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Burgwedel Ehemaliger Maisacker ist nun Biotop für Tagfalter und Heuschrecken
Umland Burgwedel

Burgwedel: Ausgleichsfläche sind Biotop für Tagfalter und Heuschrecken

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10:30 12.09.2019
Mit einem Kescher ausgestattet streift Peter Sprick durch die Wiese und versucht so, die Heuschrecken zu finden. Quelle: Lisa Otto
Großburgwedel

Früher war die Fläche östlich des Springhorstsees und nördlich der L 383 noch ein Maisacker. Jetzt ist sie die Heimat von einer Vielzahl von Insekten. Das hat der Insektenkundler Peter Sprick festgestellt. Im Auftrag der Stadt hat er diese und 15 weitere Flächen ganz genau unter die Lupe genommen. Die Verwaltung wollte von dem Experten wissen, wie sich die ehemaligen Ackerflächen mit der Zeit entwickeln. Das Besondere an der Wiese neben dem Springhorstsee: Bis auf einen jährlichen Einsatz einer Mähmaschine fasste niemand den ehemaligen Acker in den vergangenen zehn Jahren an. Die Natur hatte freie Bahn.

Ausgleichsflächen müssen begrünt sein

Die Wiese östlich des Springhorstsees ist eine sogenannte Ausgleichsfläche. Immer wenn die Stadt ein Baugebiet ausweist, muss sie an anderer Stelle eine Fläche der Natur zurückgeben. So steht es im Bundesnaturschutzgesetz. Und da baut die Stadt vor. „Unser Vorteil ist es dabei, dass wir bereits im Vorfeld gucken, wo wir eine solche Fläche schaffen können. So sind wir gewappnet, wenn eine gebraucht wird“, erläutert der Burgwedeler Umweltkoordinator Malte Schubert.

Eigentlich muss die Stadt die Ausgleichsflächen begrünen, am Springhorstsee ging sie einen anderen Weg. Lediglich Kopfweiden ließ die Verwaltung pflanzen, um das landschaftliche Bild beizubehalten und den Erhalt der seltenen Bäume zu fördern. „Die stammen aber alle aus der Umgebung“, versichert Schubert. Und auch Sprick zeigt sich von dieser Herangehensweise begeistert: „Es ist eine schöne Sache, und sie hat sich hier mehr als bewährt.“ Denn der Insektenkundler hat insgesamt 85 Pflanzenarten sowie 19 Arten an Tagfaltern und sieben verschiedene Heuschreckenarten auf dem ehemaligen Maisacker gezählt. Von diesem Ergebnis ist auch Schubert überrascht und freut sich, dass sich die Wiese so gut entwickelt hat.

Tagfalter tummeln sich östlich des Springhorstsees

Und das hat Sprick alles entdeckt: Besonders beeindruckt zeigt er sich vor allem von der hohen Anzahl an Schmetterlingen. „19 verschiedene Arten von Tagfaltern sind schon eine große Anzahl. In vielen anderen Gebieten finde ich nur sehr wenige“, betont der Insektenkundler. Und darunter sind nicht nur häufige Schmetterlinge wie zum Beispiel der Zitronenfalter, sondern auch eher seltene Exemplare. So können Spaziergänger in den Sommermonaten mit etwas Glück auch den Kleinen Perlmuttfalter und die Goldene Acht über die Wiese flattern sehen. „Ich habe hier aber auch den Braunen Feuerfalter gesehen. Damit habe ich nicht gerechnet, denn eigentlich bevorzugt er feuchte Gebiete“, sagt Sprick.

