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Burgwedel Immendorff-Vernissage ist gut besucht
Umland Burgwedel Immendorff-Vernissage ist gut besucht
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09:57 23.01.2018
Volker und Angela Bayer sind fasziniert von den Immendorff-Drucken und versuchen, die Symbolik zu enträtseln.
Volker und Angela Bayer sind fasziniert von den Immendorff-Drucken und versuchen, die Symbolik zu enträtseln. Quelle: Heine
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Isernhagen F.B

Ein Geheimnis umweht die neue Ausstellung im KulturKaffee Rautenkranz, die der Kunstverein Burgwedel-Isernhagen organisiert hat. Gezeigt werden Werke des Künstlers Jörg Immendorff aus dem Jahr 2002. Der Sammler, der den druckgrafischen Zyklus XIU Pei Affenkönig, bestehend aus 33 Büttenblättern im Buchformat, für die Schau ausgeliehen hat, möchte allerdings anonym bleiben.

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag konnte der Vereinsvorsitzende Stefan Rautenkranz mehr als 50 Kunstliebhaber begrüßen. Die Einführung übernahm Beiratsmitglied Viktoria Krüger. Sie erklärte zunächst den Titel der Bilderserie. Immendorff sei durch einen chinesischen Romanklassiker inspiriert worden. Die Geschichte erzählt vom listigen Affenkönig Sun Wukong, der von einem Mönch auf eine zehnjährige Reise zu Buddha mitgenommen wird. „Der Affe taucht als Symbol immer wieder in Immendorffs Bildern auf", sagte Krüger. Er sei für Immendorff ein zweites Ich gewesen, ein Symbol für die Ambivalenz der Künstlerexistenz.

Aus ihrer Sicht habe sich Immendorff, inspiriert durch den chinesischen Roman, mit dem Zyklus auf seine eigene persönliche Reise begeben und blättere sie auf 33 Seiten wie ein Bilderbuch auf. Die Reihenfolge der Bilder hat der Künstler verbindlich festgelegt.

Die Radierungen, eine Mischung aus Kaltnadel und Aquatinta, zeigen ganz unterschiedliche Motive. Zu sehen sind Menschen und Tiere, die an Fabelwesen erinnern, geheimnisvolle Figuren und Chiffren in der von Jörg Immendorff entwickelten eigenen Ikonographie.

Das Schaf eröffnet den Bilderreigen als kleine schablonenartige, farbige Figur, die auf dem Bein einer Frau balanciert, und beendet den Zyklus als Umriss in einem Linienwirrwarr. Natürlich fehlt auch der Affe nicht. Er hält einen Pinsel in der Hand und balanciert auf einem Nagel-Mikado, er tanzt einen schwarz-rot-goldenen Reigen oder trägt ein Rokokokleid.

Die kleinen Arbeiten in ihrer reduzierten Farbigkeit sind zum Teil scherenschnittartig, plakativ, spielerisch und ausdrucksstark. Es gibt viel zu entdecken und zu rätseln. Das taten die Besucher ausgiebig. Volker und Angela Bayer waren sich einig, dass der Zyklus nur in der Gesamtheit wirke. „Es ist spannend zu spekulieren, was gemeint sein könnte", sagten sie.

Philipp und Andrea Sloot waren bei einer Dänemark-Reise auf Immendorff gestoßen. Sie hatten eines seiner Affenbilder auf einer Bunkerwand entdeckt, waren neugierig geworden und wollten in der Ausstellung mehr über den Künstler erfahren.

Die Ausstellung kann bis Donnerstag, 15. März, im KulturKaffee Rautenkranz, Hauptstraße 68 in F.B., besichtigt werden, und zwar montags bis donnerstags und am Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr. 

Von Sybille Heine