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Burgwedel Kultureller Frühling im Amtshof eingeläutet
Umland Burgwedel Kultureller Frühling im Amtshof eingeläutet
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12:24 17.01.2019
Marina Zettl und ihre Band haben sich dem Swing verschrieben Quelle: Jürgen Zimmer
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Großburgwedel

 Der Süden der Republik versinkt im Schnee, in Burgwedel herrscht seit Tagen Schmuddelwetter und im Amtshof wird der Frühling eingeläutet. Nicht der kalendarische, nicht der meterologische, sondern der kulturelle Frühling. Es ist die mittlerweile 29. Auflage der beliebten städtischen Konzertreihe.

In diesem Jahr machten Marina & The Kats den Auftakt, die sich selbst als die weltweite kleinste Big-Band bezeichnen. So rührt dann die kleine quirlige Bandleaderin das „Beserl“-Becken höchstselbst. Ihr Motto: Swing! Swing! Swing! Vor ausverkauftem Haus am Mittwochabend im Amtshof zu Großburgwedel begann die fünfköpfige Band aus Wien dann auch schwungvoll, passend im Stil der 1940er Jahre gewandet. Ihr nostalgischer Cocktail ließ Finger schnipsen und zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der Besucher.

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Der träge, heiße Swing Sound aus den Kneipen im ländlichen Südosten der USA und im Gegensatz dazu, die Tanzcaféatmosphäre übertrug sich ein ums andere Mal auf den nüchternen, modernen Amtshof. Dazu passt auch die Leidenschaft der Sängerin — das Kaffee trinken, das sie mit dem Lied C-O-F-F-E-E besang. Es „Groovte“, wie man heute sagt, was nichts anderes heißt, als dass die Musik mitreißend war.

Wenn Marina Zettl mit ihrer elysischen Stimme zu einem Scatsoli, eine spezielle Form des Gesangs im US-amerikanischen Gospel und im Jazz, aus der eigenen Kompositionsküche ansetzte, war der Retro-Chic perfekt. Weil Zettl zudem aus ihrem bewegten Gefühlsleben erzählte, kam auch das Sentiment nicht zu kurz. In „Easy does It“ wundert sie sich darüber, dass alle frühmorgens zur Arbeit hetzen, während sie gerade von einem erlebnisreichen Tanzabend heimkommt. Im schelmischen „Bamboozle Boogie“ werden Streiche ausgeheckt und im bluesigen „Miss Jekyll & Mr. Hyde“ zankt sie sich mit ihrem Liebhaber, wobei sowieso feststeht wer Recht hat, die Frau natürlich. Marina & The Kats bei trübem Wetter — das richtige Rezept den Frühling herbeizuswingen.

Kasten: Im September 1990 fand im Alten Haus (Bücherei) das Eröffnungskonzert des stadteigenen Kulturprogramms mit dem Philharmonischen Bläserquintett Berlin statt. Seitdem sind der Kulturelle Frühling- und Herbst feste Bestandteile des kulturellen Angebots in Burgwedel, das seit 2010 im Amtshof stattfindet. Ob das Nomos- Quartett oder Rebekka Bakken, ob Elbtonal Percussion oder das Boogie Trio Jörg Hegemann, ob das London Quartett oder Marina & The Kats — sie und viele andere gehören zum Besten was Deutschland und Europa zu bieten hat. Auch verbale Kostbarkeiten wurden verteilt, zum Beispiel von den Kabarettisten Matthias Deutschmann und Florian Schröder, um nur zwei stellvertretend zu nennen. In den insgesamt 56 Halbjahren fanden etwa 420 Veranstaltungen der Reihe statt. Am Jahresende werden es 10 mehr sein. Bleibt nur zu wünschen, dass die Verantwortlichen in der Verwaltung und im Rat der Stadt nie auf die Idee kommen, an der Kulturschraube zu drehen, wenn die Gelder einmal knapper werden sollten.

Von Jürgen Zimmer