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Umland Burgwedel Nachrichten Erste Flüchtlinge büffeln fürs Wohn-Zertifikat
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00:16 27.01.2018
Immobilienmaklerin Tina Ehmig-Roth geht mit den Lehrgangsteilnehmern einen Mietvertrag Punkt für Punkt durch.
Immobilienmaklerin Tina Ehmig-Roth geht mit den Lehrgangsteilnehmern einen Mietvertrag Punkt für Punkt durch. Quelle: Martin Lauber
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Burgwedel

 Und immer wieder: „Das ist seeehr wichtig!“ Immobilienmaklerin Tina Ehmig-Roth dekliniert freundlich, aber verbindlich einen deutschen Muster-Mietvertrag durch. Jeder Punkt ist wichtig, viele sehr. Raida Mohammed übersetzt die gefühlten Ausrufezeichen nachdrücklich mit ins Arabische. Zehn Männer und zwei Frauen, die als Flüchtlinge in Burgwedel leben, lauschen konzentriert. 

Es ist der erste von drei dreistündigen Seminar-Abenden im Ikm-Treff, an deren Ende die Stadt Burgwedel den Teilnehmern ein „Wohn-Zertifikat“  in die Hand drücken möchte. 5.000 Euro Fördermittel hat die Kommune dafür von der Region Hannover bekommen. Sozialarbeiter Otto Krull wird am zweiten Abend über die Themen Wohnungssuche und -bezahlung referieren. In der finalen Unterrichtseinheit in zwei Wochen wird es dann ums Energiesparen, um Müllentsorgung, Heizung, Schimmel und Lüften gehen. Insgesamt zehn Durchgänge sind zunächst geplant.

 „Eine Vier-Zimmer-Wohnung muss vier Zimmer haben“

Tina Ehmig-Roth ist seit einem Vierteljahrhundert im Immobiliengeschäft: „Ich weiß, wie schwer es ist, gerade in unserer Gegend eine Wohnung zu finden“, versichert sie. Gerade deshalb finde sie die Schulung ja so wichtig. „Es ist gut für Sie, wenn Sie viel wissen, aber auch gut den Vermietern gegenüber.“

Es gibt so viel, das ein Geflüchteter nicht automatisch wissen kann. Zum Beispiel, dass auch fahrlässig falsch gemachte Angaben bei der Mieter-Selbstauskunft „die sofortige Kündigung begründen können“, wie die Fachfrau warnt. Sie rät: „Lassen Sie sich deshalb viel Zeit, den Mietvertrag genau zu lesen.“

Zum Basiswissen gehört: „Eine Vier-Zimmer-Wohnung muss auch vier Zimmer haben“, Küche oder Bad seien dabei nicht mitzuzählen, erklärt die Maklerin. Betriebs- und Nebenkosten müssten im Mietvertrag en Detail aufgeführt sein - „da gibt es immer die größten Probleme“.  Spätestens am 3. jedes Monats müsse die Miete auf dem Konto des Vermieters sein, Schäden an der Wohnung müssten diesem ohne Verzug angezeigt werden. „Gaaanz wichtig“, so Ehmig-Roth, sei das Übergabe-Protokoll, in dem der Ist-Zustand zum Einzugstermin festgehalten wird.

Vertrauensbildende Maßnahme

Zum Thema  Vorstellungsgespräch beim Vermieter lässt die Maklerin ihre Zuhörer von ihrem Erfahrungsschatz profitieren. Und natürlich spart sie - „Es ist wichtig, dass Sie sie sich genau angucken!“ – das Thema  Hausordnung nicht aus. Auch Otto Krull hat es am ersten Seminarabend mit „wichtig“:  „Dass im Kurs rüberkommt, dass eine Wohnung eine wertvolle Sache ist“, sei ihm besonders wichtig. Denn das „Wohn-Zertifikat“ solle nicht nur ein Schein sein, sondern nicht weniger als eine vertrauensbildende Maßnahme.

Von Martin Lauber