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Burgwedel War es ein Wolf? 15 Schnucken tot aufgefunden
Umland Burgwedel War es ein Wolf? 15 Schnucken tot aufgefunden
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20:09 07.03.2019
Tierarzt Heiner Schumann vom Wolfsbüro (von links), Thorsten Brunkhorst von der Landwirtschaftskammer und Biologin Verena Harms vom Wolfsbüro untersuchen eines der getöteten Tiere. Quelle: Antje Bismark
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Engensen

Auf einer Weide im Wald zwischen Engensen und Schillerslage sind in der Nacht zu Donnerstag elf Mutterschafe und zwei junge Böcke gerissen worden, von zwei Lämmern fehlt jede Spur. Fünf weitere Tiere wurden bei dem Angriff verletzt, unklar ist derzeit, ob sie eingeschläfert werden müssen. Friedhelm Stein, Besitzer der Herde von 50 Grauen Gehörnten Heidschnucken, geht von einem Wolfsriss aus. Er hat am Donnerstagabend die übrigen Tiere eingepfercht und den Zaun um den Stall mit Drahtgeflecht und Holzbrettern verstärkt.

Stein war am Donnerstagnachmittag vom Jagdpächter informiert worden, der die Tiere als erster entdeckt hatte. Die Weide grenzt im Wald an einen Reit- sowie einen kombinierten Reit- und Radweg, der parallel zur Kreisstraße verläuft. „Dort halten wir seit Jahren die Schnucken“, sagt Stein, während er über die Weide schaut. Auf der Weide liegen die 13 Kadaver verteilt, die meisten von ihnen auf dem Rücken. Stein hatte die Zucht nach der Aufgabe des Restaurants Zum Alten Posthof um etwa 100 Tiere reduziert.

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Fachleute aus dem Wolfsbüro untersuchen Kadaver

Die Tiere wurden im Laufe des Nachmittags bereits im Auftrag des Wolfsbeauftragten Thomas Behling untersucht. „Ich hatte ihn gleich angerufen, als wir die Tiere gesehen hatten“, sagt Stein. Behling habe daraufhin Vertreter geschickt, die von einigen der getöteten Schnucken eine DNA-Probe zogen, um zweifelsfrei nachweisen zu können, ob es sich tatsächlich um einen Wolfsriss handelt. „Sie haben alle Tiere auch markiert, damit sie zugeordnet werden können“, sagt Stein, während Tierarzt Heiner Schumann und Biologin Verena Harms aus dem Wolfsbüro mit Thorsten Brunkhorst von der Landwirtschaftskammer einen Kadaver untersuchen.

Elf Mutterschafe, zwei Böcke und zwei Lämmer sind in der Nacht zu Donnerstag auf der Weide im Wald zwischen Engensen und Schillerslage getötet worden. Die Eigentümer verstärken jetzt erneut den Zaun.

Schumann und Harms messen den Abstand der Reißzähne, sie prüfen die Bissstellen und fotografieren die Wunden für die Dokumentation. Aber sie können nach eigenen Worten auf Basis des gegenwärtigen Erkenntnisse keine Aussage darüber tätigen, ob ein Wolf die Tiere gerissen hat oder möglicherweise ein streunender Hund. „Unsere Aufgabe ist nach der Untersuchung vor allem das Gespräch mit dem Tierhalter“, sagt Schumann. Erst vor etwa einem Jahr gab es in Thönse den Verdacht, dass ein Wolf ein Schaf gerissen hätte – eine DNA-Analyse konnte einen Wolfsriss jedoch nicht zweifelsfrei nachweisen.

Für Friedhelm Stein und seine Frau Ursula indes gibt es keinen Zweifel, dass ein Wolf die Tiere getötet hat. „Es war ein furchtbares Bild“, sagt Friedhelm Stein auch Stunden nach der Nachricht noch sichtlich erschüttert. Für diesen Freitag rechnet er damit, weitere Zeit auf der Weide zu verbringen, die bereits von einem 1,40 Meter hohen Zaun umgeben ist. „Aber“, sagt er, „wir können hier nicht Tag und Nacht sein.“

Von Antje Bismark