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Umland Burgwedel Nachrichten Lob: Sterbebegleiter praktizieren Menschenwürde
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00:16 17.05.2017
Von Martin Lauber
Am Ende der Feierstunde gibt es Blumen für die ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen, Männer sind beim Hospizdienst die große Ausnahme. Quelle: Martin Lauber
Burgwedel/Isernhagen/Wedemark

Es waren seit 2007 mehr als 400 Menschen in 30 Ortschaften der nördlichen Region, die ihre letzte Lebensphase alleine hätten durchstehen müssen. Deren Angehörigen in diesen schweren Tagen, Wochen oder Monaten eine wichtige Stütze gefehlt hätte. Aber es gab sie ja zum Glück, die 400 Sterbebegleitungen, die Entlastung und Hilfe bedeuteten. Diese eindrucksvolle Zahl blieb ungenannt, als der Ambulante Hospizdienst für Burgwedel, Isernhagen und Wedemark am Freitagnachmittag im Amtshof „10 Jahre Begleitungen“ feierte. „Meistens kommen wir als Fremde und oft gehen wir als Freunde“, bilanzierte Koordinatorin Ute Rodehorst bescheiden. Manchmal sei die Zeit dafür aber auch zu kurz.

Grünjes: Gottes Hände

Die meisten der zurzeit 49 aktiven Sterbebegleiter, aber auch viele Angehörige, die zum Teil noch Jahre nach dem Verlust eines geliebten Menschen das Sterbecafé des Hospizdienstes im Großburgwedeler Mitteldorf besuchen, füllten die Stühle im Veranstaltungszentrum fast bis auf den letzten Platz. Seinen Dank an die Ehrenamtlichen formulierte Superintendent Holger Grünjes – der Kirchenkreis ist Träger des Hospizdienstes – theologisch: „Gott hat keine Hände, nur die der Menschen. Diese Hände sind die unserer Begleiter, die Trost in ein Haus bringen und die Angehörigen nicht allein lassen.“

2006 noch eine Initiative

„Sie schenken, aber verschenken Ihre Hilfe nicht, weil sie Dankbarkeit, Anerkennung und großen Respekt erfahren“, sagte die Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin Caren Marks. „Wie aus einer Idee eine Aufgabe wächst und ein Fels in der Brandung geworden ist, das kann man hier sehen“, erinnerte sie an die Gründung der Hospizinitiative 2006 unter Regie der zwischenzeitlich verstorbenen Großburgwedelerin Christine Müller. Im Jahr darauf schon nahmen die ersten elf Begleiter nach der Ausbildung ihren Dienst auf.

Gerd Klaus ist Vorsitzender des Hospizverbandes Niedersachsen. Er führte in seinem Grußwort Artikel 1 des Grundgesetzes an als Grundlage der Hospizarbeit: „Freundlichkeit und Humor bis zum letzten Atemzug hat jeder Mensch verdient, das gehört zur Menschenwürde“, meinte er – folgerichtig sein Dank an die Ehrenamtlichen: „Diese Menschenwürde praktizieren Sie.“ An die Abgeordneten im Saal gewandt erklärte Klaus, die 2015 deutlich verbesserten gesetzlichen Grundlagen für die Hospiz- und Palliativversorgung belegten, dass die Politik viel besser sei als ihr Ruf.

Nein sagen ist erlaubt

Wie sehr trotz aller Belastungen die Hospizarbeit ihr Leben bereichere, machten die Begleiterinnen Bärbel Wille und Hannelore Keilholz deutlich. Die hauptamtlichen Koordinatorinnen bewiesen großes Geschick, die passenden Menschen zusammen zu bringen. „Das gibt uns Sicherheit.“ Und auch Nein zu sagen, sei erlaubt.

Ihre Feierlichkeit verdankte die Feierstunde den Musikern des Johann-Strauß-Orchesters – Ensemble-Chef István Szentpáli hatte die Liedfolge feinfühlig auf den Anlass abgestimmt. Das Gastspiel war ein Geschenk an den Hospizdienst.

Nachgefragt

"Wir bleiben immer bis zum Schluss"

Interview mit der ehrenamtlichen Sterbegleiterein Hannelore Keilholz

Sie gehörten zum ersten Kurs, in dem der damals neu gegründete ambulante Hospizdienst Sterbe­begleiter ausbildete. Warum haben Sie sich 2007 für diese Aufgabe gemeldet?

Ich arbeitete schon im Krankenhausbesuchsdienst mit, als ich von dem Schulungskurs in der Zeitung las. Die Aufgabe hat mich interessiert.

War die erste Begleitung
sehr schwer für Sie?

Nein, die war total erfüllend. Meine erste Patientin war etwa fünf Jahre älter als ich und hatte zwei Söhne, die der Situation recht hilflos gegenüber standen. Wir haben eine tolle Gesprächsebene entwickelt. Herauszubekommen, was der Patientin gut tut und dann das Richtige zu tun, ist bis heute jedes Mal aufs Neue ein Erfolgserlebnis für mich.

Wie bewältigen Sie
 die Todeserfahrungen?

Man kommt sehr nahe ran an die Person, die man begleitet. Wir bleiben immer bis zum Schluss. Natürlich ist man am Ende traurig. Aber man zerbricht nicht daran – wie wir uns schützen können, lernen wir in der Supervi­sion. Häufig werde ich zur Beerdigung eingeladen und kann dann persönlich Abschied nehmen. Nach einer Begleitung, die viel Kraft kostet, braucht man auch mal eine längere Pause.

Welche Voraussetzungen sollte ein Sterbebegleiter mitbringen?

Man muss gut zuhören können und offen sein – auch jeder Religion gegenüber. Und man muss auch fröhlich sein. Wir erzählen uns gerne auch mal Witze.

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