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Burgwedel Kita-Erzieherin krank: Eltern sollen bei ihrem Job eine Bescheinigung vorlegen
Umland Burgwedel

Burgwedel: Keine Erzieher da – Eltern müssen Kinder aus der Krippe Wiesenstraße abholen

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16:24 18.09.2019
Sie sind frustriert: Immer wieder müssen Eltern ihre Kinder vorzeitig aus der städtischen Krippe an der Wiesenstraße abholen. Quelle: Thomas Oberdorfer
Großburgwedel

Sie sitzen vor der Tür. Im wahrsten Sinne des Wortes. Immer wieder müssen Eltern ihre Kinder aus der städtischen Krippe in der Wiesenstraße abholen – und das, obwohl die Betreuungszeit eigentlich noch lange nicht vorüber ist. Die Einrichtung sieht sich an solchen Tagen außerstande, die Mädchen und Jungen weiter zu betreuen. Der Grund: Es fehlt schlicht an qualifiziertem Personal.

Krankmeldungen führen zu Engpässen

In der Krippe werden Kinder im Alter von ein bis drei Jahren betreut, ehe sie in den regulären Kindergarten wechseln. Die gesetzlichen Vorschriften für die Betreuung sind eindeutig: Für je 15 Kinder muss mindestens ein Betreuer anwesend sein. Die Krippe Wiesenstraße verfügt über 25 Plätze. Somit müssen immer zwei ausgebildete Erzieher im Haus sein, damit alle Kinder betreut werden können. Das allerdings kann die Stadt nicht immer gewährleisten. Sie beschäftigt in der Einrichtung auch Sozialassistenten, und die dürfen die Kinder nicht eigenverantwortlich betreuen. Allein in diesem Jahr mussten an weit über 20 Tagen Kinder vorzeitig aus der Krippe abgeholt werden. An einigen Tagen schloss die Einrichtung sogar komplett. Zu den Engpässen kommt es immer dann, wenn sich eine oder mehrere Betreuerinnen krankmelden.

Arbeitgeber verlangt Bescheinigung

Und das hat für einzelne Eltern, deren Kinder in der Krippe betreut werden, mittlerweile ernst zu nehmende Folgen. So wurde in der vergangenen Woche eine Mutter von ihrem Arbeitgeber zum Gespräch gebeten. Die klare Ansage des Chefs: So geht es nicht weiter. „Künftig muss sie eine Bescheinigung der Krippe vorlegen, dass sie ihr Kind abholen musste“, schildert Elternsprecherin Nadine Mundt die Probleme einer Mutter. Und die ist nach Mundts Aussage damit nicht alleine. Auch andere Mütter und Väter müssen sich inzwischen für die häufigen Fehlzeiten im Job rechtfertigen.

Und es kommt ein weiteres Problem hinzu: Die Eltern erfahren oft nur sehr kurzfristig, dass ihre Kinder nicht mehr weiter betreut werden können. „Dann etwas zu organisieren, dass ist so gut wie unmöglich“, sagt Lilia Zimmermann. Und sie nennt Beispiele: „Es ist schon mehrfach vorgekommen, dass ich um 11,30 Uhr einen Anruf bekam und meine Tochter Melina bis spätestens 12 Uhr abholen musste. Wie soll das gehen, wenn man berufstätig ist?“

„Uns fehlen schlicht Erzieher“

„Das ist eine äußerst unglücklich Situation“, räumt Christiane Concilio ein. Sie ist Erste Stadträtin Burgwedels und unter anderem für die Kindertagesstätten zuständig. „Die Probleme treten auf, wenn sich plötzlich jemand krankmeldet. Uns fehlen dann schlicht Erzieher“, sagt sie. „Wir finden einfach keine, der Markt ist leer gefegt. Wir würden sofort zehn Erzieher einstellen, wenn es denn qualifizierte Bewerber gäbe.“ Nach ihren Worten treffen nicht nur die Krippe an der Wiesenstraße diese Probleme. „Wir müssen auch in anderen Einrichtungen Eltern auffordern, ihre Kinder abzuholen.“

„Kommt es in der Krippe zu einem Personalengpass, dann rufen wir zuerst die Eltern an, von denen wir wissen, dass sie vielleicht eine andere Betreuungsmöglichkeit haben“, sagt Concilio. Eine echte Abhilfe scheint kurzfristig nicht möglich zu sein. Langfristig bildet Burgwedel mittlerweile selbst Erzieher aus. Die ersten vier haben im August mit ihrer Ausbildung angefangen.

Eltern fühlen sich alleingelassen

Auch wenn die Eltern um die Probleme auf dem Arbeitsmarkt wissen, sie fühlen sich von der Stadt alleingelassen. „Wenn wir im Rathaus vorsprechen, dann werden wir nur vertröstet. Es heißt dann, wir melden uns, und nichts passiert“, berichtet Mundt. „Auf manch versprochenen Rückruf warten wir noch heute.“ Erst einmal, so Zimmermann, sei aus einer anderen Kita eine Erzieherin als Vertretung in die Wiesenstraße gekommen.

Aber auch die Jungen und Mädchen leiden unter der Situation. So zum Beispiel am Rosenmontag. Die Eltern bringen ihre Kinder kostümiert und geschminkt in die Einrichtung, um dann dort zu erfahren, dass sich eine Erzieherin krankgemeldet hat. Statt mit ihren Freunden Fasching zu feiern, müssen einige Kinder die Krippe wieder verlassen.

Kita-Team leistet gute Arbeit

Eines ist den Eltern bei aller Kritik aber wichtig: Mit dem Betreuerteam der Krippe sind sie mehr als zufrieden. „Die engagieren sich, machen einen tollen Job“, sagt Mundt. „An denen liegt es nicht.“

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