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Burgwedel Ein Leben nach der Politik: Das macht der frühere Regionspräsident Michael Arndt heute
Umland Burgwedel

Burgwedel: Was wurde aus Regionspräsident Michael Arndt? Porträt des Initiators der Reihe Classic Cinema im Amtshof Großburgwedel

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16:15 29.12.2019
Michael Arndt mit seinem neuesten Hobby: Seit zwei Jahren nimmt der frühere Regionspräsident Gitarrenunterricht. Quelle: Jürgen Zimmer
Großburgwedel

„Ich habe mich kürzlich sehr über den Artikel in der HAZ über die Weihnachtsfeier des Gymnasiums Großburgwedel gefreut“, sagt der Gastgeber zu Beginn des Gesprächs. Er hat Kaffee eingeschenkt und einen Teller mit Weihnachtsgebäck bereitgestellt. „Es geht um die Ballade ,Die Brücke am Tay‘, die die Schüler als Musical aufgeführt hatten“, fährt er fort. „Und genau mit dieser Ballade habe ich in der siebten Klasse einen Rezitationswettbewerb gewonnen, das fiel mir sofort wieder ein.“ Und als wäre das gestern gewesen, rezitiert er die ersten Zeilen der Ballade.

Zwölf Jahre Ehrenamt beim Verband Deutscher Naturparke

Seit Oktober 2006 ist Michael Arndt im Ruhestand. Wenige Tage später feiert der erste Präsident der Region Hannover seinen 65. Geburtstag. Die Frage „Hängematte oder Nichtstun“ stellt sich ihm erst gar nicht. Fast gleichzeitig mit seinem Ausscheiden aus dem Behördendienst wird er Präsident des Verbandes Deutscher Naturparke. Erhalt der biologischen Vielfalt, nachhaltiger Tourismus und Regionalentwicklung sind dessen Ziele. „Als Präsident war ich kreuz und quer durch Deutschland viel unterwegs“, erzählt Arndt, der in seiner Funktion in erster Linie Lobbyarbeit in den Ländern und Kommunen der heute 115 Naturparks, davon 14 in Niedersachsen, zu leisten hatte. Im vergangenen Jahr gab Arndt sein Ehrenamt auf. Die Entwicklung der Naturparks beobachtet er aber weiterhin mit Interesse.

„Der Erste seiner Art“: So berichtete die HAZ am 1. November 2006 über den Abschied von Regionspräsident Michael Arndt. Quelle: HAZ-Archiv

25 Jahre beim Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge

Parallel war Arndt seit 1992 Vorsitzender beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für den Kreisverband Region Hannover. Auch da gab es viel zu tun, denn die Mitgliederzahl war rückläufig, das Durchschnittsalter stieg. Um die Jugend zu gewinnen, war Überzeugungsarbeit an den Schulen zu leisten. „Wir mussten vermitteln, dass der Volksbund heute für Völkerverständigung und Friedensarbeit steht und keine Heldenverehrung betreibt.“ 25 Jahre, bis 2017, hatte Arndt dieses Ehrenamt inne.

Enkelkinder, Gitarre und Golf

Und heute? „Jetzt spiele ich etwas mehr Golf“, lacht Arndt und schenkt Kaffee nach. Dann steht er auf und präsentiert seine neuestes Hobby: die alte Gitarre seines Sohnes. „Die stand noch immer hier rum und lachte mich an.“ Dann, vor zwei Jahren, packte es ihn. „Ich hatte immer bedauert, nie ein Instrument erlernt zu haben. Das hole ich jetzt nach.“ Und da er bestrebt ist, das, was er macht, auch richtig zu machen, nimmt er Einzelunterricht. Zu einem kleinen Weihnachtslied reicht es immerhin schon. „Das ist im Alter nicht mehr so einfach, aber es macht mir Spaß“, sagt der 78-Jährige.

Spaß und viel Freude machen ihm und seiner Frau Regine auch die fünf Enkelkinder. „Über Weihnachten war unsere Tochter mit ihren Kindern bei uns. Da haben wir uns lange drauf gefreut.“

Erfolgsmodell Classic Cinema

In Burgwedel kennen viele Arndt als Schöpfer von Classic Cinema – der Kinoreihe im Amtshof. „Als Jugendlicher habe ich jede Mark ins Kino getragen, ich war fasziniert von der Leinwand“, bekennt er. Arndts Kinoprojekt hat längst so etwas wie Kultstatus erreicht. Die finanziellen Überschüsse werden über den Ausschuss für Demografie, Soziales und Kultur der Stadt Burgwedel am Jahresende verteilt. Seit der Gründung von Classic Cinema im November 2007 konnten so 23.000 Euro für soziale Zwecke gespendet werden. „Das geht nur, weil wir den Veranstaltungsort Amtshof kostenfrei nutzen können und vor allem dank eines Teams von acht ehrenamtlichen Helfern, die seit Anfang an mit Begeisterung dabei sind“, betont Arndt.

„Ich weiß, was es heißt, ein Flüchtling zu sein“

Michael Arndt wurde an einem geschichtsträchtigen Tag für die Deutschen in Magdeburg geboren, am 9. November. „Ich weiß, was es heißt, ein Flüchtling zu sein. Als wir aus der DDR flohen, hatten wir nichts, absolut nichts. Aber vielen ging es damals so. Die Freiheit war mehr wert als Hab und Gut“, sagt er überzeugt. Die Familie Arndt floh 1953 mit zwei Kindern nach West-Deutschland. Mit dem Zug fuhr sie nach Ost-Berlin und mit der S-Bahn in den Westen der geteilten Stadt, was bis zum Bau der Mauer 1961 noch möglich war, während die „grüne Grenze“ schon zu gut bewacht war.

Ab Flugplatz Tempelhof ging es in die Freiheit, zunächst nach Bocholt, wo der Vater Arbeit fand, dann nach Braunschweig. Dort machte Arndt sein Abitur und lernte seine spätere Frau Regine kennen, die er 1968 heiratete. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied der SPD. „Ich bin also gleich lang mit meiner Frau und der SPD verheiratet“, schmunzelt er. Arndt studierte Rechtswissenschaften in Göttingen und Freiburg, promovierte und wurde 1972 Dezernent in Lüneburg. Weitere Stationen waren ab 1975 das Kultusministerium und der Landtag in Hannover, danach der damalige Landkreis Hannover, wo er zunächst als Dezernent und seit 1999 als Landrat tätig war, bevor er 2001 erster Präsident der neu gegründeten Region Hannover wurde.

Seit 1978 in Großburgwedel zu Hause

Seit 1978 hat sich die Familie Arndt Großburgwedel als Wohnort ausgesucht. „Wir haben uns viel in der Region umgesehen, hier hat es uns am besten gefallen, auch weil wir dieses Haus fanden, in dem wir heute noch leben“, sagt er und breitet die Arme aus, um sein privates Reich zu umfassen. Sich engagieren, in die Gemeinde einbringen, in der er und seine Frau leben, ist für beide ein selbstverständliches Anliegen. Regine Arndt hat lange Jahre ein Diskussionsforum der Kirchgemeinde St. Petri in Großburgwedel geleitet. „Das ist leider nach meinem Ausscheiden vor einiger Zeit eingeschlafen“, sagte sie ein wenig traurig.

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Von Jürgen Zimmer

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