Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Burgwedel Burgwedel rüstet LKW mit Abbiegeassistenten nach
Umland Burgwedel Burgwedel rüstet LKW mit Abbiegeassistenten nach
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 02.02.2019
Da kommt die Kamera hin: Bauhofleiter Martin Riessler erklärt den Einbau des Abbiege-Assistenzsystems.
Da kommt die Kamera hin: Bauhofleiter Martin Riessler erklärt den Einbau des Abbiege-Assistenzsystems. Quelle: Thomas Oberdorfer
Anzeige
Burgwedel

Jetzt geht es plötzlich ganz schnell: In den kommenden Wochen will die Burgwedeler Stadtverwaltung 17 Lastkraftwagen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen mit Abbiege-Assistenzsystemen nachrüsten. Zwei davon gehören zum städtischen Bauhof, 15 sind Einsatzfahrzeuge der Burgwedeler Feuerwehren. Die Umbaukosten belaufen sich auf rund 40.000 Euro. Bürgermeister Axel Düker informierte am Montagabend den Verwaltungsausschuss über die geplante Investition.

Aufgerüttelt haben die Stadtverwaltung augenscheinlich die tragischen Unfälle der vergangenen Wochen in der Region Hannover. In Burgdorf , Lehrte und in Hannover starben nach Abbiegeunfällen zwei Kinder und eine Jugendliche. Die drei Unfälle geschahen zwischen April 2018 und Januar 2019. Isernhagen und Langenhagen planen ebenfalls eine Einführung eines Warnsystemen.

Am weitesten gediehen sind die Burgwedeler Planungen für die Umrüstung der Fahrzeuge des städtischen Bauhofs. Dort werden ein 4,6 Tonnen- und ein 22 Tonnen-Fahrzeug in den nächsten Wochen nachgerüstet. Bauhofleiter Martin Riessler hat in den vergangenen Tagen den Markt sondiert und sich für das System eines hannoverschen Anbieters entschieden. „Wir haben mit der Firma bereits bei anderen Projekten gute Erfahrungen gemacht“, sagt er. 4500 Euro kostet die Nachrüstung der beiden Bauhoffahrzeuge. Ein Lastkraftwagen aus Riesslers Fahrzeugpark wird übrigens nicht umgerüstet. „Die Kehrmaschine lassen wir außen vor. Dort sitzt der Fahrer auf der rechten Seite und hat einen wesentlichen besseren Überblick beim Abbiegen“, erklärt Riessler diese Entscheidung.

Obwohl ebenfalls bereits entschieden, dürfte die Umrüstung der 15 Feuerwehrautos nicht ganz so schnell über die Bühne gehen. Zum einen muss Riessler für die Einsatzfahrzeuge noch das passende System finden, zum anderen muss Stadtbrandmeister Ingo Motl zusammen mit den Mitarbeitern der Verwaltung einen Zeitplan für die Umrüstung aufstellen. „Wir müssen den Brandschutz sicherstellen, da können wir nicht gleich mehrere Fahrzeuge in die Werkstatt schicken“, sagt er und erklärt weiter: „Wir werden die Fahrzeuge jeweils einzeln umrüsten lassen.“ Je Fahrzeug rechnet Riessler mit einem Arbeitstag für den Einbau des Assistenzsystem.

Die Hoffnung vom Bund eine finanzielle Unterstützung für das Projekt zu erhalten, hat sich zerschlagen. Zwar hatte das Verkehrsministerium am 21. Januar ein Sonderprogramm für die Umrüstung mit Abbiege-Assistenzsystemen aufgelegt und den dazugehörigen Topf mit fünf Millionen Euro bestückt, doch „das Geld war bereits nach wenigen Tagen vergeben“, sagt Riessler und berichtet von seinem gescheiterten Versuch eine Förderung für Burgwedel zu beantragen. Ob der Bund noch einmal Geld nachschießt ist unklar. „Das wollen wir aber nicht abwarten, wir müssen jetzt handeln. Es geht um die Sicherheit“, sagt Bürgermeister Axel Düker.

Akustisches Signal warnt den Fahrer

Und so funktioniert das Abbiege-Assistenzsystem, mit dem Burgwedel seine Lastwagen und die Feuerwehrautos nachrüsten will. Herzstück der Anlage ist eine Kamera. Sie wird zumeist am Außenspiegel der LKWs und Feuerwehrfahrzeuge angebracht und erfasst einen Blickwinkel von 115 Grad. „Damit gibt es keinen toten Winkel mehr“, sagt Bauhofleiter Martin Riessler. Dazu wird am Armaturenbrett ein sieben Zoll-Bildschirm installiert. Betätigt der Fahrer jetzt den Blinker, um nach rechts abzubiegen, schaltet sich automatisch der kleine Monitor ein und zeigt das von der Kamera aufgenommen Bild. Zudem ist das System mit Sensoren ausgerüstet. Registrieren diese in dem überwachten Bereich eine Bewegung, schlagen sie Alarm. Auf dem Monitor erscheint dann ein großes gelbes Dreieck. Zudem ertönt ein lautes akustisches Signal, das den Fahrer vor einem möglichen Zusammenstoß warnt. „Dieses zusätzliche Tonsignal ist wichtig“, sagt Riessler und vorgeschrieben, will man beim Bund Zuschüsse beantragen. Doch die wird es wohl vorerst nicht geben, da der entsprechende Fördertopf leer ist.

Von Thomas Oberdorfer