter von Neddermeyer entfernt unter anderem alte Bierkrüge, Geschirr und Schlüssel anbietet. „Alte Schlüssel verkaufen sich sehr gut“, verrät sie. „Die nutzen viele zur Dekoration.“ Dem netten jungen Mann mit Migrationshintergrund werden der Wasserkocher und die Pfanne prompt geschenkt. Es geht ja nicht ums Geld in Fuhrberg. Es geht mal wieder nur um eins: die Dorfgemeinschaft.

Anne Plathner verkauft unter anderem alte Schlüssel - aber ums Geld geht es ihr an diesem Tage genauso wenig wie den anderen Fuhrbergern. Quelle: Carina Bahl

Von Carina Bahl