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Burgwedel So entstand vor 250 Jahren die heutige Ludwig-Harms-Kirche in Fuhrberg
Umland Burgwedel

Burgwedel: Darum gibt es seit 250 Jahren die Ludwig-Harms-Kirche in Fuhrberg

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17:08 11.08.2019
250 Jahre alt und gut in Schuss: die Fuhrberger Kirche. Quelle: Thomas Oberdorfer
Fuhrberg

Das ist alles andere als ein gewöhnliches Jubiläum: Die Fuhrberger Kirche steht seit nunmehr 250 Jahren an ihrem Platz. Sie war und ist das Zentrum des Dorfes. Dieses Jubiläum soll am Wochenende, 17. und 18. August, mit einem großen Fest gefeiert werden und ist Anlass genug, einen kleinen Blick auf die Geschichte des evangelischen Gotteshauses zu werfen.

Eine Kirche ohne Schnörkel

„Die Kirche ist schlicht, von außen wie von innen“, sagt Pastor Reiner Henne. Recht hat er. Mit Mauern aus rotem Backstein und Fachwerk empfängt das Fuhrberger Gotteshaus seine Besucher. Es gibt keine Schnörkel oder Verzierungen. Und das setzt sich im Inneren fort. Lediglich ein Altarbild und ein Taufbecken schmücken die Kirche. „Aber genau das macht auch die Schönheit dieses Hauses aus“, sagt Henne.

Man merkt sofort, dass der Pastor seine Kirche mag. Das schwingt in jedem seiner Worte mit. Seit 2015 arbeitet er in der Gemeinde. Und hat damit nur einen kurzen Zeitraum der 250-jährigen Geschichte des Hauses miterlebt. Diese begann 1769.

Freut sich auf die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der Fuhrberger Kirche: Pastor Rainer Henne. Quelle: Thomas Oberdorfer

Eine Kirche für 414 Taler

Fuhrberg ist zu der Zeit ein kleines Dorf. Eine Kirche gibt es noch nicht, nur eine kleine Kapelle, erbaut im 14. Jahrhundert. Diese steht nur wenige hundert Meter vom jetzigen Standort der Kirche entfernt in einer kleinen Senke. Und genau in diesem Standort liegt das Problem. In der Senke sammelt sich das Wasser, es ist feucht in dem Haus. Und so reift der Plan, eine neue Kirche auf dem Berg des Meineschen Hofes zu bauen.

1769 ist es dann soweit. Die Königliche Kammer gibt das Holz für den Bau einer neuen Kirche frei. Die damals 42 Fuhrberger Höfe teilen sich die Kosten. Den Rest steuern die anderen Dorfbewohner bei. Unterm Strich kostet der Neubau 414 Taler und 18 Mariengroschen, wie es in einer Urkunde vermerkt ist. Und die Fuhrberger sind sparsam. Materialien aus der alten Kapelle – so sie noch zu verwenden sind – werden im neuen Haus verbaut.

Altar aus der Kapelle kommt in die neue Kirche

Mit dem Altar wird das Herzstück der alten Kapelle auch in der neuen Kirche weiter genutzt. Er ist zu dem Zeitpunkt bereits über 80 Jahre alt. 1687 stiftet Otto Johann Freese, der erste Oberförster von Fuhrberg, ihn der Gemeinde. Auch heute ist der Altar das Herzstück der Kirche.

Am ersten Advent 1769 wird die neue Kirche eingeweiht. Damit hat Fuhrberg nun ein neues Gotteshaus, aber ein lang gehegter Wunsch bleibt auch weiterhin unerfüllt – die Unabhängigkeit von der Muttergemeinde in Großburgwedel.

