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Burgwedel Digitalisierung in Burgwedels Schulen braucht Nachhilfe
Umland Burgwedel

Digitalisierung in Burgwedels Schulen braucht Nachhilfe

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17:00 23.01.2020
Diskutieren und informieren zur Digitalisierung in Burgwedels Grundschulen: Burgwedels Schulausschuss-Vorsitzender Jochen Rödiger (von links),Gewerkschafterin Anne Killian, Wiebke Dollmann vom Studienseminar Hannover, Nils Thönnessen, Leiter der Grundschule Großburgwedel, und Henrik Massow, Elternvertreter im Burgwedeler Rat. Quelle: Sandra Köhler
Großburgwedel

Der Medienentwicklungsplan für Burgwedel ist im Sommer 2019 beschlossen worden; mit dem Digitalpakt stellen Land und Bund 522 Milionen Euro bereit, um die IT-Infrastruktur an niedersächsischen Schulen bis 2024 zu verbessern. Und doch lud der SPD-Ortsverein Burgwedel im Rahmen seiner Reihe „Burgwedel im Gespräch“ zur Diskussion in die Grundschule Großburgwedel ein. Das Thema: „Tablet & Co in den Klassen 1 bis 4 – wie sinnvoll ist das?“ Eine unnötige Diskussion? Mitnichten. Denn angesichts der Schilderungen von Referenten und Betroffenen wurde klar: Richtig rund läuft es in Burgwedel in Sachen Digitalisierung in der Schule noch nicht.

„Ich habe bisher gedacht, Burgwedel ist bei diesem Thema ein echter Leuchtturm in der Region. Doch heute nehme ich mit, dass da noch ganz viel passieren muss“, fasste Jochen Rödiger, Vorsitzender des SPD-Ortsvereines und des Schulausschusses im Burgwedeler Rat, die intensive Diskussion zusammen. Gut 40 Interessierte waren erschienen – das Gros stellten nicht etwa Eltern, sondern Pädagogen. Und was die aus ihrer medialen Praxis zu erzählen wussten, machte nachdenklich. Eine wichtige Erkenntnis: Nur die Technik bereitzustellen, reicht nicht.

Gut 40 Besucher, darunter zahlreiche Pädagogen, sind zur Diskussion um die Umsetzung der Digitalisierung in Burgwedels Grundschulen gekommen. Quelle: Sandra Köhler

Digitalisierung: Stadt liegt hinter ihrem Zeitplan zurück

Baustellen gibt es an vielen Stellen: Die Kommune liegt bei der Digitalisierung hinter ihrem Zeitplan zurück, Aus- und Fortbildung für Lehrkräfte stecken für ganz Niedersachsen noch in den Anfängen, wie Wiebke Dollmann weiß. Sie ist am Studienseminar Hannover II zuständig für die Ausbildung von Anwärtern für das Lehramt für Grund- Haupt- und Realschulen: „Digitalisierung muss schrittweise geschehen, und da sind wir noch ganz am Anfang. Lehrer können nur einsetzen, was sie selbst beherrschen.“ Zudem sind laut Anne Killian von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bisher weder zusätzlicher Zeitaufwand noch rechtliche Grundlagen für die Pädagogen bisher klar bedacht worden.

Burgwedel plant fünf Stufen zur Digitalisierung

Für den Medienentwicklungsplan hat die Stadt Burgwedel 550.000 Euro, verteilt auf drei Jahre, in den Haushalt eingestellt. Umgesetzt werden soll das Projekt in fünf Stufen. In Stufe eins sollten Schulen mit WLAN ausgestattet, in Stufe zwei die Schulsoftware IServ flächendeckend eingerichtet werden. Diese dient als Netzwerk – sowohl zur internen Kommunikation als auch beispielsweise als Plattform für den digitalen Vertretungsplan. Stufe zwei sollte Ende 2019 abgeschlossen sein. Doch dem ist nicht so. „Das WLAN läuft seit einigen Wochen stabil“, sagte Nils Thönnessen, Schulleiter der Grundschule Großburgwedel: „Aber IServ haben wir noch nicht.“ Stufe drei sieht vor, alle Burgwedeler Lehrer im Laufe des Jahres 2020 mit Tablets auszustatten. „Da kommen Hunderte zusammen“, sagte der Schulausschussvorsitzende.

