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Burgwedel 63 Taten: Drogenhändler hat auch an Jugendliche verkauft
Umland Burgwedel

Burgwedel: Amtsgericht schickt Drogenhändler nicht in Haft

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18:00 07.10.2019
Ein junger Drogenhändler hat vor dem Amtsgericht Burgwedel gerade noch eine Bewährungsstrafe erhalten. Quelle: Symbolbild (Oliver Berg/dpa)
Burgwedel/Langenhagen

Obwohl er in mehr als 60 Fällen Marihuana an teils jugendliche Kunden verkauft hatte, ist ein junger Mann vor dem Amtsgericht Burgwedel gerade noch mit einer Bewährungsstrafe davongekommen. Interessante Randnotiz: In einem Fall hatte der Drogenhändler seinem Abnehmer statt 12 Gramm Marihuana lediglich eingewickeltes Toilettenpapier verkauft, weshalb er sich auch noch wegen Betruges verantworten musste.

Angeklagter hatte mindestens 63-mal Drogen verkauft

Angeklagt war der gebürtige Burgwedeler wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels in nicht geringen Mengen: In mindestens 63 Fällen hatte der 24-Jährige vorwiegend in der Wedemark, aber auch in Langenhagen und Burgwedel Marihuana an teils noch jugendliche Kunden verkauft. Mal wechselten wenige Gramm der Droge den Besitzer, mehrmals bot er aber auch 75 oder 100 Gramm zum Kauf an. Mindestens zehn Monate lang ging da so. Nachvollziehen ließ sich der Drogenhandel anhand von Chatverläufen: Die Polizei hatte sein Handy bei einer Wohnungsdurchsuchung sichergestellt und ausgewertet. Fast 3500 Euro hatte der junge Mann so erlangt – in einem Fall durch besagtes Päckchen, das statt Drogen nur Toilettenpapier enthielt.

Was für den Angeklagten vor dem Schöffengericht Burgwedel auf dem Spiel stand, machte Richter Michael Siebrecht ihm unmissverständlich klar: Wenn Erwachsene Minderjährigen Drogen verkauften, sehe das Gesetz für jeden einzelnen Fall zwei Jahre Gefängnis vor. Selbst in einem minderschweren Fall – bei Weichdrogen und Mengen im Grammbereich – liege die Mindeststrafe bei drei Monaten, und das für jede der 63 angeklagten Taten. „Hier geht es um Gefängnis oder nicht!“

Staatsanwalt: „Nehmen Sie das heute ernst!“

Der Staatsanwalt wurde in seinem Plädoyer noch deutlicher. „Wir machen hier riesige juristische Klimmzüge, damit Sie in Freiheit bleiben. Dreieinhalb oder vier Jahre Haft wären absolut vertretbar.“ Immerhin stellten die angeklagten 63 Taten vielleicht nur die Spitze des Eisberges dar: „Sie haben auf Teufel komm’ raus an jeden vertickt, um Gewinn zu erzielen. Und das Endprodukt von Drogenkarrieren sehen wir in vielen Gerichtssälen.“

Letztlich beantragte der Anklagevertreter aber „nur“ eine zweijährige Strafe zur Bewährung. „Verstehen Sie die Justiz bitte nicht als Quasselbude, nehmen Sie das heute ernst!“, warnte er den 24-Jährigen. Wenn dieser sich nur noch eine Kleinigkeit zuschulden kommen lasse, dann müsse er für mindestens zwei Jahre ins Gefängnis. „Und da landen Sie dann richtig im kriminellen Milieu. Da kommen Sie dann auch nicht mehr raus.“

Angeklagter macht vor Gericht reinen Tisch

Dass die Strafforderung des Staatsanwaltes nicht höher ausfiel und sich letztlich auch das Schöffengericht nach längerer Beratung für eine Bewährungsstrafe aussprach, lag am guten Eindruck, den der Angeklagte im Prozess hinterlassen hatte. Statt alles zu leugnen und es auf einen vermutlich längeren Prozess mit zahlreichen Zeugen ankommen zu lassen, hatte der 24-Jährige vor Gericht reinen Tisch gemacht. Er bedauere seine Taten zutiefst und wolle sein Leben endlich in den Griff bekommen, gab der 24-Jährige glaubhaft zu Protokoll. Er sei durch die damalige Trennung von seiner Freundin und den Abbruch seiner Ausbildung an falsche Freunde geraten.

Dieses Geständnis honorierte letztlich auch das Schöffengericht – und das, obwohl der gebürtige Burgwedeler schon einige Male wegen kleinerer Drogendelikte aktenkundig geworden war. Die Strafe lautete auf zwei Jahre Gefängnis, allerdings auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss der Mann 250 Sozialstunden leisten und bekommt einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt. „Offenbar sind Sie seit eineinhalb Jahren sauber. So jemanden schickt man ungern ins Gefängnis. Wir haben das Gefühl, das ist noch nichts für Sie“, so Richter Siebrecht in seiner Urteilsbegründung. Den frisch Verurteilten entließ er mit einer Warnung: „Enttäuschen Sie uns nicht. Wenn Sie es jetzt nicht kapiert haben, dann kann Ihnen keiner mehr helfen. Dann gehen Sie ins Gefängnis.“

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