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Nachrichten Das Melken der Lämmer – selbst ausprobiert
Umland Burgwedel Nachrichten Das Melken der Lämmer – selbst ausprobiert
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00:25 05.04.2018
Katerina Jarolim-Vormeier melkt zum ersten Mal eine Ziege. Quelle: privat
Wettmar

 Eigentlich bin ist ein Stadtmensch. Und mit Tieren habe ich es auch nicht so. Daheim sind derzeit drei Goldfische und zwölf Kois unsere Lieblinge. Als aber  in der Redaktion die Idee aufkommt, auf dem Ziegenhof Schümer die Tiere zu melken – bin ich schnell dafür zu haben.

Gesagt, getan: Morgens um 8.15 Uhr geht auf dem Wettmarer Ziegenhof Schümer die Sonne auf.  Die Temperatur liegt um den Gefrierpunkt. Mit Wollsocken und Gummistiefeln ausstaffiert, warm eingepackt in vier Schichten, begrüßt mich Chefin Elke Walter auf ihrem Hof mit einem festen Händedruck. Das ist sympatisch. Und schon geht es los. 

 „Ziegen sind intelligent und tun Menschen nichts“

Wir betreten den Melkraum. Für micht das erste Mal. Sieben ausgewachsene Ziegen zeigen uns ungeniert von einem Podest aus ihre Allerwertesten. Sie lassen sich durch niemanden und nichts beirren – auch nicht durch meine Anwesenheit. Denn, ihre Mäuler konzentrieren sich auf die Futternäpfe, die vor ihnen stehen. Darin bekommen sie jeden Morgen ihr Kraftfutter. Die kleinen braunen Sticks sind schnell verputzt. „Wir verwenden ein Produkt ohne genmanipuliertes Soja, das ist uns wichtig“, erklärt die 39-Jährige.

57 Ziegenlämmer bevölkern zurzeit den Hof Schümer in Wettmar. Sie müssen auf einen Teil der Milch ihrer Muttertiere aber verzichten –für die Käseproduktion. HAZ-Mitarbeiterin Katerina Jarolim-Vormeier hat beim Melken mit angepackt.

 Unterdessen schaue ich Elke Walter bei ihren Handgriffen zu. Dann lege ich selbst los. Ich taste mich heran. Fasse zunächst die vollen Euter von Asta und Antje an, sie sind Ziegenzwillige, und stelle fest: Sie sind prall gefüllt und hart. Meine erste Berührung scheint die „Damen“ nicht zu stören. „Ziegen sind intelligent und tun Menschen nichts“, versichert mir Elke Walter. Also, weiter geht’s. Bevor die Tiere mit einer Maschine gemolken werden, säubere ich die zwei Zitzen mit einem Tuch und melke vor – mit der Hand. Das klappt auf Anhieb. Nur: die Milch spritzt im hohen Bogen auf meine Jacke statt in den Metallnapf. Macht nichts.

Danach darf ich auch die Melkmaschine bedienen. Ich stülpe die Sauger über die Zitzen: Milch marsch! Der weiße Saft fließt durch eine Leitung direkt in die Käserei nach nebenan – und dort in einen riesigen Metallbottich. Nach zehn Minuten sind die Euter der Milchziegen leer. Aus dem Stall von nebenan ertönt ein laustarkes Määh-Määh-Määh – das kling ziemlich zickig. „Die Lämmer sind ungeduldig und warten auf ihre Mütter, um auch noch Milch abzubekommen“, erklärt die Chefin und lässt die Hippen zu ihren Kindern raus. Im Galopp laufen sie gemeinsam auf die Wiese.

50 Muttertiere müssen gemolken werden

Das Procedere beginnt von Neuem – solange, bis alle 50 Muttertiere die Melkstation durchlaufen haben. Nach 70 Minuten haben wir es geschafft. Der Ertrag: rund 40 Liter Ziegenmilch. Zwischendurch schaut Elke Walter immer wieder in die Käserei. Dort kippt sie die Milch in weiße Kunststoff-Becher. „Daraus wird Frischkäse“, verrät sie. 

Ihre Mutter Erika Schümer hilft auf dem Hof mit. Die 68-Jährige hat zwischenzeitlich auf der Wiese Heuhaufen verteilt und füllt die Wassertröge wieder auf. „Das mache ich, weil die Ziegen eine Rangordnung haben und auch die Schwächeren sollen Futter abbekommen“,  erzählt die gebürtige Wettmarerin. Dann zeigt sie mir die drei Ziegenböcke, die auf einer separierten Wiese ihren Mann stehen: Milan (6), Mika (5) und Zambo (4) heißen die Väter der aktuell insgesamt 57 Frischlinge, die im November und Februar geboren wurden. Wobei die männlichen Bock- und weiblichen Ziegenlämmer pari pari sind. 

 Unbeschwert tummeln sich die 110 Ziegen auf dem Areal hinter den Ställen – bis zum Abend. „Wenn es regnet, holen wir sie früher herein“, erklärt Erika Schümer. Seit 14 Jahren betreibt ihre Tochter den Ziegenhof. Das morgendliche Melkritual versucht sie, immer zur gleichen Zeit  zu schaffen, sieben Mal die Woche. Das sei mit einem Kind nicht immer einfach, sagt die Mutter eines fünfjährigen Sohnes.

Nach dem Melken füllen wir Heu in die Futtergitter aus Holz, die an diversen Stellen in den Ställen angebracht sind. Danach fegen wir das Heulager aus. Die Arbeit ist für mich damit beendet. Ich könne jeden Morgen kommen und helfen, verabschiedet sich Erika Schümer freundlich von mir.

Alles Käse 

Alles ist Handarbeit: Ein Liter Ziegenmilch ergibt laut Ziegenhof-Chefin ungefähr 100 Gramm Schnittkäse. Aus der gleichen Menge Milch werden 300 Gramm Frischkäse oder Quark gewonnen. Damit die Milch gerinnt, mischt Elke Walter Kulturen und Lab darunter. Auf Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe, Farbstoffe und künstliche Aromen verzichtet der Hof ganz. Bis auf den Schnittkäse werden alle Milchprodukte aus pasteurisierter Milch hergestellt – aus 100 Prozent Ziegenmilch.

Außer Milchprodukten gibt es außer Käse auch Fleisch und Wurst. Ab Mitte Mai bis Juni wird geschlachtet. „Nicht von uns, sondern von einem Fleischer unserer Wahl“, erklärt Walter. Der Ziegenhof verkauft dann halbe oder ganze Lämmer und auch Salami. 

Vorher muss sie aber noch erklären, was aus der Ziegenmilch hergestellt wird: 17 verschiedene Sorten Käse werden in Wettmar produziert. Dazu gehören verschiedene Schnittkästesorten, Laibe von Frischkäse, auch eingelegt in Öl und Kräutern, sowie Quark. Bei der neuesten Kreation, Streichkäse mit Curry und Aprikose, läuft mir nach getaner Arbeit das Wasser im Munde zusammen. „Noch nicht fertig“, sagt Elke Walter. Schade. 

Auch wenn die Arbeit nicht anstregend war und Spaß gemacht hat: Der erste Melkversuch wird wohl mein letzter bleiben. Aber die Zicklein habe ich mein Herz geschlossen. Und den Frischkäse werde ich auch noch probieren.

Von Katerina Jarolim-Vormeier

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