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Burgwedel 1200 Euro Geldstrafe für Drängeln und Schimpfen
Umland Burgwedel 1200 Euro Geldstrafe für Drängeln und Schimpfen
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12:39 25.07.2018
Drängler auf der Autobahn 7 Quelle: Symbolbild (dpa)
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Großburgwedel

Ist der 32-Jährige ein Verkehrsrüpel, der sich mit der Lichthupe freie Bahn verschafft und eine Autofahrerin ausgebremst hat, um ihr einen Denkzettel zu verpassen? Oder ist er, so seine eigene Version, Opfer eines Fahrfehlers der Großburgwedelerin geworden? Auf ein Urteil hat es der 32-Jährige nach der Zeugenvernehmung vor dem Amtsgericht Burgwedel nicht ankommen lassen und seinen Einspruch gegen einen Strafbefehl zurückgezogen. Die von der Staatsanwaltschaft gegen ihn verhängte Strafe von 1200 Euro muss er jetzt bezahlen.

Aber zurück zum Anfang: Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann aus Hildesheim Nötigung vor. Auf der Autobahn 7 sei er am 15. Dezember 2017 morgens um 8.30 Uhr mit Lichthupe dicht auf das vor ihm fahrende Auto aufgefahren und habe dessen Fahrerin nach dem erzwungenen Wechsel auf die Mittelspur dort wiederholt durch abruptes Bremsen gezwungen, von 120 auf rund 60 Kilometer pro Stunde abzubremsen. Auf der Autobahnabfahrt in Großburgwedel – gegenüber Ikea – sei er dann vor der roten Ampel laut schimpfend und Vogel zeigend auf das Auto der Frau, die hinter ihm auf Grün wartete, zugelaufen und habe mit der Hand mehrfach gegen das Fenster geschlagen.

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Die Frau aus Großburgwedel zeigte den Vorfall an, auf ihrer Schilderung basierte der Strafbefehl. Vor Gericht schilderte sie als Zeugin, wie der 32-Jährige nach dem Überholvorgang mit seinem VW auf gleicher Höhe wild gestikulierend neben ihr hergefahren sei. „Komisch, eben hatte er es doch so eilig“, habe sie da noch gedacht. Sehr gefährlich sei es gewesen, als der VW anschließend so eng vor ihrem Wagen eingeschert sei, dass sie dessen Rücklichter nicht mehr gesehen habe. Es habe einen Moment gedauert, „bis ich gemerkt habe, dass er das mit Absicht macht“, sagte die Zeugin aus. Vor der Ampel in Großburgwedel habe sie sich nicht getraut, das Fenster herunterzukurbeln. „Der sah so zornig und böse aus. Ich hatte panische Angst.“ Anzeige habe sie erstattet, „weil ich gedacht habe: Dass man auf der Straße Angst haben muss, darf nicht geduldet werden.“

Nach Darstellung des Beschuldigten, der als Berufspendler nach eigener Aussage 35.000 Kilometer jährlich hinter dem Lenkrad sitzt, soll es sich umgekehrt verhalten haben: Nur durch eine Notbremsung habe er eine Kollision mit dem Wagen der Großburgwedelerin verhindern können, die von der ganz rechten Fahrspur ganz abrupt auf die linke direkt vor ihm eingeschert sei. Vorausschauend habe er die Lichthupe benutzt, denn in der Fahrschule habe er gelernt, dass sie bei Bedarf als Warnsignal einzusetzen sei. „Nur mit aller Kraft habe ich es geschafft, nicht aufzufahren.“ Die Autos hinter ihm hätten schon ihre Warnblinkanlagen aktiviert gehabt. Laut der Schilderung des 32-Jährigen spielte sich auch die Szene vor der Ampel anders ab: „Ich hatte erwartet, dass sie sich entschuldigen will.“ Keine Schläge gegen die Scheibe, lediglich auf den Außenspiegel habe er gezeigt. Dort hätte die Frau die brenzlige Situation kommen sehen – und vermeiden - können.

Amtsrichter Michael Siebrecht überzeugte das erkennbar nicht. Als der Verteidiger des 32-Jährigen „unter Zurückhaltung von Bedenken“ den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzog, nannte Siebrecht das „die richtige Entscheidung“. Er ließ durchblicken, dass bei einem Urteil wahrscheinlich zusätzlich zu den 1200 Euro drei Monate Fahrverbot fällig gewesen wären.

Von Martin Lauber