Häufig gesehen hat er hingegen das Große Ochsenauge. „An einem Tag habe ich 100 Schmetterlinge dieser Art gezählt. Da es recht windig war und die Falter keinen Wind mögen, haben sie sich im Schutz einer Birke aufgehalten.“ Ein ähnliches Bild zeigte sich bei seinen insgesamt vier Besuchen auch auf der Südseite. „Die offenen Flächen nutzen die Tagfalter eher selten.“

Distel ist wichtig für Tagfalter

Die hohe Anzahl an Tagfaltern erklärt sich Sprick durch die verschiedenen Pflanzen. Doch besonders die Distel und der Rainfarn sind wichtig – nicht nur für die Schmetterlinge. „Sowohl die Distel als auch der Rainfarn haben ein großes Blütenangebot. Von dem Nektar profitieren dann unter anderem auch die Bienen.“ Bevorzugt fliegen die Tagfalter zudem Korbblütler und Habichtskräuter an. „All diese Pflanzen tragen dazu bei, dass es hier so viele verschiedene Tagfalter gibt.“

Neben den für Insekten wichtigen Pflanzen gibt es auf der Ausgleichsfläche aber noch vieles mehr zu finden – auch einige seltene Arten. Dazu zählen unter anderem der Gedreht-Lappige Löwenzahn und eine nicht häufige Kreuzung aus zwei Habichtkrautarten. Überrascht war Sprick von dem Südafrikanischen Kreuzkraut. „Das gibt es erst seit gut 20 Jahren in Deutschland, und eigentlich ist es auch eher an den Autobahnen zu finden.“ Dass das Kraut sich auch hier angesiedelt hat, könne am Boden liegen. „Wir haben hier Boden abgefahren und damit Mulden geschaffen“, erläutert Schubert. „Damit wollten wir eine vielfältige Vegetation fördern.“

Heuschrecken lieben hohe und kurze Gräser

Dies ist der Stadt Burgwedel auch gelungen. Gut zu sehen ist es an den Heuschrecken. Während es die Langfühlerschrecken eher dicht bewachsen mögen, ist für die Kurzfühlerschrecken der abgemähte Zustand ideal. Doch zu sehen sind beide Arten nicht gleich auf Anhieb. Mit einem Kescher ausgestattet läuft Sprick daher durch die Fläche und versucht dabei, die Heuschrecken zu fangen. „Ich habe oft den Nachtigall-Grashüpfer und den Wiesengrashüpfer gesehen. Aber am häufigsten ist mir das Heupferd begegnet.“ Bei anderen Arten war er sich aber nicht immer gleich sicher. „Die Tiere sehen sich sehr ähnlich. Daher ist es nicht immer leicht, sie zu unterscheiden.“

Bei der Untersuchung der Fläche sind ihm noch viele weitere Tiere begegnet. „Ich habe mich aber auf diese beiden Tierarten beschränkt, sonst wäre der Aufwand viel zu groß.“ Neben Käfern, Blattläusen, Spinnen und Wanzen liefen ihm auch größere Tiere über den Weg. „Ich habe zwei Hasen gesichtet und ein Reh mit ihrem Kitz.“ Vögel seien zudem oft auf der Wiese, denn auch sie profitieren von den Pflanzen. „Die Distelsamen sind bei vielen samenfressenden Vögeln beliebt“, weiß Sprick.

Blühstreifen sollen kommen

Doch nicht überall blüht es so schön wie auf der Wiese östlich des Springhorstsees und nördlich der L 383. „Wir haben etwa 160 Hektar Ausgleichsflächen, und alle sind unterschiedlich. An manchen Wiesen tun sich die Pflanzen etwas schwerer als hier“, weiß Schubert. Aus diesem Grund möchte die Stadt an diesen Ausgleichsflächen zusätzlich noch Blühstreifen anlegen. „Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer setzen wir uns daher Ende September zusammen, um dies zu besprechen“, sagt der Umweltkoordinator. Das Vorhaben lobt Sprick: „Es ist immer sinnvoll, einen Teil beim Mähen stehen zu lassen, um die Artenvielfalt und Rückzugsorte der Tiere zu erhalten. Dies ist mit Blühstreifen ja auch gegeben.“

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