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Burgwedel Nabu-Kinder gehen mit Waldolix auf Spurensuche
Umland Burgwedel Nabu-Kinder gehen mit Waldolix auf Spurensuche
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00:16 31.01.2019
Waldpädagogin Claudia Mithöfer zeigt den Kindern ein Dachsfell.
Waldpädagogin Claudia Mithöfer zeigt den Kindern ein Dachsfell. Quelle: Patricia Chadde
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Fuhrberg

Bettina Kamieth vom Naturschutzbund Burgwedel-Isernhagen (Nabu) freute sich schon, denn gleich das erste Treffen der Naturschutzjugend im neuen Jahr bot ein außergewöhnliches Erlebnis: Bei Frost und nach leichtem Schneefall traf sich die Gruppe im Sprillgehege südlich von Fuhrberg. „Spuren suchen und Fährten lesen“ lautete der Plan, der sich unter Anleitung von Waldpädagogin Claudia Mithöfer zu einer interessanten Tour entwickelte.

Wildkot heißt bei Jägern Losung

„Welche Spuren hinterlassen die wild lebenden Tiere?“, fragt Mithöfer in die Runde der aufgeweckten Kinder. „Kacke“, lautet eine der richtigen Antworten. „In der Jägersprache wird das Losung genannt, “ erläutert die Waldpädagogin, die dem nur auf den ersten Blick unscheinbaren Wald zahlreiche Geheimnisse entlockt. „Wir bleiben immer in Sichtweite“, schärft sie den Kindern noch ein, bevor es wenige Meter neben dem Waldweg am Wanderparkplatz auf Entdeckungsreise geht – natürlich mit Sondergenehmigung der Niedersächsischen Landesforsten.

Waldolix nennt sich Waldpädagogin Claudia Mithöfer und lenkt den Blick auf scheinbar Unscheinbares. Das hat jetzt wieder Kinder begeistert.

Wer genau hinschaut, kann auch Pilze entdecken. „Haben sie Fraßspuren?“, fragt Claudia Mithöfer ihre jungen Begleiter. Auch an den Zapfen von Kiefern und Fichten lässt sich erkennen, ob sie schon einem Wildtier als Futter gedient haben. Ein paar Beispiele hat die Fuhrbergerin gleich mal mitgebracht: „Der Specht klopft den Zapfen auf, das Eichhörnchen hält den Kiefernzapfen mit seinen Pfoten fest. Und Tannenzapfen muss man pflücken, weil sie sich auf dem Boden leicht in ihre Einzelteile zerlegen“, erläutert sie. Mit anderen Worten: Was auf dem Waldboden liegt und noch nach Zapfen aussieht, stammt gewöhnlich von Kiefer oder Fichte, aber nicht von einer Tanne.

Fuchsbau und Eulen-Gewölle

Wenige Meter weiter hat die zehnjährige Maya an der Seite eines Hügels einen Höhleneingang entdeckt. „Das ist der Bau eines jungen Fuchses“, weiß Claudia Mithöfer zu berichten, die sich im Sprillhege sehr gut auskennt. Ob sich ein Vogel seine Feder selbst herausgezogen hat oder sie aber gewaltsam entfernt wurde, können die jungen Naturschützer ebenfalls in Erfahrung bringen. „Man muss sich das Ende des Federkiels anschauen“, sagt die junge Teilnehmerin Ada. Ist die Spitze nicht mehr rund, sondern wurde abgebissen, dann war eindeutig ein Raubtier am Werk. Ein Haufen Federn in der Nähe macht deutlich, wie nach so einem Kampf um Leben und Tod die Überbleibsel eines Vogels aussehen können.

Auch Eulen und Wanderfalken hinterlassen ihre Spuren im Wald. Sie spucken die unverdaulichen Teile ihrer Beute wieder aus – in Form kleiner Ballen, die „Gewölle“ genannt werden. Wegen der möglichen Gefahr durch Hanta-Viren dürfen die Kinder ausnahmsweise nur gucken und nicht fühlen: Die Gewölle bleiben hinter einer schützenden Glasscheibe.

Rehe wechseln häufig den Ruheplatz

Dank der zarten Schneeschicht auf dem Laub des Sprillgehege-Bodens identifizieren die sieben- bis zehnjährigen Spurensucher bei ihrem Rundgang sogar die Lagerstätte eines Rehs. „Diese Tiere wechseln dauernd ihren Ruheplatz, denn sie haben jede Menge Ungeziefer im Fell. Würden sie sich immer wieder auf die gleiche Stelle legen, hätten sie noch mehr davon“, erläutert „Waldolix“, wie sich die Fuhrbergerin Claudia Mithöfer bei ihren Aktionen nennt.

Wie im Flug vergeht die Stunde im Wald, und am Ende der Tour zeigt Claudia Mithöfer sogar noch Felle von heimischen Wildtieren wie Fuchs und Dachs, die im Sprillgehege zu Hause sind. „Sind die echt?“, fragt ein Kind und findet den Geruch ein bisschen seltsam. „Na klar“, erwidert „Waldolix“. Schließlich ist die ganze Tour echt ein Erlebnis – im Wald ganz dicht am eigenen Zuhause, der doch meist wenig beachtet wird. Justin (10) findet die Tour jedenfalls sehr spannend und nimmt sich als Erinnerung noch ein Stück Birkenrinde mit nach Hause.

Informationen zu Terminen und Aktionen des Naturschutzbundes finden sich auf www.nabu-burgwedel.de.

Von Patricia Chadde