In Stufe vier sollen alle Klassenräume mit interaktiven/digitalen Whiteboards ausgestattet werden, in Stufe fünf in 2020/2021 mobile Endgeräte folgen. Für die Grundschulen seien Klassensätze mit iPads in Wagen vorgesehen, die die Lehrer dann holen können, wenn sie sie nutzen wollen. Überrascht zeigte sich Rödiger von einer Information aus der Reihe der Zuhörer. Demzufolge seien die Mittel aus dem Digitalpakt, allein für Burgwedel sind dies 1,07 Millionen Euro, in erster Linie dazu zu verwenden, die passende Infrastruktur zu schaffen – nicht zur Anschaffung von Hardware. Das würde die Idee, Mittel des Digitalpaktes hauptsächlich zur Beschaffung eben jener zu verwenden und so die Finanzen der Stadt zu schonen, über den Haufen werfen.

Digitale Kompetenz vermitteln ist das Ziel

Trotz aller Probleme sagt Schulleiter Thönnessen: „Ich setze große Hoffnungen auf die Umsetzung des Medienentwicklungsplanes.“ Denn dann ließen sich mediale Möglichkeiten endlich wieder nutzen. Nicht flächendeckend und nonstop. Aber so, dass Kinder lernten, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen – und vor allem auch, sie kritisch zu hinterfragen. „Die Digitalisierung ist da, daran können wir nicht vorbei“, sagte Henrik Massow, Elternvertreter im Schulausschuss des Rates Burgwedel: „Wischen können unsere Kinder besser als wir, wir müssen ihnen beibringen, kritisch mit den digitalen Inhalten umzugehen."

Fotos machen, angemessen recherchieren, Präsentationen vorbereiten: Das sehen viele der Lehrer als angemessene Techniken – auch schon für Grundschüler. Und diese ließen sich sicher durchaus gut mit den herkömmlichen Lehrmethoden verbinden. „Suchmaschinen wie Blinde Kuh haben wir bereits vor Jahren mit den Kindern gern benutzt“, sagt eine Kollegin Thönnessens: „Doch dann war unser Computerraum weg.“

Burgwedels Schulausschuss-Vorsitzender Jochen Rödiger (von links) eröffnet die Diskussionsveranstaltung zur Digitalisierung mit Gewerkschafterin Anne Killian, Wiebke Dollmann vom Studienseminar Hannover, dem Leiter der Grundschule Großburgwedel Nils Thönnessen und Henrik Massow, Elternvertreter im Burgwedeler Stadtrat. Quelle: Sandra Köhler

Nicht Tablet statt Heft und Buch, individualisiertes Lernen statt Austausch in der Gruppe, sondern Digitalisierung als Ergänzung herkömmlichen Lernens: Dafür spricht sich auch Gewerkschafterin Killian aus. „Ich bin nicht gegen Medien in der Schule, aber so, wie es passend ist.“ Für die Bereitstellung der entsprechenden Möglichkeiten müsse jedenfalls das Land sorgen: „Es darf nicht sein, dass Verlage über das Nutzungsverhalten der Kinder in die Köpfe der Konsumenten gucken können“, mahnte sie mit Blick auf die verlockend erscheinenden Angebote von Firmen, Schulen entsprechend zu sponsern.

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„Wischen können unsere Kinder besser als wir, wir müssen ihnen beibringen, kritisch mit den digitalen Inhalten umzugehen.“ Henrik Massow, Elternvertreter im Schulausschuss des Rates Burgwedel. Quelle: Sandra Köhler
„Ich setze große Hoffnungen auf die Umsetzung des Medienentwicklungsplanes.“ Nils Thönnessen, Leiter der Grundschule Großburgwedel. Quelle: Sandra Köhler
„Digitalisierung muss schrittweise geschehen, und da sind wir noch ganz am Anfang. Lehrer können nur einsetzen, was sie selbst beherrschen.“ Wiebke Dollmann, Seminarleiterin am Studienseminar Hannover und Ausbilderin von Lehrern im Vorbereitungsdienst. Quelle: Sandra Köhler
„Ich dachte bisher, Burgwedel ist in Sachen Digitalisierung ein Leuchtturm in der Region, aber es gibt doch noch viel Arbeit.“ Jochen Rödiger, Schulausschussvorsitzender und Vorsitzender der SPD Burgwedel. Quelle: Sandra Köhler
„Ich bin nicht gegen Medien in der Schule, aber so, wie es passend ist. Es darf nicht sein, dass Verlage über das Nutzungsverhalten der Kinder in die Köpfe der Konsumenten gucken können.“ Anne Kilian, GEW-Schulhauptpersonalrat und Referentin zum Thema Digitalisierung in Schulen. Quelle: Sandra Köhler

Von Sandra Köhler

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