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Burgwedel So war das HAZ-Forum zum bezahlbaren Wohnraum in Burgwedel
Umland Burgwedel So war das HAZ-Forum zum bezahlbaren Wohnraum in Burgwedel
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17:06 26.03.2019
Gut 70 Besucher verfolgen das HAZ-Forum über fehlenden Wohnraum in Burgwedel. Quelle: Hendrik Brandt
Burgwedel

In nur einem Punkt stimmen Verwaltung und Politiker in Burgwedel überein: Die Stadt benötigt neuen Wohnraum, um Menschen in der Kommune halten zu können – oder neue Einwohner zu gewinnen. Nur dann, so Bürgermeister Axel Düker im HAZ-Forum am Montagabend, lässt sich der seit drei Jahren andauernde Bevölkerungsrückgang in der Stadt stoppen. Umstritten indes ist die Frage, wie schnell die Stadt wachsen soll, ob das Wachstum in Großburgwedel oder den Ortsteilen unterschiedlich verlaufen soll und vor allem, wie viel mehrgeschossige Häuser die Stadt benötigt.

Burgwedel braucht neuen Wohnraum. Da waren sich Experten und Leser beim HAZ-Forum im Amtshof einig. Aber welche Wohnungen werden gebraucht? Darüber wurde in der Veranstaltung teils heftig diskutiert.

Bitterkleit-Kutz: Stadt soll moderat wachsen

Denn aus Sicht der CDU-Kommunalpolitikerin Anke Bitterkleit-Kutz verträgt Burgwedel in seiner Gesamtheit nur ein moderates Wachstum. Um ihre These zu untermauern, präsentierte sie einen Apfel – moderat gewachsen an einem Burgwedeler Baum, der nicht mit einer Düngung unter Druck geraten war. So gelungen ihr das Bild erschien: Die gut 70 Zuhörer im Amtshof teilten es nicht. „Aus meiner Sicht hat die Stadt in den vergangenen Jahren vor allem den Wohnungsbau für gut Situierte gefördert und die Menschen mit weniger Einkommen nicht berücksichtigt“, sagte ein Burgwedeler Familienvater und fügte hinzu, das führe zu einem Wachstum auf nur einer Seite mit der Folge, dass der Wohnungsmarkt – also der von Bitterkleit-Kutz bemühte Apfelbaum – irgendwann umzustürzen droht.

Müller wünscht sich Mut für eine größere Idee

Dagegen, betonten sowohl die Ratsfrau als auch Düker, gehe die Stadt nun mit einem Konzept vor. „Wir planen Neubaugebiete in den Ortsteilen“, sagte der Bürgermeister mit Verweis auf eine interfraktionelle Arbeitsgruppe im Rat. Das aber reicht nach Einschätzung von Immobilienmakler Stefan Müller, zudem Vorsitzender der Interessengemeinschaft Großburgwedeler Kaufleute, nicht aus. „Wir müssen unterscheiden zwischen Großburgwedel und den Ortsteilen“, forderte er und wünschte sich mehr Mut für ein größeres Projekt mit 50 bis 100 Wohnungen, beispielsweise auf dem Gelände des Krankenhauses. Denn Müller differenzierte auch zwischen einem gut funktionierenden Markt für Einfamilienhäuser und einem angespannten Markt für Mieter.

Fronia unterstreicht Grundbedürfnis für Wohnraum

Diese Einschätzung teilte auch die vierte Teilnehmerin des Podiums: Imke Fronia vertrat für die Diakonie jene Menschen, die bei der Wohnungssuche hintenan stehen – weil sie zum Beispiel Wohngeld beziehen oder eine Unterstützung vom Jobcenter. Sie berichtete von einer alleinerziehenden Mutter aus Wettmar mit drei Kindern, die von Wohnungslosigkeit in Burgwedel bedroht war, als die beiden ältesten Kinder ausgezogen waren. „Damit war die Wohnung für eine staatliche Förderung zu groß, eine kleine aber gab es auf dem Markt nicht“, sagte Fronia und sprach von einer Angst, die Menschen krank mache. Sie verwahrte sich gegen die Aussage, dass Wohnen ein Konsumgut und ein Trend sei, Wohnen sei vielmehr ein Grundbedürfnis.

