Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Burgwedel An roter Ampel fallen ausländerfeindliche Beleidigungen: 32-Jährige verurteilt
Umland Burgwedel An roter Ampel fallen ausländerfeindliche Beleidigungen: 32-Jährige verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 11.04.2019
Für das Amtsgericht gab es am Ende keine Zweifel an der Schuld der Angeklagten. Quelle: Symbolbild (Frank May/dpa)
Altwarmbüchen

Weil sie bei einem kurzen Ampelstopp in Altwarmbüchen ein Ehepaar im Auto neben sich aufs Übelste beleidigt hatte, muss eine Imbissverkäuferin aus Hannover nun eine Geldstrafe in Höhe eines Monatsgehalts bezahlen. Das Amtsgericht Burgwedel verurteilte die Frau zu 30 Tagessätzen à 20 Euro.

Angeklagt wegen ausländerfeindlicher Beleidigung

„Scheiß Ausländer, Euch müsste man alle vergasen!“: Unter anderem mit diesen Worten soll die heute 32-Jährige das Ehepaar im Juni 2018 an der A2-Abfahrt in Altwarmbüchen attackiert haben. „Ich war total geschockt. Das hat mich richtig getroffen“, sagte der beleidigte Mann, der selbst jüdische Wurzeln hat, vor dem Amtsgericht Burgwedel als Zeuge aus. „Das ist ein absolutes No-Go“, meinte die Staatsanwältin. Und auch Amtsrichter Michael Siebrecht sagte in seiner Urteilsbegründung, dass er solch eine Beleidigung in seinem Gerichtssaal noch nicht zu hören bekommen habe.

Nach Schilderung des Autofahrers und seiner Ehefrau hatte die 32-Jährige in ihrem Mercedes an der roten Ampel nahe dem Höffner-Möbelmarkt neben dem Skoda des Paares gehalten und dann die Beleidigungen ausgestoßen. Außer dem Satz mit dem Vergasen sollen auch Schimpfwörter wie „Schlampe“ und „Fotze“ gefallen sein. Zudem habe die Mercedes-Fahrerin rund 30 Sekunden lang den Mittelfinger gezeigt und eine Plastikflasche auf den Skoda geworfen. Als der Skoda-Fahrer ausstieg, um nach Schäden durch den Flaschenwurf zu suchen, und die 32-Jährige aufforderte zu warten, fuhr diese davon.

Angeklagte stellt sich als Opfer dar

Die Angeklagte gab vor Gericht eine ganz andere Sicht der Dinge zum Besten. Nicht sie habe beleidigt, sondern das Ehepaar – sie selbst sei das Opfer gewesen und nicht die Täterin. Unter anderem soll der Skoda-Fahrer eine Handbewegung gemacht habe, die sie selbst als Aufforderung habe deuten müssen, ihn oral zu befriedigen, schilderte sie unter Tränen. Eine Beleidigung wie der Satz mit dem Vergasen würde ihr nie in den Sinn kommen, beteuerte die Angeklagte – „meine Familie sind selbst Sinti und Roma“. Lediglich den Flaschenwurf – „ich war so fassungslos“ – räumte sie ein.

Ihr Strafverteidiger versuchte ein ums andere Mal, Abweichungen zwischen den Zeugenaussagen der beiden Eheleute bei der Polizei und vor Gericht herauszuarbeiten und so Zweifel an deren Schilderungen zu wecken. Anders als die Angeklagte hatten diese nach dem Vorfall an jenem Sonntagnachmittag im Juni 2018 nämlich direkt eine Polizeidienststelle aufgesucht und den Vorfall zur Anzeige gebracht.

Gericht verurteilt Frau zu Geldstrafe

Doch diese Taktik des Verteidigers, der auf einen Freispruch plädierte, hinterließ bei Richter Siebrecht nicht den gewünschten Effekt. Er folgte der Sichtweise der Staatsanwältin und verurteilte die 32-jährige zu einer Geldstrafe. Den Tagessatz legte er auf nur 20 Euro fest, weil die Mercedes-Fahrerin angeblich von nur 600 bis 700 Euro im Monat lebt.

Aus Sicht des Richters waren die Aussagen der Zeugen glaubwürdig, was das Kerngeschehen angeht. Dass sich bei der Schilderung des Randgeschehens Erinnerungslücken auftäten, sei Monate nach einem solchen Vorfall völlig normal. Für eine Falschaussage aber hätten die Zeugen, die damals sofort zur Polizei gefahren seien, gar keinen Anlass gehabt, war Siebrecht überzeugt. „Die Beiden kannten Sie vorher gar nicht.“ Statt als Angeklagte einfach zu schweigen, sei die 32-Jährige zum Gegenangriff übergegangen und habe sich selbst als Opfer dargestellt. „Sie wollten den Spieß umdrehen, aber die Rechnung ist nicht aufgegangen.“

Letztlich hatte der Richter seine eigene Erklärung, was die Welle an Beleidigungen an der roten Ampel ausgelöst hatte. Er bezog sich dabei auf einen Halbsatz aus der Zeugenaussage des Skoda-Fahrers. Dieser hatte auf Nachfrage ausgesagt, dass die Frau im Mercedes auf der Autobahnabfahrt dicht auf seinen Wagen aufgefahren sei. „Sie hatten es eilig, der andere hat aus Ihrer Sicht getrödelt, dann wurde noch die Ampel rot – und dann nahm alles seinen Lauf“, hielt Siebrecht der frisch Verurteilten vor.

Von Frank Walter

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Verkehr macht den Fuhrbergern das Leben schwer. Mehr als 20.000 Autos sind Tag für Tag im Ort unterwegs. Eine Verkehrsinsel am Ortseingang aus Richtung Großburgwedel soll nach Willen des Ortsrats zumindest für Entschleunigung sorgen.

11.04.2019

Burgwedel wird wieder zur Kunstmeile: Am 18. und 19. Mai veranstaltet die IGK zum 13. Male „Kunst in Bewegung“. 42 Künstler stellen aus und stehen zum Gespräch bereit.

07.04.2019

Deutlich zu viel Alkohol getrunken hatte ein Mann, der in der Nacht zu Sonntag auf der L383 ausgerechnet einen Streifenwagen überholt hat.

07.04.2019