Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Abiturient wartet seit 41 Monaten auf Prozess
Umland Burgwedel Nachrichten Abiturient wartet seit 41 Monaten auf Prozess
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 29.03.2015
Von Martin Lauber
Das Amtsgericht Burgwedel kommt nicht hinterher. Ein 20-Jähriger wartet schon seit 41 Monaten auf seine Verhandlung.
Das Amtsgericht Burgwedel kommt nicht hinterher. Ein 20-Jähriger wartet schon seit 41 Monaten auf seine Verhandlung. Quelle: Martin Lauber (Archiv)
Anzeige
Burgwedel

Burgwedel, 26. Oktober 2011: Es ist schon dunkel, als gegen 20 Uhr im Großburgwedeler Krankenhauspark zwei Jugendcliquen aufeinander treffen. Kurz darauf befindet sich ein 14-jähriger Schüler aus Isernhagen auf dem Weg in die MHH - verletzt durch Schläge und Tritte gegen den Kopf. Von wem diese stammen, wäre vom Amtsgericht festzustellen. Bei den polizeilichen Vernehmungen nach der Schlägerei wird Tazim K. (Name von der Redaktion geändert) von einem der Zeugen als Mittäter genannt. Er selbst will nur versucht haben zu schlichten. „Ich kenne das Opfer nicht, hätte gar keinen Grund gehabt, ihn zu treten“, sagt er. Einiges spricht dafür, dass er eine Randfigur war.

Im August 2012 hatte die Staatsanwaltschaft Klage erhoben. Erst für September 2013 und später dann für Juli 2014 setzte das Amtsgericht Prozesstermine an, die aber beide wegen Erkrankung des Richters abgesagt wurden. Trotz Drängens des Verteidigers ist seitdem nichts weiter passiert - dabei sei doch gerade bei Jugendlichen die Unmittelbarkeit des Urteils wichtig, kritisiert Herwig Matthes.

„Je mehr Zeit vergeht, desto mehr verblasst die Erinnerung“, das weiß auch Michael Siebrecht, Direktor des Amtsgerichts. Er spricht von „unglücklichen Umständen“, die dazu geführt hätten, dass sich die zwischenzeitlich mit zwei weiteren Verfahren verbundene Strafsache gegen K. schon derart lange hinzieht.

Verteidiger Matthes mahnt zudem, die Justiz dürfe seinem Mandanten nicht die Zukunft verbauen. Doch genau das scheint der Fall zu sein. Der in Großburgwedel geborene Sohn kurdischer Eltern träumt von einer Zukunft im fliegerischen Dienst der Bundeswehr. Bei einem Onlinetest hat er die erforderlichen Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Aber ohne den erhofften Freispruch brauche er den Antrag auf deutsche Staatsbürgerschaft gar nicht zu stellen. Und ohne die bleibe ihm der Zugang zur Bundeswehr versperrt. Nach dem Abitur habe er schon viel Zeit vergeudet, zur Überbrückung im Einzelhandel gejobbt, so der 20-Jährige. Einem ersten Vorstellungsgespräch bei einer Bank hat er keine Fortsetzung folgen lassen - ohne Urteil kein Führungszeugnis, ohne Führungszeugnis keine Banklehre.

Siebrecht bedauert, dass der durch Krankheit entstandene Prozessrückstand derartige Konsequenzen hat. „Mit vereinten Kräften versuchen wir, möglichst zeitnah aufzuarbeiten, was liegen geblieben ist“, verspricht er. Trotzdem sei eine Terminierung im Fall K. noch nicht möglich.

Seit Februar wird am Amtsgericht an vier statt wie bislang an zwei Tagen pro Woche verhandelt. Um Richter Wolfgang Geffers, der Ende Mai vorzeitig in Pension geht, den Rücken für Altfälle frei zu halten, springen Siebrecht und Jugendrichterin Franziska Vandrey mit ein. Auch die Brandserie in Isernhagen gehört zu den unerledigten Altfällen - auch dabei ist ein Jugendlicher angeklagt.

Nachrichten Burgwedel/Isernhagen/Wedemark - Mehr Platz für Energiewende
26.03.2015