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07:35 04.01.2013
Ein Blechschaden beim Ausparken kostete eine Rentnerin für mehrere Monate den Führerschein.
Ein Blechschaden beim Ausparken kostete eine Rentnerin für mehrere Monate den Führerschein. Quelle: Symbolfoto
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Burgwedel

0,49 Promille hatte der Bluttest ergeben: „Ich trinke mittags Weinschorle zum Essen“, gestand die 68-Jährige am Donnerstag vor dem Amtsgericht Burgwedel. Dagegen sei nichts einzuwenden, entgegnete der Richter. „Aber dann setzen Sie sich hinterher bitte nicht mehr ans Steuer.“ Das hatte die Rentnerin jedoch am 28. März getan.

Auf dem Weg zur Sportstunde fuhr sie auf dem Westerfeldweg in Bissendorf. „Die Straße ist sehr eng“, schilderte sie den Fall. Als ihr ein Lastwagen entgegenkam, wich sie in eine Parklücke aus. „Beim Ausparken habe ich dann den Abstand überschätzt und ein Auto gerammt.“

Womit allerdings die darauf folgende Reaktion zu erklären sei, darüber waren sich Staatsanwaltschaft, Richter und Verteidiger am Donnerstag nicht einig. Die Gretchen-Frage: War es der typische Fahrfehler einer Frau, ist die Rentnerin altersbedingt ungeeignet dafür, am Straßenverkehr teilzunehmen, oder hatte doch der Alkoholeinfluss seine Wirkung gezeigt? „Ich bin nach dem lauten Geräusch ausgestiegen und habe überlegt, was ich tue“, berichtete die Unfallfahrerin. Zurücksetzen oder doch vorfahren? Die 68-Jährige entschied sich für Variante zwei - und touchierte zwei weitere Fahrzeuge in Schrittgeschwindigkeit.

„0,49 Promille sind nicht der Regelfall einer Trunkenheitsfahrt“, argumentierte der Verteidiger. „Die Frau hat nicht volltrunken jemanden totgefahren, sondern fühlte sich fahrtüchtig und hat fahrlässig einen Blechschaden verursacht.“ Auf die Frage des Richters, ob der Alkohol denn Schuld gewesen sei, reagierte die Angeklagte selbstkritisch: „Vielleicht war er mit der Grund. Ich war halt so überrascht.“ Der medizinische Gutachter konnte gestern auch nur vermuten: „Ab 0,3 Promille kann es schon einmal Leistungseinbußen geben.“

Am Ende waren sich alle einig: Die Frau war geständig, zuvor nie negativ aufgefallen und hatte den Unfall sofort gemeldet. 40 Tagessätze à 25 Euro hat sie nun zu zahlen. Hinzu kam ein Fahrverbot für drei Monate. Dennoch bekam die Frau am Donnerstag ihren alten, grauen Führerschein ausgehändigt. „Die Staatsanwaltschaft hat zwar geschlampt und Ihnen die Fahrerlaubnis erst im Juli abgenommen“, begründete der Richter die Übergabe des „wohl schon mehrmals mit gewaschenen“ Führerscheins. „Aber damit haben Sie de facto schon seit sieben Monaten keinen mehr, und die drei Monate werden angerechnet.“

Carina Bahl

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