Unabhängigkeit kommt 1906

Diese kommt erst viel später, mit Beginn des 20. Jahrhunderts. 1906 stellen die Fuhrberg den Antrag, eine selbstständige Gemeinde zu werden. Vorangegangen waren einige Zwistigkeiten mit der Muttergemeinde, wie es in der zum 250 Geburtstag erschienenen Chronik der Kirche vermerkt ist. Zwei Jahre später dann die erlösende Nachricht: Ab dem 1. März 1908 ist Fuhrberg eine eigenständige Gemeinde. Viele Generationen von Fuhrbergern haben für die Eigenständigkeit ihrer Gemeinde gekämpft, nun ist es erreicht.

Die Kirche vor dem Umbau 1966. Das Altarbild befindet sich noch an der rechten Wand. Quelle: privat

Kirche wird zweimal umgebaut

„Diese Selbstständigkeit bekam der Gemeinde gut“, erklärt Henne. Die Besucherzahlen in den Gottesdiensten stiegen, binnen weniger Jahre ist die Kirche zu klein. Ein Anbau muss her. Dieser kommt zwischen 1930 und 1932. Der Turm an der Westseite der Kirche wird hochgezogen, ein Anbau an der Ostseite folgt. 1966 wird dann zum vorerst letzten Mal zur Maurerkelle gegriffen. Die Kirche erhält eine kleine Sakristei. Dafür wird der Altarraum an der Ostseite vergrößert und das Altarbild aus dem 17. Jahrhundert findet dort einen neuen Platz. Die Fuhrberger Kirche erhält ihr heutiges Erscheinungsbild.

Eigenständigkeit droht verloren zu gehen

Jahrhunderte hat es gedauert, bis es der Fuhrberger Kirchengemeinde gelang, sich ihre Eigenständigkeit zu erkämpfen. Und jetzt, zum 250-jährigen Bestehen des Gotteshauses, droht diese vielleicht wieder verloren zu gehen. Denn: Die Gemeinde ist in den vergangenen Jahren kräftig geschrumpft und zählt derzeit nur noch rund 1000 Mitglieder. Zu wenig für eine halbe Pfarrstelle, die Pastor Rainer Henne derzeit für die Fuhrberger Gemeinde inne hat. „Eigentlich wären dafür 1500 Mitglieder notwendig“, sagt der Geistliche. „Wenn ich in zwei Jahren in den Ruhestand gehe, dann ist es nicht sicher, dass die Evangelische Kirche meine Stelle neu besetzen wird“, sagt er. „Und das wäre schon bitter, wenn wir ausgerechnet so kurz nach dem Jubiläum unsere Eigenständigkeit verlieren würden.“

So feiert Fuhrberg das Jubiläum

250 Jahre Kirche im Dorf – so sieht das Programm zum großen Fest am Wochenende, 17. und 18. August, aus. Gefeiert wird auf dem Hof Meine, direkt neben der Kirche.

Sonnabend, 17. August:

14 Uhr: Begrüßung und Aufführung der Grundschüler. 14.30 Uhr: Eine Rallye führt zu vier Stationen in direkter Nähe (KiTa, Kirche, Gemeindehaus und Feuerwehrhaus) und ist auch gut für Familien mit Kindern zu machen. An jedem Punkt gibt es ein paar Aufgaben zu lösen, bei denen man spielerisch etwas über die Geschichte der Kirche lernen kann. 15 Uhr: Kaffee und Kuchen. 16 bis 18 Uhr: Programm der Vereine und Einrichtungen aus dem Ort mit Ponyreiten, Kinderschminken, Hüpfburg, Basteln, Büchereiflohmarkt und vielem mehr. 16.30 Uhr: Zwei Reitvorführungen – Nicole Künzel mit ihrer Pferdegruppe und Richard Hinrichs mit barockem Dressurreiten. 19.30 Uhr: Konzert mit Sidney Ellis und Greg Copeland.

Sonntag, 18. August

11 Uhr: Gottesdienst. Sidney Ellis wird auch dort mitwirken und mehrere Lieder zusammen mit dem Fuhrberger Chor EnCanto singen. Der Gottesdienst hat den Titel „Gott als Baumeister“.

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