Carsten Tesch bestätigte Fronias Erfahrung, als seine betagte Mutter wegen des Abrisses ihres Wohnhauses ausziehen musste, in dem sie mehr als 40 Jahre zur Miete gelebt hatte. „Wir haben in Zeitungen gesucht, mit Menschen gesprochen, aber nichts gefunden“, berichtete er. Erst nachdem die Stadt mit dem Investor verhandelt habe, hätte sich eine Lösung ergeben, die seine Mutter habe finanzieren können. Die erfolglose Suche, betonten Teilnehmer aus dem Publikum, betreffe neben Senioren aber auch junge Fachkräfte: „Die Stadt siedelt in den nächsten Jahren neue Firmen mit gut 1000 Arbeitsplätzen an“, sagte einer von ihnen. „Das ist löblich – aber wo sollen diese Menschen wohnen?“

Düker kann sich Wohnbaufläche für Firmen vorstellen

Eine kurzfristige Lösung, sagte Düker, habe er nicht. Mittelfristig aber könne er sich vorstellen, dass die Stadt in neuen Baugebieten den Firmen einen Bereich gebe, auf dem sie mit einem städtebaulichen Vertrag mehrgeschossige Häuser für Mitarbeiter bauen können. „Das kann den Druck nehmen“, sagte er.

Gut 70 Zuhörer kamen zum HAZ-Forum in den Großburgwedeler Amtshof. Redaktionsleiterin Antje Bismark (rechts) berichtete im Live-Ticker von der Veranstaltung. Quelle: Thomas Oberdorfer

Beim nächsten HAZ-Forum geht es um Europa

Wie geht Europa mit dem Rechtsruck um? Was bedeutet der Brexit für die verbleibenden Mitgliedsstaaten? Und wie kann europäische Politik vor Ort an Profilschärfe gewinnen? Diesen Fragen stellt sich beim nächsten HAZ-Forum Michael Roth. Der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt ist Mitglied des Deutschen Bundestages und diskutiert mit HAZ-Lesern am Montag, 1. April, in der Volkshochschule in Hannover. Direkt im Foyer der VHS an der Burgstraße 13 beginnt die Diskussionsrunde um 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Um eine Anmeldung wird per Mail an hannover@haz.de mit dem Stichwort "Europa-Forum" gebeten. An diese Adresse können HAZ-Leser auch schon jetzt Fragen zu Europa für den Abend einsenden. Im April und Mai folgen weitere HAZ-Foren zu den Bürgermeisterwahlen in Lehrte, Sehnde und Burgdorf.

Die Diskussion im Liveticker zum Nachlesen:

  • 25.03.19 18:48
    An dieser Stelle schließen wir den Liveticker aus Burgwedel - die Redaktion wünscht einen entspannten Abend im hoffentlich heimischen Wohnzimmer.
  • 25.03.19 18:48
    Kreative Prozesse sollten nicht nur an Rat und Verwaltung geschoben werden. Sie könne sich ein Wohnungprojekt wie jenes von Henning Scherf vorstellen, bei dem unterschiedliche Nutzergruppen zusammen wohnen. "Ich kann mir vorstellen, dass uns das gelingt", sagt Fronia - und beendet damit das erste HAZ-Forum in der Region Hannover.
  • 25.03.19 18:47
    Bitterkleit-Kutz will die Attraktivität Burgwedels erhalten - mit moderatem Wachstum auf dem Wohnungsmarkt.
  • 25.03.19 18:46
    "Wie sieht in Burgwedel in fünf Jahren, wenn der Wohnungsbau klappt?", lautet die Frage von Sedelies an Müller. "Wir haben mehrere hundert neue Bewohner", sagt er. Nachverdichtung klappe bei Einfamilienhäusern, das sehe er entspannt. "Lassen Sie uns Mehrfamilienhäuser bauen, das hat auch einen großen ökologischen Wert", sagt und und betont: Es gehe nicht um das Ihme-Zentrum. "Wir kriegen das in hübsch hin", sagt er und erhält Applaus.
  • 25.03.19 18:44
    "Wo wollen Sie denn die Arbeitnehmer alle lassen?", fragt der Zuhörer nach. "Man kann die Wohnraumschaffung nicht vergleichen mit der Ansiedlung von Unternehmen", sagt Düker. Er freue sich über jedes Unternehmen, das sich hier niederlasse. Dank der Gewerbesteuer gebe es die gute Infrastruktur.
  • 25.03.19 18:40
    "Das ist hier die Quadratur des Kreises", sagt Düker und bestätigt die Aussage des Zuhörers. "Wir können nicht auf einen Schlag zaubern." Das hätte die Stadt vor 15 Jahren beginnen müsse: Flächen ankaufen, bauen, wenn Bedarf ist, die nächste Fläche neu entwickeln. Dieses Versäumnis lasse sich heute nicht nachholen.
  • 25.03.19 18:37
    "Wir haben bisher Ihre Meinung gehört, es ist gut, dass wir Zuhörer zu Wort kommen", sagt ein Zuhörer und verweist darauf, dass über 1000 Arbeitnehmer neu in die Stadt kommen sollen. "Sie betreiben auf der einen Seite die wirtschaftliche Entwicklung Großburgwedels, auf der anderen Seite agieren sie im Wohnungsmarkt klein-klein", sagt er. Wenn die Stadt auf der einen Seite eine sensationelle Ansiedlungspolitik betreibe, dann müsse sie auf der anderen Seite auch die Ansiedlung von Menschen ermöglichen. "Sie müssen Wohnungsbau betreiben, wie auch immer!"

