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Burgwedel Buß- und Erinnerungsgang führt von Hannover nach Bergen-Belsen
Umland Burgwedel Buß- und Erinnerungsgang führt von Hannover nach Bergen-Belsen
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12:06 14.04.2019
Viele Besucher wollen der 20 Ermordeten gedenken. Quelle: Patricia Chadde
Großburgwedel

Eisige zwei Grad Celsius umwehen die Scheune in Großburgwedels Pestalozzistraße 12 am vergangenen Sonnabend. Trotz des unwirtlichen Wetters kommen mehr als 60 Besucher zu dem Treffen, das die Erinnerung an eine Nacht voller Grausamkeiten wach hält. Am 7. April 1945 wurden an diesem Ort 20 Menschen ermordet, die zu den rund 1000 Häftlingen des sogenannten Todesmarsches von hannoverschen KZ-Außenlagern Richtung Bergen-Belsen zählten. Rudolf Gutte von der Bürgerinitiative „Gegen das Vergessen“, wertschätzt die starke Resonanz der Aktion, die in Kooperation mit der Pestalozzi-Stiftung und der katholischen Initiative „Buß- und Erinnerungsgang von Hannover nach Bergen-Belsen“, organisiert wird.

Gruppe ist drei Tage zu Fuß unterwegs

Der eigentliche Erinnerungsgang beginnt schon einen Tag vorher. Das Treffen in Großburgwedel ist nur eine Station auf dem Weg der Gruppe nach Bergen-Belsen. Am Freitagvormittag brechen 17 Personen auf dem Mühlenberg, in Hannovers südwestlicher Ecke, auf. Am Abend erreicht die Gruppe Isernhagen-Süd und übernachtet in der Philippus-Gemeinde. Von dort geht es am Sonnabend weiter zu der Gedenkveranstaltung nach Großburgwedel. Aber auch das ist nur eine Zwischenstation. Über Fuhrberg – mit einem Besuch in der Ludwig-Harms Kirche – und Wietze erreichen die Teilnehmer am Sonntagvormittag Bergen-Belsen. Dort setzt ein Gottesdienst den Schlusspunkt unter den diesjährigen „Buß- und Erinnerungsgang“.

Tafel erinnert an den Todesmarsch

Zurück nach Großburgwedel: Die Scheune, letztes bauliches Relikt des landwirtschaftlichen Gutes und seit 1945 auch Tatort, ist zum Ort des Gedenkens geworden. Eine Tafel schildert die Zusammenhänge des Verbrechens. „Vor 74 Jahren verbrachten hier rund tausend Häftlinge eine furchtbare Nacht“, wie es Claus Fitschen, heutiger Vorstand der Pestalozzi-Stiftung, in seinen Gedenkworten formuliert. „Gut, dass sie da sind, damit wir des Elendszuges gedenken können. Weil sie sich in ihrer großen Not Brot verschaffen wollten, wurden sie von den SS-Wächtern umgebracht“, so Fitschen.

In ihrem Credo gegen das Vergessen sind sich Gutte und Fitschen einig. „Es wurde erkannt, dass unsere gesellschaftliche Zukunft nicht durch Verschweigen und Verdrängen des Geschehenen gewonnen wird, sondern durch einen zeitgeschichtlich ehrlichen Umgang“, sagt Rudolf Gutte. Und weiter: „Konstruktive Erinnerungsprozesse und ein örtliches Erinnerungsvorhaben sind die zukunftsweisenden Ergebnisse, die seit 2011 ihren Ausdruck darin finden, dass alle Mitglieder des Großburgwedeler Ortsrates einen beispielhaften Lernort der Geschichte geschaffen haben.“

Eine Blume für den „Busch der Hoffnung“

Der Buß- und Gedenkgang findet in diesem Jahr zum 39. Mal statt. Selbst aus Norwegen reisten Besucher zu der Gedenkveranstaltung an, zu deren traditionellem Abschluss in Großburgwedel jeder eine Blume in den „Busch der Hoffnung“ steckt. „Wir haben uns entschieden, uns zu erinnern“, so Claus Fitschen über die bewusste Handlung, sich der historischen Realität zu stellen und sich mit ihr auseinander zu setzen. Seiner Meinung nach sind die „Aufrechterhaltung des Gedächtnisses und eine gemeinsame europäische Erinnerungsarbeit das starke Mittel gegen den grassierenden Populismus. Schließlich sei Demokratie nicht selbstverständlich, sondern auch lange ersehnt.“

Warum es wichtig ist, sich gegen das Vergessen zu entscheiden. Rudolf Gutte und Claus Fitschen mahnen am Tatort eine Verbrechens, bei dem 20 Häftlingen eine KZ-Marsches ermodert wurden.

Von Patricia Chadde

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