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Umland Burgwedel Nachrichten Polizisten beleidigt: Haftstrafe auf Bewährung
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00:16 15.01.2017
Von Martin Lauber
Das Amtsgericht Burgwedel ahndete eine Polizistenbeleidigung mit einer Haftstrafe zur Bewährung plus 1500 Euro Geldstrafe.
Das Amtsgericht Burgwedel ahndete eine Polizistenbeleidigung mit einer Haftstrafe zur Bewährung plus 1500 Euro Geldstrafe. Quelle: Frank Walter
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Burgwedel

Mit „Witzfiguren“, „Lachnummern“ und „Penner“ hatte er im Juli zwei Polizisten betitelt – wenigstens ein Hauch von nachträglichem Bedauern hätte dem 64-Jährigen vor Gericht gut zu Gesicht gestanden. Weil er der Verhandlung aber eher amüsiert folgte und seine Verbalattacken auch noch rechtfertigte, ging sein Widerspruch gegen einen Strafbefehl über 1500 Euro wegen Beamtenbeleidigung am Donnerstag komplett nach hinten los.

Amtsrichter Michael Siebrecht packte auf die verhängte Geldstrafe noch eine zweimonatige Freiheitsstrafe (zur Bewährung) obendrauf. Und er warnte den einschlägig vorbelasteten Rentner: „Wenn Sie Ihr Verhalten nicht ändern, wandern Sie das nächste Mal ins Gefängnis.“

Einschlägige Vorstrafen

Tatort ist an jenem frühen Morgen in den Sommerferien eine Grundstückszufahrt in einem Burgwedeler Ortsteil, auf der der 64-Jährige seinen Kleintransporter so dicht vor der Haustür seiner Mieterin geparkt hat, dass diese – sie will zur Arbeit und ihre Kinder in den Hort bringen – sich nicht hinaustraut, zumal aus dem offenen Beifahrerfenster ein großer Hund laut bellt.

Allemal ist das Verhältnis mehr als vorbelastet: Per einstweiliger Verfügung ist der Vermieter gehalten, Abstand zu halten von der Frau, ihre Wohnung darf er auch nicht betreten.

Um starten zu können, ruft die Mieterin also die Polizei. Zwei Beamte sind schnell vor Ort, verfügen, dass die Scheibe des Transporters geschlossen und der Wagen umgeparkt werden soll. Nachdem der 64-Jährige unter anderem versichert, dass er sich von „euch Witzfiguren“ nichts sagen lasse, sprechen die Polizisten einen Platzverweis aus. Während die alleinerziehende Mutter endlich – mit weinenden Kindern – losfahren kann, fährt der Vermieter zur Polizeiwache, um sich zu beschweren.

Auch vor Gericht stand der Mann, der erst im Sommer wegen Beleidigung und 2015 wegen Bedrohung verurteilt wurde, am Donnerstag zu seinen Beschimpfungen. Für Rechtfertigungsversuche, er habe an der Stelle geparkt, um einen schweren Zementsack in die Nachbarwohnung zu tragen, hatten Richter und Staatsanwalt aber kein Ohr – reine Nebensache!

Der Anklagevertreter sprach Tacheles: Die Selbstverständlichkeit, mit der der Angeklagte das Recht für sich in Anspruch nehme, Beamte, „die ihren Kopf für uns hinhalten“, zu beleidigen, mache ihn fassungslos. „Zur Einwirkung auf Sie und zur Verteidigung der Rechtsordnung“ forderte er eine zweimonatige Haftstrafe zur Bewährung und 600 Euro. Die Geldstrafe setzte Amtsrichter Siebrecht auf 1500 Euro fest. Sie solle wehtun. „Die Gesellschaft muss sich das nicht gefallen lassen.“

Martin Lauber 14.01.2017
14.01.2017