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Umland Burgwedel Nachrichten Jede zweite Frau wird Opfer von Gewalt
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00:15 27.11.2017
Sabrina Krinitzky aus dem Büro der Gleichstellungsbeauftragten, der stellvertretende Bürgermeister Willi Minne, Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch und die stellvertretende Bürgermeisterin Ulrike Jagau zeigen in Langenhagen Flagge. Quelle: Sven Warnecke
Langenhagen/Burgwedel/Isernhagen/Wedemark

 Sie zeigen Flagge für den Tag gegen Gewalt an Frauen am Sonnabend: Bereits am Freitag ist vor dem Langenhagener Rathaus die Fahne von terre des femmes gehisst worden – so wie bundesweit an vielen Orten als Zeichen.

Und wie nötig das ist, belegen die Zahlen des Langenhagener Beratungszentrums Ophelia. Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Deutschland sei immer noch alltäglich, berichtet Corona Bröker. Das belegten auch die Fallzahlen des vergangenen Jahres. 274 Frauen ab 13 Jahren hatten sich an Ophelia gewandt. Aus den unterschiedlichsten Gründen. So hätten die Opfer verschiedene Formen von Gewalt erlebt. Bröker zählt etwa psychische Gewalt, Mobbing, Belästigung am Arbeitsplatz, sexualisierte Gewalt oder Vergewaltigung auf. 138 Opfer kamen aus Langenhagen, 36 aus Hannover, 30 aus der Wedemark, 27 aus Isernhagen, 13 aus Burgwedel und 30 hatten keine Wohnortangabe gemacht. 

 Als einzige Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) im Norden der Region arbeitet Ophelia auch proaktiv, erläutert Bröker weiter. Soll heißen, das beispielsweise nach einem Polizeieinsatz wegen häuslicher Gewalt das Beratungszentrum Kontakt zu betroffenen Frauen aufnimmt und Hilfe anbietet. Im letzten Jahr erhielt Ophelia 277 Polizeimeldungen zu häuslicher Gewalt, sogenannte BISS-Fälle. 175 von ihnen wohnen in Langenhagen, 39 in Isernhagen, 38 in der Wedemark und 20 in Burgwedel. Andere blieben ohne Wohnortangaben. „Zählt man Selbstmelderinnen und proaktiv erreichte und beratene Betroffene zusammen, so haben im vergangenen Jahr insgesamt 473 Frauen aus dem Norden der Region Hannover die persönliche oder telefonische Beratung von Ophelia in Anspruch genommen“, bilanziert Bröker.

 „Diese Zahlen beleuchten nur das Hellfeld. Statistisch gesehen haben zwei Drittel aller Frauen in ihrem Leben sexuelle Belästigungen erfahren. Fast jede zweite Frau erleidet psychische Gewalt wie massive verbale Einschüchterungen und Drohungen und jede dritte Frau in Deutschland erlebt körperliche oder sexualisierte Gewalt“, berichtet Bröker weiter von ihrer Arbeit im Ophelia Beratungszentrum.

„Das Thema betrifft uns alle“, ergänzt dann auch die Wedemärker Gleichstellungsbeauftragte  Silke Steffen-Beck. „Die Zahlen häuslicher Gewalt steigen auch in der beschaulichen Wedemark leider stetig“,  betont sie. Bei den sogenannten Erstinterventionen mit Polizeibegleitung habe es in der Kommune gegenüber dem Jahr 2013 bis heute eine Steigerung der Fälle um 52 Prozent gegeben. 

„Gewalt gegen Frauen geht quer durch die Gesellschaft und durch alle Schichten“, betont Beraterin Bröker. Ihren Angaben zufolge ereigneten sich die meisten Übergriffe im direkten sozialen Umfeld, wo sich die Betroffenen eigentlich sicher fühlen sollten. Angst und Scham erhöhten den Leidensdruck. „Viele schweigen und fühlen sich sogar mitschuldig“, sagt sie. „Dabei sind Sexismus, das Herunterspielen von Vorfällen und eine Täter-Opfer-Umkehr strukturelle Probleme unserer Gesellschaft, die Gewalt und Machtmissbrauch begünstigen“, meint die Fachfrau.„Wer von Gewalt und Belästigungen betroffen ist, verarbeitet dies immer individuell. Unsere Beraterinnen nehmen jede Betroffene mit ihrer jeweils eigenen Geschichte und ihren persönlichen Bedürfnissen wahr und ernst“, erläutert Bröker

Opfer finden vielfältig Hilfe

Das Ophelia Beratungszentrum in der Ostpassage 9 in Langenhagen berät Frauen und Mädchen ab 13 Jahren, die Gewalterfahrungen gemacht haben. Egal, ob körperliche, seelische, sexualisierte, soziale, ökonomische oder digitale Gewalt. Das Team ist unter Telefon (0511) 7240505 und online unter www.ophelia-langenhagen.de zu erreichen. Mädchen unter 13 Jahren erfahren bei der Fachberatungsstelle Violetta www.violetta-hannover. de  Hilfe. Für Jungen und jugendliche Männer steht die Fachstelle mannigfaltig unter www.mannigfaltig. de parat. Männer können das Männerbüro unter www.maennerbuero-hannover. de  aufsuchen. Das von Caren Marks beworbene Hilfstelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr erreichbar. Unter der Rufnummer (08000) 116016 und über die Online-Beratung können sich Betroffene, aber auch Menschen aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen und Fachkräfte kostenfrei, anonym und in 17 Sprachen beraten lassen. Von März 2013 bis Dezember 2016 verzeichnete das Hilfetelefon nach eigenen Angaben rund 105.000 Beratungskontakte per Telefon, Chat und E-Mail. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.hilfetelefon.de.

Bei der Flaggenzeremonie vor dem Rathaus erinnerte Langenhagens stellvertretende Bürgermeisterin Ulrike Jagau daran, das Gewalt gegen Frauen auch heute noch allgegenwärtig sei. Nicht nur in Form von tätlicher Gewalt, sondern auch wesentlich subtiler psychisch und verbal. Doch es werde vielerorts geschwiegen. Gleichwohl seien die Folgen für die Frauen ähnlich wie bei körperlichen Attacken. Jagau fordert für mehr Respekt beider Geschlechter. „Packen wir es an“, wirbt Jagau. Für sie sei das Ziel dann erreicht, wenn im Langenhagener Rat, im Deutschen Bundestag und in den Vorstandsetagen die gleiche Anzahl an Männern und Frauen sitzen. Denn dann müssten Männer sich nicht mehr hinter ihren vermeintlichen Macht verstecken, um großartig zu sein. „Und Frauen werden sich nicht mehr als Zicken bezeichnen lassen müssen, weil sie mit den Männern konkurieren.“

Den internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen nahm auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks zum Anlass, auf das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ aufmerksam zu machen. „Das hohe Ausmaß von Gewalt gegen Frauen ist nach wie vor ein Tabuthema in Deutschland.“ Viele schwiegen aus Angst und Scham, aber auch das Umfeld schaue oftmals weg, betont Marks.  Deshalb sei es wichtig, sich an der Mitmachaktion „Wir brechen das Schweigen“ zu beteiligen, appelliert die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium.

Langenhagens stellvertretender Bürgermeister Willi Minne betont, dass „Gewalt in unserer Gesellschaft keinen Platz“ habe. Und häusliche Gewalt sei keine Privatangelegenheit. „Das geht alle an“, appelliert er. Minne ruft dazu auf, „hinzuschauen und zu handeln“.

Von Sven Warnecke

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