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Burgwedel IGS Burgwedel: Die Klassen reißen sich um Fremdsprachenassistent John aus den USA
Umland Burgwedel

IGS Burgwedel: John Hutchinson aus Alabama bringt Schülern Englisch bei

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17:51 14.01.2022
Als englischer Muttersprachler ist John Hutchinson (links) an der IGS Burgwedel für die Schüler ein gefragter Gesprächspartner. Direktor Marco Gerhard Schinze-Gerber und sein Kollegium sprechen mit dem 24-Jährigen dagegen nur Deutsch.
Als englischer Muttersprachler ist John Hutchinson (links) an der IGS Burgwedel für die Schüler ein gefragter Gesprächspartner. Direktor Marco Gerhard Schinze-Gerber und sein Kollegium sprechen mit dem 24-Jährigen dagegen nur Deutsch. Quelle: Martin Lauber
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Großburgwedel

Berührungsangst mit deutscher Volksmusik ist ihm fremd. Das bedeutet aber nicht, dass John Hutchinson, der daheim in den USA in einer Hochschul-Streetband das wuchtige Sousafon bläst, nicht auch auf Beethoven und Bach stünde. Ganz abgesehen davon, dass seine Lieblingsband die Beatles sind. All das und noch viel mehr sind Dinge aus dem Leben des 24-Jährigen aus Birmingham/Alabama, für die sich die Gesamtschüler in Großburgwedel lebhaft interessieren. Baseball und Football sind Johns Ding jedoch nicht.

In seiner Heimat Alabama gehört John Hutchinson mit seinem Sousafon auch noch nach seinem Abschluss im Jahr 2019 zur Blaskapelle seiner Universität. Quelle: privat

Face to face

An der IGS auf der Ramhorst weilt der Amerikaner seit Schuljahresbeginn als Fremdsprachen-assistent. Nach und nach bietet er sich jedem der fast 500 Schüler für Zweiergespräche an – face to face. Natürlich wird dabei Englisch gesprochen. Vielleicht nicht im Oxford-Style, „aber schließlich unterrichten wir ja Kinder und keine Fächer“, sagt Schulleiter Marco Gerhard Schinze-Gerber. Ausgeprägt sei Mister Hutchinsons Akzent allemal nicht.

Der Schuldirektor ist froh, dass gleich die erste Bewerbung seiner IGS um einen englischsprachigen Assistenten vom Kultusministerium positiv beschieden worden ist. Ein so junger Native Speaker, der zudem keine Noten verteilt, werde von den Schülern natürlich ganz anders wahrgenommen als ein Lehrer. „Die Klassen reißen sich um John“, berichtet Schinze-Gerber. Im recht jungen Lehrerkollegium – Durchschnittsalter knapp 35 – ist der freundliche Südstaatler mit Vollbart der Benjamin.

Erster Anlauf scheitert an Corona

John hat an der University of Alabama at Birmingham (UAB) Internationale Beziehungen und Deutsch studiert. Weil ihn Deutschland und dessen Kultur interessierten und auch weil große deutsche Firmen wie Mercedes in seinem Bundesstaat vertreten sind, hatte er das Fach German aber schon an der High School belegt. Um sich nach dem Studium für seinen Traumjob als Hochschulprofessor oder bei einer internationalen Organisation wie der UN zu qualifizieren, war eine Vertiefung der Deutschkenntnisse vor Ort Pflicht.

John posiert vor der US-Flagge vor seinem Haus, am Revers trägt er einen Anstecker der Non-Profit-Organisation „AlabamaGermanPartnership“, die deutsche Firmen und Einwanderer unterstützt. Quelle: privat

Zunächst tat John dies 2019 als Gaststudent an der Leuphana-Universität Lüneburg. Der ganzjährige Aufenthalt als Fremdsprachenassistent an der IGS Burgwedel, ermöglicht durch ein Fulbright-Stipendium, sollte eigentlich gleich im Jahr 2020 folgen. Aber dann kam Corona dazwischen. Ohne Präsenzunterricht hätte dieser Einsatz keinen Sinn gemacht. Seit September 2021 begleitet er nun die Englischlehrer in allen 21 Schulklassen.

Small Talks für das Selbstbewusstsein

Hutchinson zieht sich mit jeweils einem Schüler zurück. Aug’ in Aug’ mit ihm beschreiben die Jungen und Mädchen dann beispielsweise ein Bild. Oder ein lockerer Small Talk gibt dem Amerikaner Gelegenheit, seinem Gegenüber Tipps für die richtige Aussprache zu geben. Für das Selbstbewusstsein der Kinder sei es sehr wichtig zu erleben, dass sie fähig sind, mit einem Ausländer zu sprechen und von diesem auch verstanden zu werden, sagt Hutchinson.

John Hutchinson ist im gesamten Schulgebäude unterwegs. In allen 21 Klassen unterstützt er in diesem Schuljahr die Englischlehrer. Quelle: Martin Lauber

Das deutsch-amerikanische Jahr ist eine klassische Win-Win-Situation, auch für John. Dass er mit den Lehrerkollegen und nach Schulschluss nur Deutsch spricht, habe sein Hörverständnis schon sehr verbessert, berichtet er. Die Sprache seiner Gastgeber geht ihm flüssig über die Lippen. Eine wirklich harte Nuss ist ausgerechnet die Aussprache des deutschen Wortes für Squirrel: „Eisch-hör-chen“, das N vergisst er immer.

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Ein Schloss in Bayern, das muss sein

Seine Wohnung samt kommunikativer Vermieterin in Bothfeld hat die Englisch-Fachbereichsleiterin der IGS, Julia Goldschmidt, dem amerikanischen Gast besorgt. Zur Begrüßung war der Kühlschrank gut gefüllt. Nach Großburgwedel kommt John mit Öffis. Einen Werktag pro Woche hört der 24-Jährige an der Leibniz-Universität Vorlesungen in Politikwissenschaften und Deutsch. Die Landeshauptstadt mit ihren historischen Gebäuden und Museen findet er nach eigener Aussage „entspannend und interessant“. Mit dem Nachtleben habe er es auch in seiner Heimatstadt Birmingham nicht so. Wenn er etwas vermisst, dann schon eher sein Sousafon.

Freundin Sophie hat John Hutchinson über Weihnachten besucht. Das Selfie entstand bei einem Besuch im schönen Quedlinburg. Für den Sommer steht Neuschwanstein auf dem Besichtigungsprogramm. Quelle: privat

Wenn sein Großburgwedeler Schuljahr vorbei ist, will der Amerikaner Deutschland noch für einige Tage gemeinsam mit seiner Freundin Sophie bereisen. Zwei Pflichtpunkte stehen schon fest. „Sie will unbedingt ein Schloss sehen“, verrät John. In Bayern versteht sich, möglichst Neuschwanstein. Er selbst hat sich „ein echtes deutsches Fußballspiel“ verordnet. Nicht zwingend mit dem Club aus der bayerischen Landeshauptstadt, auch Hannover 96 dürfe es durchaus sein.

Von Martin Lauber