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Umland Burgwedel Nachrichten Hinter der Kleiderei steht jetzt ein Verein
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00:16 11.03.2017
Von Martin Lauber
Sie machen weiter: Naoufel Abdelkarim, Monika Rätzke (hinterm Spiegel) ebenso wie (von rechts) Doris Litzkerdorf, Marion Riedel, Ingrid Stenert und Ute Hasenbein. Pestalozzi-Vorstand Claus Fitschen ist zu Besuch in der Kleiderei.
Sie machen weiter: Naoufel Abdelkarim, Monika Rätzke (hinterm Spiegel) ebenso wie (von rechts) Doris Litzkerdorf, Marion Riedel, Ingrid Stenert und Ute Hasenbein. Pestalozzi-Vorstand Claus Fitschen ist zu Besuch in der Kleiderei. Quelle: Martin Lauber
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Großburgwedel

Das Stadtwappen auf dem Schild an der Pestalozzi-Straße ist weiß überklebt. In der „Kleiderei Burgwedel“, auf die es hinweist, führt jetzt ein nicht eingetragener Verein Regie – und hat trotz aller Turbulenzen keinen einzigen Öffnungstag ausfallen lassen.

Dabei hatte Bürgermeister Axel Düker vor acht Wochen überraschend verkündet, die bis dahin städtische Kleiderstube Ende Januar schließen und deren Aufgaben auf das DRK Isernhagen übertragen zu wollen. Viel Kritik hatten ihm die Art und Weise dieser Ankündigung eingebracht.

„Wir waren wir völlig platt“, berichtet Ingrid Stenert als Sprecherin des Kleiderei-Teams. „Aber nachdem wir uns von dem Schock erholt und so viel Resonanz und Hilfe bekommen haben, gehen wir aus der ganzen Geschichte moralisch gestärkt hervor.“ Starthilfe gab es unter anderem in Form von Kundenkarten, die eine Druckerei kostenlos für die Kleiderei druckte. Ein Privatmann übernahm die Kosten der Haftpflichtversicherung, ein anderer spendierte die Flyer. „Für die Welle der Unterstützung, die positiv über uns hereinbrach, möchten wir uns ganz herzlich bedanken“, sagt Stenert.

Dass sich die zwölf Ehrenamtlichen nach diversen Gesprächsrunden im Rathaus zum Weitermachen und zur Gründung eines Vereins entschlossen haben, dafür war an vorderster Stelle aber die Pestalozzi-Stiftung verantwortlich, der die kleine Wohnung gehört, in der die Kleiderei seit Februar 2016 untergebracht ist. Sie erklärte sich Stenert zufolge „völlig unkompliziert“ bereit, der nun nicht mehr städtischen Einrichtung die Räume weiter kostenlos zu überlassen.
Warum? „Auch unsere Stiftung ist einmal entstanden, weil Menschen zusammen kamen, die etwas zum Besseren verändern wollten“, sagt Pestalozzi-Vorstand Claus Fitschen dazu. Die Kleiderei darf die Räume ohne Mietvertrag nutzen, den ein nicht rechtsfähiger Verein auch gar nicht unterzeichnen dürfte. Nur Nebenkosten werden fällig.

Das Kleiderei-Team macht also weiter, hat allerdings für die Ausgabe der gespendeten Sachen einen kleinen Obolus eingeführt, um alle anfallenden Kosten bezahlen zu können. Für jeweils fünf Teile (Kleidung, Taschen, Schuhe) muss jetzt ebenso ein Euro bezahlt werden wie für jes eine Garnitur Bettwäsche oder ein großes und ein kleines Handtuch.

Rund 120 Menschen mit Berechtigungsschein zählt die Kleiderei zu ihren Kunden. Ihr Angebot gilt für alle bedürftigen Burgwedeler Bürger und alle hier wohnenden Flüchtlinge. Weil letztere in der Überzahl sind, ist das Team froh, dass es von der jungen Irakerin Servin Taksin und vom dem Algerier Naoufel Abdelkarim unterstützt wird. Beide dolmetschen in den Sprachen Arabisch, Kurdisch, Französisch, Englisch – und bei Bedarf kann „Karim“ sogar ein paar Brocken Russisch.

Die neuen Zeiten sind die alten - Helfer und Klamotten willkommen

In der Kleiderei, die an der Pestalozzistraße 9 a in Großburgwedel in einem Gebäude hinter der Pestalozzi-Wäscherei untergebracht ist, bleiben die Öffnungszeiten auch unter neuer Regie die alten: Die Kleiderstube öffnet an jedem Mittwoch von 10 bis 13 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr. Zu diesen Zeiten werden gebrauchte Sachen an Personen mit einem Berechtigungsnachweis abgegeben, aber auch Spenden entgegen genommen. Im Augenblick bestehe – außer an Schuhen, Bettwäsche und Handtüchern – besonderer Bedarf an Sportsachen und -schuhe für Männer sowie ganz allgemein an Frühjahrs- und Sommerbekleidung. Aber auch das zwölfköpfige Team könne für die Mittwochs-Dienste dringend Verstärkung gebrauchen, sagt Ingrid Stenert. Sie ist erreichbar unter der Rufnummer (0177)  7 08 02 70 oder per E-Mail an ingridstenert@web.de.

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