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Burgwedel Schuldnerberatung zählt jährlich rund 200 Fälle
Umland Burgwedel

Burgwedel: Schuldnerberatung zählt jährlich rund 200 Fälle

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00:20 10.05.2019
Eine Null-Prozent-Finanzierung ist bequem. Sie kann aber auch Einstieg in eine Schuldenspirale sein. Quelle: Symbolbild (Franziska Gabbert/dpa)
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Großburgwedel

Es ist selten das bewusste Leben über die eigenen Verhältnisse hinaus: Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung oder das Scheitern der beruflichen Selbstständigkeit – es gibt viele Gründe, die Menschen in eine Überschuldung treiben. Mit der Schuldnerberatungsstelle der Caritas in Großburgwedel finden Betroffene eine kostenlose Anlaufstelle – und mit Johannes Fröstel und Anna Lena Meschede zwei Experten, die nicht nur auf die Zahlen schauen.

So ist die Schuldnerberatungsstelle zu erreichen

Die Schuldnerberatungsstelle der Caritas ist zuständig für Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark und hat ihren Sitz in Großburgwedel, Mennegarten 2. Die Beratungsstelle ist montags bis donnerstags von 10 bis 15 Uhr erreichbar unter Telefon (05139) 805790 sowie per E-Mail an schuldnerberatung-burgwedel@caritas-hannover.de. Die Beratung erfolgt kostenlos und nach vorheriger Terminvereinbarung.

Grund für die Schulden wird gesucht

„Wir sind eine soziale Schuldnerberatungsstelle“, betont Meschede. „Unser Blick geht nicht nur auf die Schulden.“ Aus Erfahrung weiß sie, dass den Wenigsten geholfen sei, wenn man nur ihren Schuldenberg analysiere. „Es gibt oft ein Problem, dass der Grund für die Schulden ist, und auch das nehmen wir uns vor“, so Meschede. Einem Spielsüchtigen beispielsweise müsse erst einmal eine Therapie vermittelt werden, bevor man sich um seine Schulden kümmern könne – „sonst hat das perspektivisch keine Aussicht auf Erfolg.“ Daher ist das Team eng vernetzt mit Lebens- und Suchtberatungsstellen im Umkreis.

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Die Fallzahlen halten sich seit Jahren auf dem gleichen Niveau: 186 Beratungen verzeichnete das Team mit Sitz neben der katholischen St.-Paulus-Kirche in Großburgwedel allein 2018. Hinzu kamen 45 sogenannte Kurzberatungen. „Darin ging es um kleinere Beratungen, in denen wir beispielsweise beim Antrag auf ein Pfändungsschutzkonto geholfen haben“, erläutert Fröstel. So könne man neben der Summe, die durch Pfändungtabellen geregelt wird, auch weitere Beträge wie Kindergeld oder Unterhaltszahlungen davor schützen, vom Konto gepfändet zu werden. „Viele wissen gar nicht, dass das geht“, sagt Fröstel. Auch beim Thema „Schulden erben“ tappten viele in eine Falle, die man leicht umgehen könne.

Schuldner kommen oft erst, wenn es fast zu spät ist

Generell, so wissen die beiden, sei die Hemmschwelle, eine Schuldnerberatungsstelle aufzusuchen, immer noch sehr hoch. „Oft kommen die Betroffenen erst, wenn es fast schon zu spät ist“, sagt Meschede. Briefe, Rechnungen stapelten sich dann schon ungeöffnet daheim, lange Zeit sei das Problem verdrängt worde, bis am Ende doch Hilfe notwendig werde. „Es gibt für jeden eine individuelle Lösung“, ist Meschede überzeugt. Finanzierungspläne oder auch eine Verbraucherinsolvenz seien Möglichkeiten. „Wir verschaffen uns hier einen Überblick und suchen dann gemeinsam mit dem Schuldner nach dem richtigen Weg.“

Den typischen Schuldner gibt es derweil nicht: Alle Altersklassen vom jungen Erwachsenen bis zum Rentner sind in der Statistik vertreten, verteilt auf alle drei Kommunen. „Die Zahl der Rentner steigt aber sukzessive“, sagt Fröstel – ein bundesweiter Trend. Altersarmut sei ein Thema, „und die Scham ist bei dieser Generation noch größer“, so Fröstel.

Generell, so raten die beiden zudem Angehörigen und Freunden von Betroffenen, sollte nie einfach Geld verliehen werden. „Vorab sollte erst einmal ein Konzept für die Schuldenregulierung stehen“, sagt Meschede. Dabei könnte auch Geld von Freunden genutzt werden. Bevor jemand sich Geld leiht oder etwas verleiht, sei es aber wichtig zu prüfen, ob das überhaupt Sinn macht. „Sonst sieht man es oft nicht wieder.“

Beratungen dauern teilweise bis zu einem Jahr

Die Beratungen dauern teils bis zu einem Jahr. „Aber auch wenn der Plan steht, kann man sich jederzeit noch mit Fragen an uns wenden“, so Meschede. Termine könnten innerhalb von zehn Tagen angeboten werden. Wer möchte, kann sich auch vorerst nur per E-Mail oder telefonisch –im Zweifelsfall anonym – an die Schuldnerberatungsstelle wenden. Diese ist zwar der Caritas angegliedert, aber konfessionslos tätig.

Tipps, wie man sich vor einer Überschuldung schützen kann, haben die beiden Experten auch –und sie sind denkbar einfach: „Man sollte seine Einnahmen und Ausgaben immer im Blick haben“, rät Meschede. Und im Zweifelsfall Abstand vom vierten Handyvertrag und Käufen mit Ratenzahlung nehmen. Die Werbung verleite viel zu oft zu Finanzierungsverträgen. „Wenn das Geld nicht reicht, muss man sich die Frage stellen, was wirklich nötig ist.“

Weiterlesen: Diese Recht haben Schuldner

Von Carina Bahl

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