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Burgwedel Spaziergang statt Umzug: Rote Ampel bremst Engenser Schützen aus
Umland Burgwedel

Burgwedel: Rote Ampel stoppt Engenser Schützenumzug

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17:25 28.07.2019
Vorbildlich: Die Schützen stoppen bei ihrem Spaziergang an der roten Fußgängerampel – mit Musik natürlich. Quelle: Thomas Oberdorfer
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Engensen

An diesen Schützenumzug – pardon Spaziergang – werden sich die Engenser noch lange erinnern: Statt über abgesperrte Straßen marschierten die Schützen am Wochenende vorbei an neugierig dreinschauenden Pferden auf einem Feldweg und dann weiter auf Bürgersteigen entlang der Straßen. Höhepunkt war schließlich die Überquerung der Hauptstraße des Ortes. Die passierten die Schützen samt Musikzügen an der Fußgängerampel. Natürlich nur, wenn zuvor die Lichtzeichenanlage Grün anzeigte. Aus formalen Gründen hatte die Region Hannover den Festumzügen am Sonnabend und Sonntag die Genehmigung verweigert.

Schützen marschieren auf dem Bürgersteig. Quelle: Thomas Oberdorfer

Antrag geht zu spät bei der Region ein

Die Engenser Schützen räumen ein, dass sich bei der Antragstellung für den Festumzug ein Fehler eingeschlichen hatte. „Wir haben das Formular an eine falsche Nummer innerhalb der Region gefaxt“, erklärte Holger Laue, zweiter Vorsitzender im Verein. So landete der Antrag dann verspätet auf dem Schreibtisch des zuständigen Sachbearbeiters. Deshalb – so Laue – verweigerte die Region ihre Zustimmung.

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Stadtspitze versucht, Schützen zu helfen

Da halfen dann auch keine Unterstützungsversuche der Burgwedeler Stadtspitze oder des CDU-Landtagsabgeordneten Rainer Fredermann. „Es ist toll, wie sich in den vergangenen Tagen noch Bürgermeister Axel Düker, die Stadträtinnen Christiane Concilio und Andrea Stroker sowie Rainer Fredermann für uns eingesetzt haben“, sagte Schützenchef Karsten Müller. „Aber leider ohne Erfolg.“

Richtig sauer über die Entscheidung der Region war übrigens Ortsbürgermeister Friedhelm Stein. „Da wollen wir das Brauchtum in Engensen hochhalten, und dann so etwas. Das ist ja schon fast eine Verwaltungsdiktatur“, schimpfte er.

Hoch sollen sie leben: Die Engenser Schützen lassen ihre Majestäten Olav Lahmann und Lily Marie Lahmann hochleben. Quelle: Thomas Oberdorfer

Die Schützen ließen sich durch den Zwist mit der Region aber nicht das Feiern vermiesen. Von Freitag bis Sonntag waren sie auf den Beinen. Und es gab einiges zu feiern: allen voran den neuen Burgwedeler Stadtkönig. Denn der kommt mit Olav Lahmann erstmals seit 1996 wieder aus Engensen. Damals hatte der inzwischen verstorbene Wolfgang Chorus gewonnen. Die Schützenkönige der Burgwedeler Ortschaften schießen alljährlich um die begehrte Scheibe des Stadtkönigs.

Die Könige und die Scheibenannagler: Cord Kausche (von links), Olav Lahmann, Lily Marie Lahmann und Henning Wiekenberg. Quelle: Thomas Oberdorfer

Die Engenser Majestäten

Zudem ehrten die Engenser ihre weiteren Majestäten. Schützenkönig wurde Mike Dytkiewicz. Er holte den Titel bereits zum vierten Mal und schießt im kommenden Jahr um die Scheibe des Stadtkönigs. „Den Titel hätte ich schon gern, da muss ich mir jetzt wohl ein paar Tipps bei Olav holen“, erklärte er beim Aufhängen seiner Scheibe. Neuer Seniorenkönig wurde Bernd Hartwig, neue Jugendkönigin ist Lahmanns Tochter Lily Marie. Die Scheibe des Volkskönigs hängt am Haus von Andreas Brakhage, der neue Kinderkönig ist Durentin Zeka. Eine besondere Leistung vollbrachte Phoebe Behre: Sie ist die neue Burgwedeler Stadtjugendkönigin.

Schützen bekommen wohl Bußgeldbescheid

Zurück zum Zug der Schützen durch den Ort: Um eine Strafe werden sie wohl nicht herumkommen. Da hilft es auch nicht, dass sie ihren Festumzug zwischenzeitlich als Spaziergang umdeklariert hatten. „Auch ein gemeinsamer Spaziergang unterliegt dem Versammlungsrecht und benötigt eine Genehmigung“, erklärte Antje Heilmann, Sprecherin der Polizeidirektion Hannover. Deshalb werden die Verantwortlichen des Schützenvereins in den nächsten Tagen wohl ein offizielles Schreiben erhalten. Der Inhalt dürfte ein Bußgeldbescheid über 40 Euro sein.

Von Thomas Oberdorfer