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Burgwedel Angeklagter stellt sich die Diagnose Kleptomanie selbst
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Burgwedel Wedemark Angeklagter stellt sich die Diagnose Kleptomanie selbst aus

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18:36 10.01.2020
„Überstrapazieren Sie die Geduld der Justiz nicht“: Mit diesen Worten mahnte Amtsrichter Michael Siebrecht einen notorischen Straftäter. Quelle: dpa
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Bissendorf/Großburgwedel

Seit 1996 lebt er in Deutschland – seitdem folgt Straftat auf Straftat. Nun stand der Weißrusse vor dem Burgwedeler Amtsgericht, nachdem er im Juni in einem Discounter zweimal Entkalker für Kaffeemaschinen im Wert von 7,98 Euro gestohlen hatte. Um sein Verhalten vor Amtsrichter Michael Siebrecht zu erklären, traf der 45-Jährige eine Selbstdiagnose: „Ich bin Kleptomane.“ Dazu legte er eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von seinem Hausarzt wegen psychischer Probleme vor und einen Wikipedia-Eintrag, in dem Kleptomanie beschrieben wird.

Angeklagter begeht Straftaten seit 23 Jahren

Gleichwohl beschränkt sich das Strafregister nicht nur auf Diebstähle: Vor 23 Jahren musste sich der Weißrusse wegen Verstoßes gegen das Ausländergesetz verantworten. Es folgten unter anderem Verurteilungen wegen Hehlerei, Betrugs, gemeinschaftlichen Diebstahls, gefährlicher Körperverletzung, vorsätzlicher Trunkenheit im Straßenverkehr und Fahrens ohne Führerschein. Den jüngsten Diebstahl räumte der 45-Jährige unumwunden ein und betonte, er erkenne sein Problem und suche dafür nun professionelle Hilfe. „Ich habe einen Termin bei einem Psychologen in Hannover, ich hoffe, dass die Therapie hilft“, sagte er und beteuerte, er verpflichte sich, das Gericht und die Staatsanwaltschaft über den Fortgang zu informieren.

„Ihre Biografie zeigt, dass Sie immer wieder stehlen“, sagte die Staatsanwältin. Eine Geldstrafe zeige kaum Wirkung, wohl aber Freiheitsstrafen. Gleichwohl berücksichtige sie, dass der Angeklagte die Tat gestanden habe, sich Hilfe holen wolle und derzeit eine Arbeit habe. „Sie versuchen, Ihr Leben zu festigen, und das möchte ich ungern verbauen.“ Sie plädierte auf eine dreimonatige Freiheitsstrafe mit zwei Jahren Bewährung.

Bewährungshelfer soll bei Therapie unterstützen

Amtsrichter Siebrecht warf dem Weißrussen vor, dass er unmittelbar nach seiner Ankunft in Deutschland straffällig geworden sei: „Damit schüren Sie Ressentiments, verhalten Sie sich einfach korrekt.“ So hinterlasse er keinen guten Eindruck. Siebrecht verurteilte den Hannoveraner indes zu zwei Monaten Freiheitsstrafe, die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Hinzu kommen 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

„Ich sehe keine konkreten Anhaltspunkte für eine Kleptomanie“, sagte Siebrecht abschließend, „da reicht weder ein Ausdruck aus dem Internet noch ein Termin bei einem Psychiater.“ Angesichts seiner Strafen und neuer Taten gehöre er ins Gefängnis, allerdings wolle er würdigen, dass sich der 45-Jährige nun endlich Hilfe hole. Dabei werde er von einem Bewährungshelfer unterstützt. „Wir geben Ihnen noch einmal eine Chance, nutzen Sie diese“, mahnt er eindringlich. „Die Justiz in Deutschland hat viel Geduld, diese sollten Sie nicht überstrapazieren.“ Der Angeklagte nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

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Von Antje Bismark

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