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Nachrichten Zitterpartie bis Mai: Reichen die Kitaplätze?
Umland Burgwedel Nachrichten Zitterpartie bis Mai: Reichen die Kitaplätze?
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00:26 16.04.2018
179 Krippenplätze gibt es aktuell in allen Burgwedeler Tagesstätten zusammen, dazu 61 Plätze in der Tagespflege – nicht genug für den steigenden Bedarf.
179 Krippenplätze gibt es aktuell in allen Burgwedeler Tagesstätten zusammen, dazu 61 Plätze in der Tagespflege – nicht genug für den steigenden Bedarf. Quelle: picture alliance / dpa
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Burgwedel

  In Burgwedel gibt es etwa 50 Jungen und Mädchen, von denen die Stadtverwaltung nicht weiß, ob sie nach den Sommerferien einen Kita- oder einen Grundschulplatz brauchen. Das Risiko, nicht alle wunschgerecht versorgen zu können, ist einer Novelle des Schulgesetzes vom Februar geschuldet. Eltern, deren Kind zwischen Anfang Juli und Ende September sechs Jahre alt wird, dürfen nun selbst bestimmen, ob sie es von der Einschulung zurückstellen lassen oder nicht. Stichtag für ihre Entscheidung ist der 2. Mai. 

Kein Echo von den Eltern

Die Hoffnung der Stadtverwaltung, früher Klarheit für ihre Planung zu gewinnen, hat sich nicht erfüllt. Sie hatte alle betreffenden Eltern angeschrieben, aber nur ein Bruchteil sei der Bitte gefolgt, vorab eine Ansage zu machen. Das berichtete die Erste Stadträtin Christiane Concilio am Donnerstagabend im Jugendausschuss bei der Vorstellung der Drei-Jahres-Kindertagesstätten-Planung. 

Punktuell könnte es infolge der Neuregelung nun „klemmen“: In Großburgwedel zum Beispiel bieten alle Träger zusammen 299 Kita-Plätze. Würden alle 28 potenziellen „Schulkinder“ zurückgestellt, fehlten im August 18 Kita-Plätze. In Wettmar bliebe es auch nächstes Jahr noch richtig eng. Schon jetzt decken dort die vorhandenen 116 Kita-Plätze den Bedarf nicht 100-prozentig ab.  Kämen bis zu 12 Schulkinder hinzu, „krieg’ ich das nicht mehr hin“, signalisierte Concilio. 

Concilio: Gründe für Zurückstellung werden nicht hinterfragt

Dass (von den Eltern) zurückgestellte Kinder nur einen gesetzlichen Anspruch auf fünf Stunden Kita-Betreuung haben, wird die Stadt Burgwedel schlicht ignorieren. „Wir haben für uns entschieden: Das kann man nicht machen“, sagte Concilio. „Die Eltern haben ihre Gründe.“ Den zusätzlichen Betreuungsbedarf müssten sie durch einen Arbeitsplatznachweis dokumentieren. Eine Fünf-Stunden-Betreuung bis 13 Uhr nehmen ohnehin nur noch 28 Prozent (189) aller Burgwedeler Eltern in Anspruch.  46 Prozent (306) schicken ihre Kinder bis 15 Uhr und 26 Prozent (170) bis 16 oder 17 Uhr. 

Bei den Kindern unter drei Jahren hat die Stadt bisher mit einer Versorgungsquote von 45 Prozent kalkuliert, die jetzt aber nicht mehr ausreicht. „Immer mehr Eltern kehren nach einem Jahr in die Berufstätigkeit zurück“, so die Erste Stadträtin. Der Bedarf sei „langsam steigend“. Zusätzliche Kapazitäten werden - bis auf Thönse – kurz- oder mittelfristig in allen Ortschaften benötigt. Aktuell werden 179 der 226 Kinder unter drei Jahren in Krippen betreut, die übrigen in Tagespflege. 

Zuzüge halten Bevölkerungsstand stabil

Nachschulisch läuft alles rund: Burgwedels fünf Offene Ganztagsgrundschulen werden von 490 Kindern an vier Tagen pro Woche bis 15.30 Uhr genutzt. Für die Zeit bis 17 Uhr stehen 200 Plätze in Horten zur Verfügung. Deren Personal ist über Kooperationsvereinbarungen in den Ganztagsschulbetrieb eingebunden, aus Concilios Sicht ein dickes  Plus: „Die Kinder haben es also nicht mit unterschiedlichen Personen zu tun.“

Demografisch betrachtet, müsste die 21.000-Einwohner-Stadt Burgwedel Kita-Kapazitäten eher ab- als aufbauen. Das Rathaus plant auf der Basis realer Geburtenzahlen, und diese reichen seit Jahren nicht aus, um den Bevölkerungsstand zu halten. Bei 665 Kita-Plätzen gäbe es ab 2019 ausreichend Luft, selbst wenn dann alle potenziellen Schulkinder (43) zurückgestellt würden. Doch nach den Erfahrungen von Christiane Concilio wird es anders kommen – dank stetiger Zuzüge, die sie aber nicht vorab einplanen könne.

Fluxx hilft mit Notfallbetreuung 

Was tun, wenn die Betreuung der Kinder ausfällt – bei unvorhergesehenen Arbeitsspitzen, plötzlicher Krankheit oder nach einem Unfall? Für solche Fälle haben Stadt und Region Hannover die "Fluxx Notfallbetreuung" eingerichtet, die für Kinder von 0 bis 13 Jahren kurzfristig Betreuungspersonen in den Haushalt der Familie oder ein Betreuungsangebot außerhalb inklusive Fahrdienst organisiert. SPD-Ratsherr Stephan Nikolaus-Bredemeier hat angeregt, dass die Stadt Fluxx-Partner wird, damit Burgwedeler diese Leistungen in Anspruch nehmen können. Für die Kommune würde ein Jahres-Obolus von einem Euro für jedes der 1882 Kinder unter 14 Jahren fällig. Jede Betreuungsstunde kostet für die Eltern dann nur noch fünf Euro. Zur nächsten Sitzung soll dem Jugendausschuss eine beschlussreife Vorlage vorliegen. 

Von Martin Lauber

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15.04.2018