  • 25.03.19 18:34
    "Bei vielen Menschen liegt eine Wohnungsnot vor", sagt der Immobilienmakler mit Blick auf den Markt der Mietwohnungen. Sein Vorschlag: Schauen wir in Burgwedel auf Grundstücke, die jetzt oder künftig zu Verfügung stehen. "Seien wir mutig, zum Beispiel auf dem Krankenhausgelände, planen wir dreigeschossig und entlasten die Situation", fordert Müller.

  • 25.03.19 18:33
    Bitterkleit-Kutz sagt, dass es der private Bereich sei - sie sind im Bauausschuss jederzeit willkommen. Dagegen gibt es Protest aus dem Publikum: Wo wohnen die Menschen, die jetzt aus den neu geplanten Häusern ausziehen? "Das ist doch eine klare Frage." Müller hält dagegen: "Auch Immobilienbesitzer haben Rechte, sie benötigen auch Schutz." Nicht jeder Hausbesitzer sei eine Heuschrecke. Gleichwohl könne jede Wohnung gekündigt werden: Jeder müsse dann selbstständig eine Wohnung suchen, und dafür müsse Wohnraum zur Verfügung stehen.
  • 25.03.19 18:30
    Die Frage geht von Carsten Tesch an die Politiker: Diese seien überrascht gewesen, als die Mieter der Wiesenstraße im Bauausschuss aufgetaucht seien. "Was ist mit den Interessen der Bürger, wenn Häuser von einem Bauträger abgerissen werden?" Wer kümmere sich darum?
  • 25.03.19 18:28
    Fronia lobt die Idee des Bürgermeisters: "Menschen können sich Wohnraum mit ihrem Gehalt nicht mehr leisten, deshalb pendeln so viele Menschen." Wenn das ein Projekt werde, dann sei sie dabei.
  • 25.03.19 18:27
    Die Politik habe das Mühlenfeld zurückgestellt - fraktionsübergreifend solle erst einmal geprüft werden, welcher Wohnraum benötigt werde und ob die Infrastruktur dies verkrafte. "Man könnte aber etwas anderes machen unter dem Stichwort Wirtschaftsförderung: Firmen könnten Grundstücke in Baugebieten für Geschosswohnungsbau nutzen und damit ihre Mitarbeiter oder Azubis unterbringen." Damit könnten Fachkräfte gehalten und Wohnraum geschaffen werden.
  • 25.03.19 18:25
    Auch der Forderung nach Bürokratieabbau erteilt Düker eine Absage: "Wer übernimmt die Verantwortung, wenn der Brandschutz nicht stimmt?" Einzige Möglichkeit, Baukosten zu senken, sei die Abstufung der Energieeinsparverordnung.
  • 25.03.19 18:23
    Düker sagt, dass in Wettmar wegen der Trinkwasserförderung keine Ausweisung von Bauland in Naturschutzgebieten möglich ist. "Wir sollten sehen, dass wir Flächen nicht noch weiter zubetonieren", sagt er. Geschützte Tierarten und Pflanzen benötigten den besonderen Schutz, der sei beispielsweise beim Fiege-Neubau gelungen sei.
  • 25.03.19 18:21
    "Wohnraum ist nicht nur Konsumgut, sondern ein lebenswichtiges Gut", sagt ein anderer Zuhörer und fordert Aussagen zu Baugebieten am Mühlenfeld und Hinter den Höfen.
Tickaroo Liveblog Software

Von Antje Bismark und Thomas Oberdorfer

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