Burgwedel: Von Einkaufen bis Gassi gehen: Kirchengemeinden starten Hilfsaktion
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Burgwedel: Von Einkaufen bis Gassi gehen: Kirchengemeinden starten Hilfsaktion

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08:00 21.03.2020
Luisa (von links), Tim, Anni und Simon haben Beutel für die Einkaufsaktion angefertigt. Quelle: Elsa Scholz
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Großburgwedel

In Zeiten der Corona-Pandemie sind insbesondere Ältere und Kranke auf die Hilfe ihrer Mitmenschen angewiesen. Denn alltägliche Dinge wie das Einkaufen von Lebensmitteln oder das Gassi gehen mit dem Hund birgt für sie ein hohes Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Um dem vorzubeugen, haben die Großburgwedeler Gemeinden das Projekt „St. Petri und St. Paulus helfen“ ins Leben gerufen.

Das Projekt „St. Petri hilft“

Die Idee für die Hilfsaktion stammt ursprünglich von der Wettmarer Pastorin Reni Kruckemeyer-Zettel, erklärt St.-Petri-Diakonin Elke Seidlitz. Die gefiel den Großburgwedeler Gemeinden aber so gut, dass sie sie gleich übernommen haben. St. Marcus in Wettmar hat inzwischen ein ähnliches Projekt gestartet.

Zu den angebotenen Hilfsleistungen zählen neben dem Einkaufen im Supermarkt oder der Apotheke auch Telefonseelsorge oder das Gassi gehen mit den Haustieren. Freiwillige und Hilfsbedürftige können sich telefonisch unter (0151) 55327443 an die Gemeinden wenden.

Schüler und Studenten bieten Hilfe an

Am Mittwoch startete das Projekt, bis Freitag haben sich bereits sechs Helfer sowie zwölf Hilfesuchende gemeldet. Helfen wollen vor allem Schüler und Studenten, berichtet Pastor Jens Blume.

Zu den Unterstützern der ersten Stunde zählen Luisa, Simon, Anni und Tim. Sie hatten der Gemeinde ihre Hilfe teils schon angeboten, bevor diese das Projekt überhaupt gestartet hatte. „Wir haben gerade Semesterferien oder eben eine Pause vom Schulunterricht und wollen denen unter die Arme greifen, die keine Unterstützung von ihrer Familie bekommen können“, erklärt Tim. „Wir haben doch derzeit nichts anderes zu tun und helfen gerne.“

So funktioniert das Hilfsprojekt

Und so funktioniert das Hilfsprojekt: Menschen die sich Hilfe wünschen, erhalten von der Gemeinde eine Checkliste. „Auf der sind alle wichtigen Details vermerkt, die erfüllt sein müssen, damit die Freiwilligen helfen können“, erläutert Blume. Dazu gehört beispielsweise das Erstellen einer Einkaufsliste.

Diese soll dann, zusammen mit einem Einkaufsbeutel, gut sichtbar vor der Haustür platziert werden. Die Freiwilligen holen sich Liste und Beutel und kaufen im Supermarkt ein. Im Anschluss kommen sie mit den Einkäufen zurück. Alles gut im Beutel verpackt, klingeln sie an der Tür und verlassen das Grundstück. So soll persönlicher Kontakt möglichst vermieden werden. „Das schützt Hilfsbedürftige und Helfer vor einer Ansteckung mit dem Virus“, sagt Blume.

Gemeinde streckt Geld für Einkäufe vor

Für das Bezahlen hat sich die Kirchengemeinde auch etwas Cleveres überlegt: Damit die Helfer und die Hilfsbedürftigen nicht mit Bargeld hantieren müssen, wurde bei Edeka eine Karte hinterlegt, auf der die Einkäufe zunächst gebucht werden. Der Supermarkt schickt später die Rechnung an die Gemeinde, die streckt das Geld vor und sendet ihrerseits eine Rechnung an den Hilfsbedürftigen.

Luisa und Simon gehen für altere oder kranke Menschen einkaufen. Quelle: Elsa Scholz

Die Premiere am Freitag läuft problemlos: Luisa, Anni und Simon erledigen den ersten Einkauf. Ein älterer Mann – er gehört zur Corona-Risikogruppe – hatte sich mit Einkaufswünschen an die Gemeinde gewandt. Apfelmus, Konserven, Bananen, Desinfektionsmittel, ein Heringstopf und Aloevera-Creme – seine Einkaufsliste ist nicht allzu lang, und doch freut er sich, als die drei mit den Einkäufen vor seiner Tür stehen. „Schön, dass es Sie gibt.“

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Von Elsa Scholz

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